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Welcher Wochentag war der 14.0.1926?

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Tageseinträge für 14. 1926

1.1.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg gibt in Berlin dem Diplomatischen Korps einen Neujahrsempfang. In Reden wird der Wille der Staaten, den Frieden zu stärken, betont.

1.1.1926

Der steuerfreie Einkommensbetrag im Deutschen Reich wird von 960 auf 1200 Reichsmark (RM) erhöht.

1.1.1926

Der General der Infanterie Hans von Seeckt wird zum Generaloberst befördert.

1.1.1926

Das Hochwasser des Rheins erreicht mit 9,30 m bei Koblenz den höchsten gemessenen Stand seit 1781.

1.1.1926

Weltweit gibt es 27,75 Millionen Fernsprecher, 61% sind in den USA registriert, 27% in Europa, im Deutschen Reich 9,3%.

2.1.1926

Der rumänische König Ferdinand I. nimmt den Thronverzicht von Kronprinz Karl an.

2.1.1926

Infolge des schweren Sturms im Ärmelkanal gerät ein schwedisches Schiff in Seenot, die Mannschaft wird 30 Minuten nach dem ersten Seenotruf geborgen.

3.1.1926

Der griechische Ministerpräsident General Theodoros Pangalos proklamiert die Diktatur.

3.1.1926

Die deutsche KPD-Politikerin Clara Zetkin wird zur ersten Vorsitzenden des Roten Frauen- und Mädchenbundes gewählt.

3.1.1926

Die "Berliner Illustrirte" meldet, dass der Charleston auch in dieser Saison an der Spitze der Modetänze steht.

4.1.1926

Im Zusammenhang mit einer ungarischen Geldfälscheraffäre - gefälschte französische 1000-Franc-Noten sind in Umlauf gebracht worden - wird Prinz Ludwig Windischgrätz in Budapest verhaftet.

4.1.1926

Nach dem Rücktritt des Kabinetts Alexander Zánkow bildet Andreas Ljap ç ev in Bulgarien eine neue Regierung. Zánkows harte Haltung gegenüber den Agrariern und den Kommunisten hat keine Mehrheit gefunden.

4.1.1926

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft lässt die Ausgabe des "Simplicissimus" vom 4. Januar beschlagnahmen, weil sie an einer Karikatur auf eine frühere Zensurmaßnahme Anstoß nimmt.

4.1.1926

Drei deutsche Schiffe sind an der estnischen Küste im Eis steckengeblieben. Die Besatzung hat keine Lebensmittel und keine Kohlen.

4.1.1926

Der Mount McKinley in Alaska ist in vulkanischer Tätigkeit.

5.1.1926

Die griechische Regierung hebt mit Ausnahme des Artikels 1, der besagt dass Griechenland eine Republik ist, alle Artikel der Verfassung auf.

5.1.1926

Die sowjetische Zeitung "Iswestija" befaßt sich mit den diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und der Schweiz. Die Lage ist seit 1923 gespannt, weil die Schweiz nicht bereit war, offiziell ihr Bedauern zur damaligen Ermordung eines sowjetischen Bürgers in der Schweiz auszusprechen. Aus diesem Grund weigern sich sowjetische Delegierte, an internationalen Konferenzen in der Schweiz teilzunehmen.

5.1.1926

Ein Hochwasser in Rumänien hat 100 Todesopfer gefordert.

5.1.1926

Der preußische Minister des Innern Carl Severing, ordnet an, dass auch 1926 alle Karnevalsveranstaltungen unter freiem Himmel verboten sind.

6.1.1926

In Berlin wird auf Initiative der KPD ein Ausschuß gegründet, der den Volksentscheid für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten vorbereiten soll. Dem Ausschuß gehören neben der KPD auch die Unabhängigen Sozialdemokraten, der Sozialistische Bund und die Deutsche Liga für Menschenrechte an. Am 19. Januar schließt sich die SPD der Initiative an.

6.1.1926

In Berlin wird die Deutsche Lufthansa AG gegründet.

6.1.1926

Aus dem Vesuv in Italien strömt Lava aus, die vulkanische Tätigkeit im Innern hat am 4. Januar begonnen.

6.1.1926

Der Capitol-Filmpalast in Berlin wird eröffnet.

7.1.1926

Der Rechtsausschuß des Deutschen Reichstags beginnt mit seinen Beratungen über die Abfindungen der ehemals regierenden Fürstenhäuser.

7.1.1926

Die Staatsanwaltschaft in Pest (Ungarn) beantragt die Sperrung des Vermögens von Prinz Ludwig Windischgrätz.

7.1.1926

In einigen britischen Städten wird ein Film abgesetzt, der Szenen aus dem Leben des ehemaligen Deutschen Kaisers Wilhelm II. zeigt.

7.1.1926

Auf der Strecke Berlin- Hamburg werden Zugtelefone eingeführt.

8.1.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg konferiert mit dem zurückgetretenen Reichskanzler Hans Luther über die Regierungsbildung.

8.1.1926

Das Deutsche Reich und die Schweiz beschließen, das Paßvisum aufzuheben, nur für Stellensuchende bleibt der Visumzwang bestehen. Die Regelung tritt am 20. Januar in Kraft.

8.1.1926

Der arabische Stammesfürst und König in Arabien, Abd Al Asis Ibn Saud, lässt sich zum König des Hedschas und Nadschd ausrufen.

8.1.1926

Schwere Erdbeben im Iran fordern Hunderte von Todesopfern.

8.1.1926

500 Menschen sind bei schweren Überschwemmungen an der Westküste von Mexiko ertrunken.

8.1.1926

Die Deutsche Nothilfe vertreibt Wohlfahrtsbriefmarken, um mit dem Ertrag die finanzielle Notlage der Arbeitslosen zu lindern.

9.1.1926

Der Auswärtige Ausschuß des Deutschen Reichstags berät darüber, wie die Stellen beim Völkerbund besetzt werden, wenn das Deutsche Reich aufgenommen worden ist.

9.1.1926

Der Reichstagsabgeordnete Alfred Hugenberg (DNVP) äußert sich in der Zeitschrift "Der Tag" abfällig über den Parlamentarismus. Die rechten Parteien der Weimarer Republik stehen dem parlamentarischen System skeptisch bis ablehnend gegenüber.

10.1.1926

Auf einer Tagung spricht sich die Deutsche Zentrumspartei dafür aus, eine neue Regierung auf breitester Grundlage zu bilden.

10.1.1926

Im Zusammenhang mit der Räumung der ersten Rheinlandzone verlässt die britische Rheinflotte Köln.

10.1.1926

Die tägliche Kohleförderung im Ruhrgebiet pro Arbeitstag beträgt 309 184 t, in Oberschlesien 63 949 t.

10.1.1926

In Dresden findet die Uraufführung des Stummfilms "Der Rosenkavalier" nach der gleichnamigen Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal statt.

11.1.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg verlangt eine Entscheidung darüber, ob eine große Koalition möglich sei.

11.1.1926

In Budapest verlangen die Sozialdemokraten den Rücktritt des ungarischen Reichsverwesers Miklós Horthy wegen der Falschgeldaffäre.

11.1.1926

Auf Plakatanschlägen verspricht die Berliner politische Polizei eine Belohnung von 6000 Reichsmark (RM) für die Aufklärung von Fememorden. Fememorde sind in den ersten Jahren der Weimarer Republik von Angehörigen rechter, illegaler Organisationen an ehemaligen Mitgliedern verübt worden.

12.1.1926

Hernando Siles löst José Cabino Villanueva, der zwar gewählt, aber vom Kongress nicht bestätigt worden ist, als Staatspräsident von Bolivien ab.

12.1.1926

Der Reichsverband des Deutschen Handwerks protestiert auf einer Versammlung gegen die Preissenkungsaktion der Reichsregierung.

12.1.1926

Flugzeuge versorgen die Schiffe, die im Eis des Finnischen Meerbusens eingeschlossen sind, mit Nahrungsmitteln.

12.1.1926

In den Oststaaten der USA wütet ein Schneesturm.

13.1.1926

Die Zentrumsfraktion bringt im preußischen Landtag eine Anfrage über die Gefährdung des Kölner Doms ein. Säure aus den Schloten der Industrie hat das Mauerwerk angegriffen.

13.1.1926

Bei einem Grubenunglück in Oklahoma (USA) werden 100 Bergleute verschüttet.

13.1.1926

Vor dem Schwurgericht in München beginnt der Prozeß gegen den Leutnant a. D. Georg Pölzing und den ehemaligen Vizewachtmeister Erich Prüfert. Den Angehörigen des Freikorps Lützow wird zwölffacher Mord bzw. Anstiftung zum Mord während der Räteunruhen 1919 vorgeworfen. Am 20. Januar werden die Angeklagten freigesprochen.

14.1.1926

Die USA setzen das Marinebudget auf 317 Millionen Dollar fest, das bedeutet eine Erhöhung um 16 Millionen Dollar.

14.1.1926

Die einheimische Bevölkerung von Syrien hat den Guerillakrieg gegen die französische Herrschaft wiederaufgenommen. Syrien steht seit 1920 als Völkerbundmandat unter französischer Herrschaft.

14.1.1926

In Köln wird der erste Einheitspreisladen nach amerikanischem Vorbild eröffnet. Alle Waren kosten 25 oder 50 Pfennig.

14.1.1926

Die US-amerikanische Tänzerin Josephine Baker gastiert im Nelson-Theater in Berlin.

15.1.1926

In Österreich tritt die zweite Regierung Rudolf Ramek ihr Amt an. Bundeskanzler Ramek ist am 14. Januar zurückgetreten, um das Kabinett umbilden zu können.

15.1.1926

Die Zeche Kaiserstuhl bei Dortmund entlässt 1500 Arbeiter wegen der schlechten Absatzlage für Kohle.

16.1.1926

Der Apostolische Administrator Eduard Graf O'Rourke, der zum ersten Bischof von Danzig ernannt worden ist, überreicht dem Präsidenten des Danziger Senats die päpstliche Bulle über die Errichtung des Bistums Danzig und die Ernennungsurkunde zum Bischof.

16.1.1926

Die deutsche Erstaufführung des Schauspiels "Alle Kinder Gottes haben Flügel" von Eugene O'Neill findet in den Hamburger Kammerspielen statt. Die deutsche Übersetzung stammt von Alfred Wolfenstein.

17.1.1926

Die SPD veranstaltet in der Westfalenhalle in Dortmund eine Kundgebung gegen die Fürstenabfindung. Die 15 000 Anwesenden rufen die Partei dazu auf, Vorbereitungen für einen Volksentscheid gegen die Fürstenabfindung zu treffen.

17.1.1926

Auf einer Feier der Deutschen Volkspartei (DVP) in München erklärt Außenminister Gustav Stresemann: "Wir stehen auf der Brücke vom alten zum neuen Deutschland."

17.1.1926

Emiliano Chamorro Vargas löst Carlos Solórzano als Präsident von Nicaragua ab.

18.1.1926

Die Verhandlungen über die Regierungsbildung im Deutschen Reich werden abgebrochen, weil die Bayerische Volkspartei Bedenken gegen die Zusammensetzung des zweiten Kabinetts Hans Luther hat.

18.1.1926

Die deutsche Reichsregierung erhebt durch ihre Botschafter in London, Paris und Brüssel Einspruch gegen die hohe Zahl der Besatzungssoldaten im Rheinland.

18.1.1926

Bei einer Gasexplosion in Berlin-Moabit stürzt ein vierstöckiges Wohnhaus ein.

19.1.1926

Der Parteivorstand der SPD beschließt, am Volksbegehren zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten teilzunehmen.

19.1.1926

Die KPD erneuert ihr Angebot an die SPD, eine Einheitsfront zu bilden. Die Sozialdemokraten lehnen diesen Vorschlag jedoch ab.

19.1.1926

Zwischen der Sowjetunion und China kommt es zu Auseinandersetzungen über den Transport chinesischer Truppen auf der chinesischen Ostbahn (Mandschurei), die unter sowjetischer Verwaltung steht.

19.1.1926

Im ersten deutsch-französischen Eishockeyspiel nach dem Weltkrieg in Caux (Kanton Waadt) bei Montreux in der Schweiz besiegt der Berliner Schlittschuhclub den Eishockeyclub Chamonix 3:1.

20.1.1926

Der deutsche parteilose Politiker Hans Luther bildet ein Minderheitskabinett aus den bürgerlichen Parteien DDP, Zentrum, DVP und BVP.

20.1.1926

Die Presse meldet, dass 1918 die Vermögensmasse des preußischen Königshauses 1055 Millionen Reichsmark (RM) betragen hat.

21.1.1926

Das neue Reichskabinett tritt in Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

21.1.1926

Im 15. Berliner Sechstagerennen siegt das US-Team MacNamara/Horan mit 569 Punkten.

22.1.1926

In Paris stellen die Börsenmakler aus Protest gegen die geplante Börsensteuer den Handel an der Wertbörse ein.

22.1.1926

Die amerikanische Polizei beschlagnahmt nach einem Schußwechsel ein Schmugglerschiff, das Alkohol im Wert von einer Million Dollar geladen hat. In den USA ist der Verkauf von Alkohol verboten, das Alkoholverbot hat eine rege Schmugglertätigkeit zur Folge.

22.1.1926

Der Bildhauer Stanislaus Cauer, der Maler Hans Peter Feddersen und der Architekt Wilhelm Kreis werden Mitglieder der Preußischen Akademie der Künste.

23.1.1926

Der Deutsche Reichstag setzt einen Ausschuß ein, der die immer wieder vorkommenden Fememorde untersuchen soll. Fememorde gehören zur Praxis illegaler, militanter rechtsradikaler Organisationen gegenüber abtrünnigen Mitgliedern.

23.1.1926

Der Ausschuß, der ein Volksbegehren zur entschädigungslosen Enteignung der Fürsten vorbereitet, einigt sich auf einen Gesetzesentwurf.

23.1.1926

In der Berliner Sezession findet die erste Gedenkausstellung für den am 17. Juli 1925 gestorbenen deutschen Maler Lovis Corinth statt. Am 29. Januar wird in der Berliner Nationalgalerie die zweite Gedächtnisausstellung für Corinth eröffnet. Sie zeigt fast alle Ölgemälde und Aquarelle des Künstlers.

24.1.1926

Nach einem Ultimatum Moskaus unterzeichnen die Sowjetunion und China ein Abkommen zur Beilegung des Konflikts um die chinesische Ostbahn, die unter sowjetischer Verwaltung steht.

24.1.1926

Im Stadttheater Heilbronn findet die Uraufführung der Tragödie "Die Schwester" von Hermann Kasach statt.

25.1.1926

Die am 23. begonnene Tagung des Katholischen Deutschen Frauenbundes wird beendet. Gerta Krabbel ist zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt worden.

25.1.1926

Der deutsche Physiker Albert Einstein spricht im Auditorium Maximum der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin über die von ihm 1905 und 1915 entwickelte Relativitätstheorie, die noch umstritten ist.

25.1.1926

Der Gloria-Filmpalast in Berlin wird mit dem Stummfilm "Tartüff" eröffnet.

26.1.1926

Der deutsche Reichskanzler Hans Luther bekennt sich in seiner Regierungserklärung zu einer Außenpolitik auf der Grundlage des Vertrags von Locarno.

26.1.1926

Vertreter von SPD und KPD beschließen, für das Volksbegehren zur Fürstenenteignung gemeinsam Plakate zu finanzieren, ansonsten aber unabhängig vorzugehen.

26.1.1926

Das Oberbergamt in Dortmund faßt den Beschluß die Zeche Massen zu schließen.

27.1.1926

In der Aussprache des Deutschen Reichstags über die Regierungserklärung von Reichskanzler Hans Luther entzündet sich eine Diskussion über den Beitritt des Deutschen Reichs zum Völkerbund. Die Aufnahme ist dem Deutschen Reich 1925 zugesichert worden. Einige Parteien verlangen vor dem Eintritt Zugeständnisse der Alliierten in der Frage der Besetzung des Rheinlands.

27.1.1926

Großbritannien und Italien unterzeichnen in London ein Schuldenabkommen. Die Schulden von Italien belaufen sich auf über 610 Millionen Pfund, sie sollen bis 1988 in unterschiedlichen Jahresraten beglichen werden.

27.1.1926

In Neapel, Bari und Mailand finden deutschfeindliche Kundgebungen statt.

27.1.1926

Der US-Senat beschließt mit 76 gegen 17 Stimmen den Beitritt der USA zum Weltgerichtshof. Eine Anlehnung an den Völkerbund soll jedoch vermieden werden.

27.1.1926

In London wird das erste britische Mode-Modellhaus nach dem Vorbild der Pariser Modehäuser eröffnet. Es soll den britischen Textil- und Modewarenhandel von Frankreich unabhängig machen.

28.1.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg unterzeichnet die Neuregelung der Befehlsbefugnis in der Reichswehr. Unter dem Reichspräsidenten übt der Reichswehrminister die gesamte Befehlsgewalt aus.

28.1.1926

Der britische Außenminister Joseph Austen Chamberlain konferiert in Paris mit dem französischen Ministerpräsidenten und Außenminister Aristide Briand. Beide Politiker bekennen sich zur französisch-britischen Freundschaft.

28.1.1926

Nach dem Tod des japanischen Premierministers Takaakira Kato tritt das Kabinett zurück. Am 29. Januar wird Innenminister Reijiro Wakatsuki zum Premierminister ernannt.

28.1.1926

Die Oberharzer Bergwerke erschließen in Clausthal und Lautenthal vier neue Schachtanlagen zur Förderung von Blei, Zink und Kupfer.

29.1.1926

Mehrere deutsche Automobilfirmen planen, sich zur Herstellung eines Einheits-Gebrauchswagens zusammenzuschließen.

29.1.1926

Das Drama "Ostpolzug" von Arnolt Bronnen wird im Staatlichen Schauspielhaus Berlin uraufgeführt. Die einzige Rolle des Stücks spielt Fritz Kortner.

30.1.1926

Im Ehrenhof des Messegebäudes in Köln wird die Erste Westdeutsche Funkausstellung eröffnet.

30.1.1926

In Wien wird der Rundfunksender auf dem Rosenhügel in Betrieb genommen.

30.1.1926

Ein Wirbelsturm auf Madagaskar fordert 50 Todesopfer.

30.1.1926

In Berlin findet die deutsche Erstaufführung der Operette "Paganini" von Franz Lehár statt.

31.1.1926

Um Mitternacht haben die letzten belgischen und britischen Truppen die Kölner Zone geräumt. Die Besetzung ist beendet.

31.1.1926

Die sächsische SPD beschließt, die Landtagsauflösung herbeizuführen.

31.1.1926

Im Deutschen Reich hat die Maul- und Klauenseuche zugenommen, sie herrscht auf 10 787 Gehöften.

1.2.1926

Nach dem Abzug der Besatzungstruppen aus der ersten Rheinlandzone finden in Köln, Bonn und anderen Städten Befreiungsfeiern statt. Um Mitternacht läutet in Köln die Große Domglocke, die "Deutsche Glocke".

1.2.1926

Das Deutsche Reich und die Niederlande heben den Sichtvermerkzwang (Visum) bei Grenzübertritten auf, künftig genügt ein gültiger Reisepaß.

1.2.1926

In der Provinz Hannover werden abbaufähige Erdölfelder angebohrt.

1.2.1926

Otto Hirth verkauft die Münchner Wochenzeitschrift "Jugend" für 200 000 Reichsmark an den Verlag Richard Pflaum.

1.2.1926

In New Orleans wird die das ganze Jahr dauernde Internationale Handels- und Gewerbeausstellung eröffnet. Sie richtet sich an Besucher aus den Vereinigten Staaten und Lateinamerika.

2.2.1926

Dem Rechtsausschuß des Deutschen Reichstages wird ein Gesetzentwurf zugeleitet, nach dem ein Reichssondergericht die vermögensrechtlichen Streitigkeiten mit den Fürstenhäusern klären soll.

2.2.1926

In Wien findet ein Parteitag der österreichischen Christlichsozialen Partei statt. Die Partei lehnt es ab, eine Koalition mit den Sozialdemokraten einzugehen und betont ihre enge Bindung an die katholische Kirche.

2.2.1926

Vier Angehörige der illegalen Schwarzen Reichswehr werden in Berlin zum Tod verurteilt, weil sie 1923 Erich Pannier ermordet haben, der ihre Reihen ohne Erlaubnis verlassen hatte.

2.2.1926

Die Firma Prometheus Film-Verleih und Vertriebs GmbH, gegründet von Emil Unfried, Willi Münzenberg und Richard Pfeiffer, wird ins Handelsregister eingetragen.

3.2.1926

Der Deutsche Reichstag nimmt ein Gesetz an, das Duelle unter Militärpersonen mit einer Freiheitsstrafe von einem halben bis zu zwei Jahren bedroht.

3.2.1926

Die neue Sprachenverordnung in der Tschechoslowakei erklärt Tschechisch zur Amtssprache. Die nationalen Minderheiten, wie z. B. die Deutschen, erhalten nur beschränkte Ausnahmeregelungen.

3.2.1926

Im Deutschen Reich sind 200 000 Angestellte arbeitslos, darunter befinden sich etwa 65 000 Frauen.

3.2.1926

Der deutsche Dampfer "Amerika" ist in der Nacht auf der Fahrt von Rotterdam nach Stockholm an der Westküste von Gotland gestrandet.

4.2.1926

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung beschließt, den "Königs-Platz" in "Platz der Republik" umzubenennen. Den Antrag haben SPD und KPD gestellt.

4.2.1926

Der Reichsausschuß der Deutschen Jugendverbände fordert u.a. drei Wochen bezahlten Urlaub für Jugendliche unter 16 Jahren, Festsetzung der Arbeitswoche für Jugendliche auf höchstens 48 Stunden und Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche.

5.2.1926

Der bayerische Ministerpräsident Heinrich Held beklagt in einer Rede vor dem Landtag in München die Unterdrückung der Deutschen in Südtirol, das zu Italien gehört.

5.2.1926

Die bulgarische Kammer in Sofia beschließt ein Amnestiegesetz für politische Straftaten seit 1923. Seit dem Staatsstreich von 1923 hat es in Bulgarien mehrere innenpolitische Krisen gegeben.

5.2.1926

Im Ufa-Palast am Berliner Zoo findet die Premiere des Films "Die verlorene Welt" von Harry Hoyt statt.

6.2.1926

Der Schriftsteller Bertolt Brecht fordert im Berliner "Börsen-Courier" "mehr guten Sport" und ruft die Theater dazu auf, in ihren Inszenierungen den Sport mehr zu berücksichtigen.

7.2.1926

Der ungarische Ministerpräsident István Bethlen von Bethlen lehnt es ab, wegen der Geldfälscheraffäre - gefälschte französische Francs sind in Umlauf gebracht worden - zurückzutreten. Auch verwahrt er sich dagegen, die Ermittlungen behindert zu haben.

7.2.1926

Auf einem Arthur-Schnitzler-Abend in Berlin liest Elisabeth Bergner die Novelle "Fräulein Else". Der österreichische Schriftsteller, der 1921 durch den Skandal um sein Stück "Reigen" Aufsehen hervorgerufen hat, ist bei der Lesung anwesend.

8.2.1926

Das Deutsche Reich beantragt die Aufnahme in den Völkerbund.

8.2.1926

Die Deutsche Eisenbahn AG kündigt eine Dividende von 4- 4,5% an.

8.2.1926

Bei der Weltmeisterschaft im Dameneiskunstlaufen in Stockholm siegt die Österreicherin Herma Jaross-Szábo vor der Norwegerin Sonja Henie.

9.2.1926

Der deutsche Reichswehrminister Otto Geßler erklärt, dass jede Verbindung von Reichswehrangehörigen mit den vaterländischen Verbänden verboten und er ein Gegner der Bildung von irregulären Formationen (Schwarze Reichswehr) sei.

9.2.1926

In Leningrad wie auch in anderen sowjetischen Städten werden Oppositionelle aus den Stadtkomitees ausgeschaltet. In Neuwahlen sollen parteitreue Kommunisten an die Macht gelangen.

9.2.1926

Bei einem Grubenunglück in Salgotarjan (Ungarn) werden fünf Arbeiter durch ausströmendes Gas getötet.

10.2.1926

Der spanische Major Ramon Franco beendet in Buenos Aires seinen Transatlantikflug.

10.2.1926

Die deutschen Eisenbahnergewerkschaften verklagen die Reichsbahngesellschaft, weil diese die Schlichtungsordnung für Tarifauseinandersetzungen nicht anerkannt hat.

11.2.1926

In Belgisch-Kongo (heute Zaire) werden alle afrikanischen, auch die religiösen, Organisationen verboten. Die Maßnahme hängt damit zusammen, dass prophetische Bewegungen entstanden sind, die aus der Bibel ein Aufstandsrecht der Unterdrückten ableiten.

12.2.1926

Ab Ostern werden die Volksschullehrer in Preußen auf Pädagogischen Akademien ausgebildet. Drei Akademien werden eingerichtet, eine katholische in Bonn und je eine evangelische in Kiel und Elbing.

12.2.1926

Der Deutsche Offiziersbund bekennt sich in Werbeschreiben zum monarchistischen Gedanken.

12.2.1926

Polnische Zeitungen bringen einen Aufruf des Westmarkenvereins, der fordert, dass die deutschen Schulen geschlossen werden, und der die Deutschen der Spionage bezichtigt. Mehrere Deutsche sind in diesen Tagen in Polen verhaftet worden.

12.2.1926

Anlässlich des 100. Geburtstags von Victor von Scheffel (16.2.) wird in Karlsruhe das Deutsche Scheffel-Museum eröffnet.

13.2.1926

Mit dem Vortrag "Die Kulturidee des Sozialismus" eröffnet die SPD die Freie Sozialistische Hochschule. Die Vorträge und Seminare der Hochschule sollen die Hörer und Hörerinnen zu selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten anleiten.

13.2.1926

Der französische Ministerpräsident Aristide Briand stellt wegen Auseinandersetzungen über die Finanzpolitik und geplante Steuererhöhungen die Vertrauensfrage. 327 Abgeordnete stimmen für, 182 gegen die Regierung.

13.2.1926

Die britische Zeitung "Daily Telegraph" meldet, dass sich Schweden gegen eine Erweiterung der ständigen Sitze des Völkerbundrats über die Zulassung des Deutschen Reichs hinaus wendet. Auch die Niederlande votieren gegen eine Vermehrung der Sitze.

13.2.1926

Es ist gelungen, zwischen den Radiostationen Rugby in Großbritannien und Long Island bei New York (USA) einen drahtlosen Telefondienst herzustellen.

13.2.1926

Karneval findet in diesem Jahr noch im Saale statt, Umzüge auf der Straße sind verboten. Am Maskenball in Köln nehmen mehr als 7000 Personen teil.

14.2.1926

Auf einer nationalsozialistischen Führertagung in Bamberg sucht Adolf Hitler die Gegensätze in der NSDAP zu überwinden und setzt sich gegen die "linken" Nationalsozialisten durch.

14.2.1926

Die Sowjetunion erklärt ihre grundsätzliche Bereitschaft, an einer vorbereitenden Abrüstungskommission teilzunehmen, lehnt jedoch weiterhin die schweizerische Stadt Genf als Tagungsort ab und bekräftigt ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Völkerbund.

14.2.1926

Das Kunstgewerbehaus in Kairo brennt nieder. Das Gebäude war eine Nachbildung des berühmten Tempels von Luxor (14. Jh. v. Chr.), in ihm sollte am nächsten Tag eine Ausstellung eröffnet werden.

14.2.1926

In Königsberg beginnt die Zwölfte Deutsche Ostmesse.

14.2.1926

Die Weltmeisterschaft im Eiskunstlaufen, die in Berlin ausgetragen wurde, gewinnt bei den Herren der Österreicher Willi Böckl. Im Paarlaufen siegen Andrée Joly/Pierre Brunet (Frankreich).

15.2.1926

Der Generalsekretär des Völkerbundes, Eric Drummond, bespricht in Berlin mit der Reichsregierung die Formalitäten für die Aufnahme des Deutschen Reichs in den Völkerbund.

15.2.1926

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit, dass die dänische Minderheit in den Grenzkreisen der Provinz Schleswig-Holstein weitgehende Rechte auf dem Gebiet des Schulwesens erhält.

15.2.1926

Die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich beträgt etwa 2,4 Millionen; damit ist seit März 1924 ein neuer Höchststand erreicht.

15.2.1926

Nach einer Minenexplosion in einem Bergwerk in Ohio (USA) sind 700 Arbeiter eingeschlossen.

16.2.1926

In Budapest scheitert ein Attentatsversuch von zwei rechtsradikalen Studenten auf den ungarischen Führer der Nationaldemokratenpartei, Abgeordneten und früheren Justizminister, Wilhelm Vaszonyi.

16.2.1926

In Australien wütet ein Großfeuer, das die Stadt Noojee und Hunderte von Farmen verwüstet hat. 27 Menschen sind verbrannt.

16.2.1926

Gegen vier Uhr morgens bricht im Equitable Building in New York ein Großfeuer aus der 34. und 35. Stock brennen aus, das 33. und 36. Stockwerk sind schwer beschädigt. Sieben Feuerwehrleute werden verletzt.

16.2.1926

Zwei Tennisprimadonnen tragen in Cannes ein Match aus. Die Französin Suzanne Lenglen besiegt die amerikanische Tennismeisterin Helen Wills mit 6:3, 8:6.

17.2.1926

In Moskau beginnt eine Konferenz der Dritten Internationale.

17.2.1926

Der Deutsche Reichstag setzt einen Ausschuß zur Förderung von Leibesübungen ein. Am 23. Januar ist den Ländern empfohlen worden, sechs Stunden wöchentlichen Turnunterricht einzuführen.

17.2.1926

Der britische Flieger Alan Cobham beendet in Kapstadt seinen am 16. November 1925 in London begonnenen Flug, der ihn über Westeuropa und den ganzen afrikanischen Kontinent geführt hat.

17.2.1926

Im Berliner Lessingtheater findet die Uraufführung des Schauspiels "Königin Luise" von Ludwig Berger statt. Die Titelrolle spielt Käthe Dorsch.

18.2.1926

An einem Festfrühstück des Verbandes der ausländischen Presse in London nehmen zum erstenmal seit dem Krieg auch deutsche Journalisten als Ehrengäste teil.

18.2.1926

Die britische Zeitung "Daily Telegraph" meldet, dass auch Japan gegen eine Erweiterung der Sitze im Völkerbundrat eintritt.

18.2.1926

Die türkische Nationalversammlung hat beschlossen, die Vielweiberei und das Haremssystem abzuschaffen und das Schweizer Bürgerliche Gesetzbuch einzuführen.

19.2.1926

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann erklärt vor dem Auswärtigen Ausschuß des Reichstags, dass die Forderung von Brasilien, Spanien und Polen nach einer Erweiterung der Ratssitze im Völkerbund den deutschen Beitritt erschweren könnte.

19.2.1926

Die Kosten für den Haushalt des Deutschen Reichspräsidenten werden veröffentlicht, sein Gehalt beläuft sich auf 60 000 Reichsmark (RM) zuzüglich 120 000 RM Aufwandsgelder.

19.2.1926

Die österreichischen Bischöfe wenden sich gegen das gemeinsame Turnen von Jungen und Mädchen.

19.2.1926

Im Renaissance-Theater in Berlin wird die Kabarett-Revue "Laterna magica" von Friedrich Holländer uraufgeführt.

20.2.1926

Die Studentenschaft der Universität Köln feiert unter dem Motto "Für Freiheit, Heimat und Vaterland" die Befreiung von der französischen und belgischen Besatzung. An der Feier nimmt auch Außenminister Gustav Stresemann teil.

20.2.1926

Der preußische Landwirtschaftsminister Heinrich Steiger eröffnet in Berlin die "Grüne Woche" (bis 28.2.). Die Regierung erklärt sich bereit, die Landwirtschaft durch Kredite zu unterstützen.

20.2.1926

Bei der Uraufführung des Schauspiels "Duell am Lido" von Hans José Rehfisch im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin findet die Schauspielerin Marlene Dietrich erstmals Beachtung.

20.2.1926

Das Drama "Sturmflut" von Alfons Paquet wird in der Volksbühne in Berlin uraufgeführt. Regie führt Erwin Piscator; er bezieht den Film als künstlerisches Medium in die Inszenierung mit ein.

20.2.1926

Max Liebermann, der Präsident der Preußischen Akademie der Künste, eröffnet in Berlin die Dritte Gedächtnisausstellung für den Maler Lovis Corinth. Sie zeigt das gesamte graphische Werk.

21.2.1926

Der zionistische Verein Bikur Cholim führt im Grazer Schauspielhaus das Stück "Die Makkabäer" auf. Nationalsozialisten demonstrieren auf dem Theatervorplatz gegen die Vorstellung, während der Aufführung werden Stinkbomben ins Parterre geworfen.

21.2.1926

An der Tagung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (politischer Kampfverband der SPD) in Hamburg nehmen 130 000 Personen teil. In den Festreden wird darauf hingewiesen, dass der Verband stets für die Republik gekämpft habe.

21.2.1926

Suzanne Lenglen (Frankreich) sagt aus gesundheitlichen Gründen das Tennisrevanchespiel zwischen ihr und Helen Wills (USA) ab.

22.2.1926

Die Firma Krupp in Essen gibt bekannt, dass sie infolge der schlechten Wirtschaftslage 1800 Arbeiter und 100 Angestellte entlassen wird, 1200 Arbeitern und Angestellten ist bereits gekündigt worden.

22.2.1926

Die Polizei in München verbietet die Aufführung des Lustspiels "Der fröhliche Weinberg" von Carl Zuckmayer, um rechtsradikale Störungen zu vermeiden.

22.2.1926

Im Berliner Opernhaus beginnt die Richard-Strauss-Woche mit der Aufführung der "Salome".

23.2.1926

Französische Juweliere erwerben einen Teil der russischen Kronjuwelen. Die Kronjuwelen sind im Januar zum Verkauf angeboten worden.

23.2.1926

Der britische Außenminister Joseph Austen Chamberlain hält eine Erweiterung der Ratssitze im Völkerbund für diskutabel.

23.2.1926

Für die Restaurierung des Kölner Doms will die preußische Regierung einige Jahre lang einen Betrag von 100 000 Reichsmark im Staatshaushalt bereitstellen.

23.2.1926

In Berlin läuft der 1925 uraufgeführte Film "Goldrausch" von und mit Charlie Chaplin an.

24.2.1926

Die türkische Regierung hat mit der Standard Oil Company ein Abkommen geschlossen, nach dem die Türkei ihre Lieferungen an Petroleum lediglich von der Gesellschaft bezieht.

24.2.1926

Bei dem Versuch, unter dem Stützbogen des Eiffelturms in der französischen Hauptstadt Paris durchzufliegen, stürzt der französische Reserveleutnant Léon Callot mit seinem Flugzeug ab und verunglückt tödlich.

25.2.1926

Mit einer Großkundgebung in Bernkastel an der Mosel machen die deutschen Winzer auf ihre Notlage aufmerksam, die durch Weineinfuhren und Steuerdruck bedingt ist. Vor der Veranstaltung stürmen einige Winzer das Finanzamt, mißhandeln Beamte und verbrennen Steuerkarten.

25.2.1926

Der griechische Ministerpräsident General Theodoros Pangalos lässt mehrere Offiziere verhaften, die sich gegen seine diktatorische Politik gewandt haben. Die Verhaftungen verschärfen die Unruhen in der Armee.

25.2.1926

In der Schweiz gehen sowohl in der Stadt als auch auf dem Land die Geburtenraten zurück.

25.2.1926

Laut einer britischen amtlichen Meldung aus London sind im vergangenen Jahr 31 660 Juden nach Palästina eingewandert.

25.2.1926

Die belgische Liga für Menschenrechte führt in Brüssel eine Protestversammlung gegen die anwachsende internationale faschistische Bewegung durch.

26.2.1926

Die Abgeordneten der Deutschen Vereinigung bringen im polnischen Parlament in Warschau eine Interpellation wegen der "Deutschenhetze" in der Woiwodschaft Schlesien (Polnisch-Oberschlesien) ein.

26.2.1926

In Brüssel beginnt eine Konferenz auf der Delegierte der sozialistischen Parteien von Frankreich, Belgien und Deutschland über Handelspolitik und Industriekartelle sprechen. Die Konferenz verlangt Kontrollrechte des Staats über internationale Kartelle.

27.2.1926

Der französische Ministerpräsident Aristide Briand betont in einer Rede, er habe sich seit Verdun geschworen, dem Frieden zu dienen.

27.2.1926

Die "Meraner Zeitung", die letzte deutschsprachige Zeitung in Südtirol, erscheint zum letzten Mal.

27.2.1926

In Wien eröffnet der österreichische Bundespräsident Michael Hainisch eine Jahrhundertschau deutscher Malerei. Die Exponate reichen von Philipp Otto Runge bis Max Beckmann.

28.2.1926

Im Deutschen Reich finden anlässlich des Volkstrauertages Gedenkfeiern für die Gefallenen im Weltkrieg statt. Auf den Ehrenfriedhöfen werden Kränze niedergelegt.

28.2.1926

Die Leipziger Frühjahrsmesse beginnt.

28.2.1926

Die Jahreshauptversammlung des Oberösterreichischen Industriellenverbandes erklärt, dass ein Anschluß an das Deutsche Reich wirtschaftlich von großem Nutzen wäre.

28.2.1926

Auf Sizilien werden 400 Briganten und Anhänger der Mafia verhaftet. Es gelingt den Behörden, Zeugenaussagen gegen die Beschuldigten zu sammeln.

28.2.1926

Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hält auf seiner Jahresversammlung in Köln eine gut besuchte öffentliche Kundgebung ab. Die Redner weisen darauf hin, dass im Weltkrieg 12 000 Juden gefallen sind, und protestieren gegen die Hetze gegen die Juden, die schon viele Opfer gefordert hat.

1.3.1926

In etwa 60 Orten der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei finden Protestversammlungen gegen die Sprachenverordnung statt, die Tschechisch als Amtssprache bestimmt.

1.3.1926

Das norwegische Kabinett tritt zurück. Die Opposition fordert eine Verringerung der Staatsausgaben und eine schnellere Tilgung der Schulden. Am 6. März tritt das neue Minderheitskabinett Ivar Lykke sein Amt an.

1.3.1926

Die österreichische Regierung will beim Völkerbund einen Kredit in Höhe von 12 Millionen Schilling zur Förderung der Molkereiwirtschaft beantragen. Der Kredit soll eine Laufzeit von fünf bis zehn Jahren haben.

1.3.1926

Ein österreichisches Gericht beschließt zum ersten Mal, zur Beweisführung in einem Vaterschaftsprozeß Blutproben des Kindes, der Mutter und des vermeintlichen Vaters heranzuziehen.

1.3.1926

Italienische Bärenführer und Wandermusikanten erhalten keinen Auslandspaß mehr, weil ihre Darbietungen laut Meinung der Regierung das Ansehen Italiens schädigen.

2.3.1926

Die deutschsprachigen Bewohner des Hultschiner Ländchens, das nach dem Weltkrieg vom Deutschen Reich an die Tschechoslowakei gefallen ist dürfen ihre Kinder nicht mehr auf die deutschen Schulen in Troppau (heute Opava) schicken.

2.3.1926

Zum neuen Präsidenten von Brasilien wird Washington Luiz Pereira de Souza gewählt, am 15. November übernimmt er sein Amt von Arturo da Silva Bernardes.

2.3.1926

Nachdem die Berliner Volksbühne das Theater am Schiffbauerdamm übernommen hat, bringt sie als erste Premiere das Drama "Der Tausch" des französischen Schriftstellers Paul Claudel heraus.

3.3.1926

Im Freistaat Danzig tritt der neue Hohe Kommissar des Völkerbunds, Joost Adriaan van Hamel, sein Amt an.

3.3.1926

Das britische Kriegsministerium kündigt eine Herabsetzung des Heeresetats um zwei Millionen Pfund Sterling an.

4.3.1926

Im Deutschen Reich beginnt die Einschreibung in die Listen für das Volksbegehren zur Fürstenenteignung. Bis zum 17. März tragen sich 12 523 939 Personen in die Listen ein, die erforderliche Stimmenzahl ist damit weit überschritten.

4.3.1926

Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage verzichtet die Stadt Hamm auf eine Feier zu ihrem 700jährigen Bestehen.

4.3.1926

Der deutsche Tänzer, Tanzpädagoge und -theoretiker Rudolf von Laban gründet in Würzburg eine Hochschule für Bewegungskunst.

5.3.1926

Österreich und die Tschechoslowakei unterzeichnen einen Schiedsvertrag. Ein ständiger Vergleichsrat, der aus drei Personen besteht, soll Rechtsstreitigkeiten aufklären und einen Vergleich anstreben. Scheitert eine Einigung, soll der Haager Internationale Gerichtshof angerufen werden.

5.3.1926

In einer belebten Prager Straße explodiert die Bombenladung eines von zwei Pferden gezogenen Militärlastwagens. Die Bombe zerfetzt die beiden Kutscher, mehr als 70 Personen werden verletzt.

5.3.1926

In der Nacht zum 5. März hat die Deutsche Therese Neumann ihre ersten Visionen vom Leiden Christi erlebt und ist stigmatisiert worden.

6.3.1926

Nachdem die französische Deputiertenkammer die Erhöhung der staatlichen Ausgaben abgelehnt hat, demissioniert der französische Ministerpräsident Aristide Briand mit seinem Kabinett.

6.3.1926

Für das Geschäftsjahr 1924/25 gibt die Friedrich Krupp AG einen Verlust von 15 Millionen Reichsmark (RM) bekannt.

6.3.1926

In Indien breitet sich am oberen Stromgebiet des Ganges eine Pestepidemie aus, im Laufe einer Woche sind bereits 1143 Personen an der Seuche gestorben.

7.3.1926

Mit einer Feier im Festsaal der Neuen Hofburg zu Wien wird die Zehnte Wiener Internationale Messe eröffnet. Sie geht bis zum 13. März. Der Abschluß der Geschäfte übertrifft die geringen Erwartungen. Bedarfsartikel werden bevorzugt, Luxuswaren sind kaum gefragt.

7.3.1926

Die rheinhessische Bauernschaft protestiert gegen die geplante Aufführung des Lustspiels "Der fröhliche Weinberg" von Carl Zuckmayer in Mainz. Am 6. März haben sich bereits die Mainzer Bischöfe gegen die Aufführung gewandt. Am 10. März geht das Stück ohne Störungen über die Mainzer Bühne.

8.3.1926

In Genf wird die 39. Tagung des Völkerbundes eröffnet, das wichtigste Verhandlungsthema ist die Aufnahme des Deutschen Reiches in den Völkerbund.

8.3.1926

Alle Abgeordneten der indischen Svaraj-Partei verlassen vor der Abstimmung über das Budget das Parlament in Delhi. Die Svaraj-Partei tritt für die Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien ein und verfolgt die Taktik, das Parlament von innen durch Obstruktion (Verzögerung) zu bekämpfen.

8.3.1926

Der Landesverband Schleswig der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) protestiert gegen den Plan der preußischen Regierung, für die dänische Minderheit im Grenzgebiet Volksschulen einzurichten, an denen in dänischer Sprache unterrichtet wird.

8.3.1926

Der österreichische Bundespräsident Michael Hainisch eröffnet in Wien die erste "Agrarische Woche", die als jährlich wiederkehrende Einrichtung geplant ist.

9.3.1926

Chinesische regionale Heerführer nehmen im chinesischen Bürgerkrieg das Taku-Fort von Tientsin ein.

9.3.1926

Im Staatlichen Schiller-Theater in Berlin findet die deutsche Erstaufführung des Dramas "Spiel des Lebens" des norwegischen Dichters Knut Hamsun statt.

9.3.1926

In New York benutzen Banken und Juweliere zunehmend Panzerwagen mit Schießscharten, um Geld und Wertpapiere zu transportieren. Die New Yorker Panzerwagengesellschaft verfügt bereits über einen ansehnlichen Wagenpark. Auf dem bisher größten Transport haben vier Panzerautos mit 30 schwer bewaffneten Begleitern Wertpapiere im Betrag von 75 Millionen Dollar vom New Yorker Rathaus zur National City Bank gebracht.

10.3.1926

Der französische Ministerpräsident Aristide Briand stellt sein neues Kabinett vor.

10.3.1926

Die diplomatischen Vertreter von Frankreich, Großbritannien, Japan, den USA und dem Deutschen Reich protestieren in Peking gegen die Sperrung des Peiho-Flusses bei Tientsin und die Beschießung ausländischer Schiffe während der Kämpfe um die Hafenstadt Tientsin.

10.3.1926

Auf der Nordsee und an der Elbemündung herrscht ein Sturm mit Windstärke 10 bis 11. Die Keller in den niedrig gelegenen Stadtteilen von Hamburg sind überflutet.

10.3.1926

Kowno, die Hauptstadt Litauens, ist von einer Überschwemmung bedroht.

10.3.1926

Die New Yorker Philharmoniker unter der Leitung des deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler geben in Washington ein Konzert mit den Werken deutscher Komponisten, das großen Beifall erhält.

11.3.1926

Eamon de Valera tritt als Vorsitzender der irischen Partei Sinn Féin zurück, weil sein Antrag, die im letzten Wahlkampf errungenen Mandate auszuüben, falls die britische Regierung keinen Treueid verlange, von der eigenen Partei abgelehnt worden ist. Die Sinn Féin hat bislang ihre Oppositionspolitik nur außerhalb des Parlaments ausgeübt.

11.3.1926

Drei Tage nach der Umbildung des niederländischen Kabinetts gibt der neue Ministerpräsident Dirk Jan de Geer seine Regierungserklärung ab.

11.3.1926

Aus einem Probenzimmer der Mailänder Scala wird eine Orchesterpartitur und ein Auszug für Gesang und Klavier der Oper "Nachtigall" des russischen Komponisten Igor Strawinsky gestohlen.

12.3.1926

Die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie im Bezirk Schlesien sind gescheitert. Die Gewerkschaftsverbände lehnen die Forderungen der Arbeitgeber ab, die Löhne für Akkordarbeit herabzusetzen.

12.3.1926

Der Verband der Berliner Bühnenleiter fordert die Abschaffung der Vergnügungssteuer oder ihre Herabsetzung auf 3%, weil die Berliner Theater, die 10% Vergnügungssteuer zahlen müssen, vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch stehen.

13.3.1926

Auf einer Fahrt von Triest nach Buenos Aires sind auf dem Dampfer "Belvedere" 30 Personen an Masern oder Lungenentzündung gestorben. Die überwiegende Zahl der Erkrankten waren Auswanderer.

14.3.1926

Auf der Eisenbahnbrücke über den Virillafluß in Costa Rica ereignet sich ein Eisenbahnunglück.

14.3.1926

Vor mehr als 40 000 Zuschauern gewinnt die österreichische Mannschaft in Wien mit 2:0 ein Fußball-Länderspiel gegen die Tschechoslowakei.

15.3.1926

Der britische Premierminister Stanley Baldwin eröffnet in London die internationale Arbeitskonferenz.

15.3.1926

Das diplomatische Korps in Peking versichert, dass die Westmächte nicht im chinesischen Bürgerkrieg intervenieren wollen.

15.3.1926

Der handvermittelte Fernsprechverkehr zwischen London und Berlin, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg und Köln wird aufgenommen.

16.3.1926

Dem amerikanischen Raketenforscher Robert Hutchinson Goddard gelingt der Start der ersten Flüssigkeitsrakete.

16.3.1926

Die Deutschnationalen (DNVP) und die Deutsche Volkspartei (DVP) erklären in einer Sitzung des bayerischen Landtags, dass Adolf Hitler (NSDAP) früher in nationalen Kreisen auf Sympathien gestoßen wäre, er jedoch durch den Putsch vom November 1923 jeden politischen Kredit verloren und sich als Gegner des Staates erwiesen hätte.Beide Parteien verlangen die Aufrechterhaltung des Redeverbotes für Adolf Hitler.

17.3.1926

In Genf scheitern die Verhandlungen des Völkerbundes über die Aufnahme des Deutschen Reiches, weil die Delegierten keine Einigung über die Erweiterung und Verteilung der Ratssitze erzielen können.

18.3.1926

Das deutsche Reichskabinett billigt einstimmig die Haltung der deutschen Delegation bei der Völkerbundtagung in Genf.

18.3.1926

Die amerikanische Regierung hält es für unwahrscheinlich, dass der Völkerbund in den nächsten zwei Jahren über Abrüstung verhandelt, und sieht auch keine Möglichkeit, eine eigene Abrüstungskonferenz einzuberufen. Washington behauptet, keine europäische Nation sei an der Abrüstung interessiert.

18.3.1926

Im Berliner Tauentzien-Palast findet die Uraufführung des Films "Die letzte Droschke von Berlin" statt, bei dem Carl Boese Regie geführt hat.

19.3.1926

Eine Feuersbrunst zerstört den Justizpalast in Gent (Belgien). Das Archiv mit zahlreichen wertvollen Dokumenten verbrennt.

19.3.1926

Im Sugamo-Viertel in Tokio bricht durch eine Explosion in einer Feuerwerksfabrik ein Großfeuer aus. Das Feuer zerstört 800 Häuser, 7000 Menschen werden obdachlos.

19.3.1926

Die deutsche Uraufführung des Kriegsstücks "Das Grab des unbekannten Soldaten" des französischen Dramatikers Paul Raynal findet im Kleinen Theater Berlin statt. Die Inszenierung, die der deutsche Dichter und Regisseur Berthold Viertel herausgebracht hat, leitet die Aufführungen einer Reihe von Kriegsstücken im Deutschen Reich ein.

20.3.1926

Die Dritte Reichskonferenz des Rotfrontkämpferbundes (Verband der KPD) beginnt in Halle an der Saale. Sie beschließt, eine breite Kampffront gegen die nationalistischen Verbände herzustellen.

20.3.1926

Das Deutsche Reich schließt mit Dänemark und Portugal einen Handelsvertrag, beide Abkommen sehen Zollbegünstigungen vor.

21.3.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg besucht den von der Besatzung befreiten Teil des Rheinlands.

21.3.1926

Die "Berliner Illustrirte" stellt die ersten Hochhäuser im Deutschen Reich vor: Das Düsseldorfer Wilhelm-Marx-Haus, das Hochhaus am Hansaring in Köln, die Bremer Rolandmühle und das Lochnerhaus in Aachen.

21.3.1926

Die Berliner Nationalgalerie feiert ihr 50jähriges Bestehen. 1876 wurde der nach Plänen von Friedrich August Stüler und Heinrich Strack errichtete Bau fertiggestellt.

22.3.1926

In der Aussprache des Deutschen Reichstags über den gescheiterten Beitritt des Reiches zum Völkerbund stellen die Deutschnationalen (DNVP), die Deutsch-Völkische Freiheitspartei und die Kommunisten (KPD) den Antrag, das Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund zurückzuziehen.

22.3.1926

Der Deutsche Reichstag will zur Förderung des Kleinwohnungsbaus 200 Millionen Reichsmark (RM) für Kredite bereitstellen.

23.3.1926

Der Präsident der Deutschen Reichsbank, Hjalmar Schacht, spricht sich für eine neue Kolonialpolitik des Deutschen Reiches aus.

23.3.1926

Im Deutschen Theater Berlin findet die Uraufführung der Tragödie "Der Mord" des deutschen Schriftstellers Walter Hasenclever statt. Regie führt Erich Engel. Im Mittelpunkt des Stückes steht ein Mann, der plant, seine Frau zu ermorden, dann aber wegen eines Mordes angeklagt wird, den er nicht begangen hat.

24.3.1926

Der preußische Innenminister löst die Ortsgruppe Elmshorn des rechtsgerichteten Bundes "Werwolf" auf, weil die Mitglieder an Kriegswaffen ausgebildet worden sind, was nach dem Versailler Friedensvertrag verboten ist.

24.3.1926

Im Berliner Gloria-Palast findet die Uraufführung des psychoanalytischen Films "Geheimnisse einer Seele" statt. Regie hat Georg Wilhelm Pabst geführt.

24.3.1926

Der 1925 uraufgeführte Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" des sowjetischen Regisseurs Sergei M. Eisenstein wird wegen Staatsgefährdung von der Filmprüfstelle in Berlin zum ersten Mal verboten.

25.3.1926

Die City von London verleiht dem britischen Außenminister Joseph Austen Chamberlain in Anerkennung seiner öffentlichen und politischen Verdienste in der Guildhall das Ehrenbürgerrecht.

25.3.1926

Bei einem Grubenunglück in der Gutehoffnungshütte in Oberhausen sterben zwölf Bergleute.

26.3.1926

Zum Schutz der Reichsbank wird in Österreich der Diskontsatz von 8% auf 7% gesenkt. Im Deutschen Reich liegt der Diskontsatz bei 7%.

26.3.1926

In Wien findet die Uraufführung der Operette "Die Zirkusprinzessin" des ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán statt.

26.3.1926

Der deutsche Schriftsteller Hans Fallada (eigtl. Rudolf Dietzen) wird wegen Unterschlagung in Kiel zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Erfahrungen während der Haftzeit gehen in seinen Roman "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" (1934) ein.

26.3.1926

Am ersten Zeichnungstag der Spendensammlung zum Wiederaufbau des abgebrannten Shakespeare-Gedächtnis-Theaters in Stratford-upon-Avon gehen 5000 Pfund Sterling ein. Benötigt werden 250 000 Pfund.

27.3.1926

Der Deutsche Reichstag nimmt den Etat für 1926 an und beschließt das Steuermilderungsgesetz, das u.a. die Luxussteuer und die Weinsteuer aufhebt.

27.3.1926

Der dänische Reichstag in Kopenhagen nimmt das Krisenschutzgesetz an. Der Staat gewährt notleidenden Betrieben Kredite in Höhe von vier Millionen Kronen.

27.3.1926

In Dresden findet die Uraufführung der Oper "Protagonist" des deutschen Komponisten Kurt Weill statt. Der Text stammt von dem deutschen Schriftsteller Georg Kaiser und ist ursprünglich als Schauspiel konzipiert gewesen.

27.3.1926

Auf der Themse zwischen Putney und Mortlake gewinnt die Mannschaft von Cambridge das traditionelle Ruderrennen zwischen den Achtermannschaften der britischen Universitäten Oxford und Cambridge. Die Ruderer von Cambridge benötigen für die Strecke 19:29 Minuten.

28.3.1926

Zu Ehren des in Berlin weilenden österreichischen Bundeskanzlers Rudolf Ramek gibt der deutsche Reichskanzler Hans Luther ein Essen. Während des Berlin-Aufenthaltes von Ramek führen die österreichische Delegation und das deutsche Auswärtige Amt Gespräche über die internationale Lage und die Beziehungen zwischen den beiden Staaten.

28.3.1926

Die Große Nationalversammlung in Konstantinopel verabschiedet eine Petroleumverordnung. Sie spricht dem türkischen Staat das alleinige Schürf- und Ausbeutungsrecht der Erdöllager in der Türkei zu, stellt ihm jedoch frei, das Recht auf Privatpersonen und Gesellschaften zu übertragen. Das Gesetz begegnet der bislang üblichen Praxis, Konzessionen zu erwerben, um sie weiterzuverkaufen, statt die Bodenschätze zu heben.

29.3.1926

In Freiburg im Breisgau findet die Beisetzung des am 26. März verstorbenen ehemaligen deutschen Reichskanzlers Konstantin Fehrenbach statt.

30.3.1926

Der Gemeinderat der Stadt Stuttgart beschließt, mit einem Teil der Summe des Wohnungsbauprogramms eine Modellsiedlung, die Weißenhofsiedlung, zu finanzieren, die 1927 auf einer Werkbund-Ausstellung zu sehen sein wird. Leitender Architekt dieser Modellwohnungen wird Ludwig Mies van der Rohe.

30.3.1926

Mit dem Beginn der warmen Witterung begibt sich ein neuer Strom von Goldsuchern aus den USA und Kanada zu den unerschlossenen Goldfeldern im Red-Lake-Distrikt (Kanada). Das bisher abgesteckte Gebiet erstreckt sich über 240 Quadratmeilen.

30.3.1926

Der deutsche Schwimmer Erich "Ete" Rademacher stellt in Philadelphia (USA) erneut einen Weltrekord auf: Für die 500-m-Strecke benötigt er 7:35,4 Minuten. Am 27. März hat er in Buffalo mit 2:49 Minuten einen Weltrekord über 200 m Brust aufgestellt und am 9. März in New Haven mit 5:50,2 Minuten einen Weltrekord über 400 m Brust.

31.3.1926

Im Deutschen Reich wird der Staatsgerichtshof aufgehoben. Er hat über Verstöße gegen das Gesetz zum Schutz der Republik verhandelt. Für derartige Strafsachen sind nunmehr die ordentlichen Gerichte zuständig.

31.3.1926

In der Kohleförderung steht das Deutsche Reich im ersten Vierteljahr 1926 mit 33 226 000 Tonnen hinter den USA (142 454 000 Tonnen) und Großbritannien (69 060 000 Tonnen) an dritter Stelle der Weltförderung. Die Zahlen entsprechen in ihren Relationen denen von 1913.

31.3.1926

Die "Verfassungslinde" in Nürnberg ist in der Nacht zum 31. März zerstört worden, die Täter haben sie in einer Höhe von 1,90 m durchsägt. Die Linde ist am 9. August 1925 zur Erinnerung an die Weimarer Verfassung gepflanzt worden.

1.4.1926

Die französische Nationalversammlung nimmt mit 236 gegen 159 Stimmen den lange Zelt umstrittenen Steuergesetzentwurf an. Mit der Erhöhung der Zölle und Umsatzsteuer soll das Budgetdefizit ausgeglichen werden.

1.4.1926

Die Mailänder Universitätsbehörde löst den sechsten italienischen Philosophen-Kongress auf.

1.4.1926

Das Schulgeld an den staatlichen höheren Schulen Preußens wird aufgrund der schlechten Finanzlage von Staat und Gemeinden auf 200 Mark jährlich erhöht.

1.4.1926

Der Stahltrust der Vereinigten Stahlwerke AG wird nach der Senkung der Fusionssteuer im Deutschen Reich gegründet.

1.4.1926

Die japanische Regierung führt für alle Schüler und Studenten im Alter von 16 bis 20 Jahren obligatorische Militärkurse ein. Sie umfassen jährlich 200 Unterrichtsstunden, von denen die Hälfte für militärische Übungen vorgesehen ist.

2.4.1926

Nach der Umbildung der rumänischen Regierung stellt der neue Ministerpräsident Alexandru Averescu sein Regierungsprogramm vor. Die Regierung tritt für eine Beteiligung ausländischen Kapitals an inländischen Unternehmen ein, für die Steigerung der Produktivität, eine Reform der Armee und freie kulturelle Betätigung für alle Nationalitäten und Konfessionen.

3.4.1926

Italien erhält eine neue Arbeitsgesetzgebung. Die Tarifautonomie wird beseitigt, Streik und Aussperrung werden verboten.

3.4.1926

In Großbritannien sind laufmaschensichere Strümpfe vorgestellt worden; diese Erfindung revolutioniert die Strumpfwarenfabrikation.

3.4.1926

In Maine (USA) hat der Ingenieur William Franko einen Bankbeamten erschossen, der ihm zum Verwechseln ähnlich sah.

4.4.1926

Der Weltkongress der russischen Flüchtlinge wird in Paris eröffnet, er dauert bis zum 11. April. Die etwa 400 Delegierten aus europäischen Ländern und den USA streben die Gründung einer Zentralorganisation an, die gegenüber den einzelnen Regierungen und dem Völkerbund die Anliegen der Flüchtlinge vertritt.

4.4.1926

Die Osternummer der "Vossischen Zeitung" bringt eine Diskussion zu dem Thema "Stirbt das Drama?". Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur behandeln die Frage, ob die neuen Medien Film und Rundfunk das traditionelle Theaterdrama verdrängen könnten.

5.4.1926

Im Senat in Washington beginnt die Debatte über das 1920 in Kraft getretene Prohibitionsgesetz, das die Herstellung, den Transport und den Verkauf von Alkohol verbietet.

5.4.1926

Den indischen Behörden ist es gelungen, die religiösen Unruhen und blutigen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Moslems in Kalkutta zu unterbinden.

6.4.1926

Die Deutsche Lufthansa AG nimmt mit sieben Linien den innerdeutschen Flugverkehr auf. Mit 110 Maschinen fliegt sie 57 Städte an.

6.4.1926

Der Plan einer New Yorker Juwelenfirma, der Freiheitsstatue zu Reklamezwecken eine riesige Armbanduhr anzuhängen, scheitert.

6.4.1926

In Südwestafrika, in der Nähe von Beersheba, soll ein Sonnenobservatorium eingerichtet werden.

7.4.1926

Bei einem Attentatsversuch wird der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini an der Nase verletzt.

7.4.1926

Die kürzlich gegründete Liga zur Verteidigung der Freiheit tritt mit einem Aufruf in der französischen Zeitung "Quotidien" erstmals an die Öffentlichkeit. Die Liga will dem Faschismus mit den Waffen des Geistes entgegentreten. Ihr gehören Intellektuelle aus den meisten europäischen Ländern an.

7.4.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg begeht sein 60. Militärdienst-Jubiläum.

7.4.1926

In der Zellulosefabrik Hoesch & Co. in Heidenau bei Pirna explodiert ein Kochkessel. Die Explosion zerstört das ganze Gebäude und fordert acht Todesopfer.

8.4.1926

In Wien wird das 150jährige Bestehen des Burgtheaters gefeiert. In der Festvorstellung am Abend spielt das traditionsreiche Ensemble "Minna von Barnhelm" von Gotthold Ephraim Lessing.

8.4.1926

Der Film "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" wird im Berliner Capitol uraufgeführt. Der Film entstand nach Motiven des gleichnamigen Buches von Waldemar Bonsels.

9.4.1926

In Saloniki (Griechenland) meutern einige Garnisonen. Sie verlangen den Rücktritt des Diktators und Ministerpräsidenten Theodoros Pangalos, die Einsetzung einer neutralen Regierung und freie Präsidentenwahlen. Regierungstreue Truppen schlagen die Meuterei am 10. April nieder; ein Ausnahmegericht verurteilt die Führer des Aufstands am 13. April zum Tode.

9.4.1926

Leo Trotzki und Lew Kamenew fordern auf der Tagung des Zentralkomitees der KPdSU über die wirtschaftliche Situation (6.- 9.4.) eine raschere Industrialisierung.

9.4.1926

Auf dem Mississippi stoßen das niederländische Tankschiff "Silvanus" und das amerikanische Tankschiff "Thomas H. Wheeler" zusammen. Die "Silvanus" explodiert; die gesamte Mannschaft (36 Personen) kommt ums Leben.

10.4.1926

Das Haus Hohenzollern, das frühere deutsche Kaiserhaus, ist mit der Zahlung von Steuern in Höhe von sieben Millionen Mark im Rückstand.

10.4.1926

Die Frankfurter Frühjahrsmesse wird eröffnet, sie dauert bis zum 14. April. Die Zahl der Aussteller ist infolge der schlechten Wirtschaftslage zurückgegangen, nur die Textilbranche verzeichnet ein zufriedenstellendes Ergebnis.

10.4.1926

In Köln findet die Uraufführung der Oper "Die Opferung des Gefangenen" des österreichischen Komponisten Egon Wellesz statt. Die Vorlage für die Oper bildet ein mexikanisches Tanzschauspiel.

10.4.1926

Die Oberprüfstelle Berlin gibt den im März verbotenen Film "Panzerkreuzer Potemkin" von Sergei Eisenstein nach einschneidenden Kürzungen frei.

11.4.1926

Mit überwältigender Mehrheit gewinnt der griechische Ministerpräsident Theodoros Pangalos die Präsidentschaftswahlen in Griechenland.

11.4.1926

Die preußischen Junglehrer verlangen auf einer Kundgebung im Berliner Lehrervereinshaus die Herabsetzung der Klassenstärken, um die Lehrerarbeitslosigkeit zu senken.

11.4.1926

Das Exekutivkomitee der Sozialistischen Internationale lehnt auf seiner Tagung in Zürich den Vorschlag ab, gemeinsam mit den Kommunisten eine neue Internationale zu gründen.

11.4.1926

Der italienische Ministerpräsident Benito Mussolini trifft zu einem Besuch in Tripolis (Libyen) ein, der bis zum 16. April dauert. Der Besuch demonstriert italienische Macht.

12.4.1926

In der Nähe von Bagdad (Irak) ist am Tigris ein Deich gebrochen. Die Umgebung von Bagdad steht unter Wasser, auch der Königspalast, der außerhalb der Stadt steht, ist überschwemmt worden. Am 14. April fällt das Wasser des Tigris wieder, am 16. April wird der Deichbruch ausgebessert.

12.4.1926

Die Nationalsozialisten haben in Köln für den Abend eine öffentliche Veranstaltung mit dem Referat "Enteignet die Fürsten, der Jude braucht Geld" angekündigt. Da die Kölner Bevölkerung gegen die aufhetzerischen Ankündigungsplakate protestiert hat, verbietet die Polizei diese Veranstaltung.

13.4.1926

In Warschau finden vor dem Arbeitsministerium Kundgebungen von Arbeitslosen statt. Die Polizei zerstreut die Demonstranten; 36 Personen - darunter zehn Frauen - werden verhaftet. Auch in Lodz kommt es zu Massenversammlungen von Arbeitslosen. In Polen sind 400 000 Arbeitslose gemeldet.

14.4.1926

Das Oberste Verwaltungsgericht in Prag verhandelt über eine Beschwerde des Stiftes Tepl gegen die Enteignung der Kurhäuser und Heilquellen Marienbads.

15.4.1926

Die Regierung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) wird umgebildet.

15.4.1926

In Berlin wird eine internationale Schiffahrtskonferenz eröffnet. Sie berät über die Sicherung und Aufrechterhaltung der Freiheit des Schiffverkehrs.

15.4.1926

Der Konflikt innerhalb der sächsischen Landtagsfraktion der SPD spitzt sich zu.

15.4.1926

Die Dortmunder Zeche Kaiserstuhl kündigt 600 Bergleuten, weil sie über zu große Haldenbestände verfügt.

15.4.1926

Die Komödie "Zweimal Oliver" des deutschen Schriftstellers Georg Kaiser wird im Dresdner Staatstheater und gleichzeitig in mehreren anderen Städten uraufgeführt.

16.4.1926

Der rumänische Bandit Tomescu, der "König der Wälder und Berge", ist von einem Mitglied seiner Bande verraten und ermordet worden. Tomescu hatte sich während seiner Militärdienstzeit ein Vergehen zuschulden kommen lassen und war daraufhin in die Berge geflohen. Hier sammelte er eine Bande um sich und kämpfte gegen Gendarmen und Steuereinnehmer. Bei den Bauern war er so populär, dass sie ihn gegen die Gendarmerie unterstützten.

16.4.1926

Der Budapester Magistrat verfügt die Absetzung des Stückes "Reigen" des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler vom Spielplan mit der Begründung, das Theaterstück, das in zehn Szenen jeweils ein Paar vor und nach dem Beischlaf zeigt, verletze das sittliche Empfinden der Theaterbesucher.

17.4.1926

Die Kämpfe der rivalisierenden chinesischen Truppen um Peking sind beendet, die Führer der Volksheere haben sich zurückgezogen. In Peking selbst herrscht Hungersnot.

17.4.1926

In Berlin gründen die führenden Theaterdirektoren Max Reinhardt (Deutsches Theater und Kammerspiele), Victor Barnowsky (Theater in der Königgrätzer Straße und Eugen Robert (Berliner Theater) eine Arbeitsgemeinschaft. Sie wollen ein gemeinsames Ensemble für ihre Theater bilden und die Abonnementspreise senken.

17.4.1926

In Dortmund beginnt der elfte Kongress der Christlichen Gewerkschaften in Deutschland. Der Vorsitzende Adam Stegerwald fordert eine stärkere Beteiligung der Arbeiter an den Entscheidungsprozessen in der Wirtschaft.

18.4.1926

In Marokko beginnen Friedensverhandlungen zwischen den Vertretern des marokkanischen Emirs Abd El Krim und den Delegierten Frankreichs und Spaniens.

18.4.1926

In der Aula der Berliner Universität wird die Reichsgesundheitswoche eröffnet. Sie setzt es sich zum Ziel, die Bevölkerung mit Ausstellungen, Vorträgen und Filmen über eine gesunde Lebensführung zu informieren.

18.4.1926

Die deutsche Mannschaft gewinnt in Düsseldorf das 57. Fußball-Länderspiel gegen die Niederlande 4:2.

18.4.1926

An der Ostküste der USA ist ein schwerer Schneesturm niedergegangen. Zwei Menschen sind ums Leben gekommen, zahlreiche Telefon- und Telegraphenverbindungen wurden unterbrochen.

19.4.1926

Die französischen Truppen in Syrien beginnen eine Offensive gegen die Drusen. Syrien ist seit 1920 Mandatsgebiet des Völkerbunds und steht unter französischer Kontrolle, d. h. die Verwaltung des Landes wird von Frankreich unter Aufsicht des Völkerbunds ausgeübt. 1925 begann ein Volksaufstand gegen die Franzosen.

20.4.1926

Die Sozialdemokratische Partei Polens tritt aus dem Koalitionskabinett Alexander Skrzy ñ ski aus.

20.4.1926

Frauen sollen demnächst Beamtenstellen bei der Berliner Polizei erhalten, sie können Kriminalsekretärinnen und später Kriminalkommissarinnen werden. Bis jetzt arbeiten Frauen lediglich als Kriminalgehilfinnen.

20.4.1926

Der Ausbruch eines Vulkans auf der Insel Hawaii dauert mit unverminderter Heftigkeit an. Die Lavamassen haben bereits zwei Dörfer unter sich begraben. Unter der Bevölkerung ist eine Panik ausgebrochen.

21.4.1926

Der polnische Staatspräsident Stanislaw Wojciechowski beruft nach dem Rücktritt der Sozialdemokraten aus dem Kabinett eine Konferenz ein, an der auch der frühere polnische Staatschef Jósef Klemens Pi l sudski teilnimmt. Es gelingt jedoch nicht, die Regierungskrise zu beheben.

21.4.1926

Das Schauspiel "Brennende Erde" von dem deutschen Dichter Klabund (eigtl. Alfred Henschke) wird im Schauspielhaus Frankfurt am Main uraufgeführt. Das Stück spielt zur Zeit der russischen Revolution, die einzige weibliche Rolle spielt Carola Neher.

21.4.1926

Der deutsche Architekt Otto Bartning übernimmt die Leitung der Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst in Weimar, die aus dem früheren Bauhaus hervorgegangen ist.

22.4.1926

Der deutsche Reichsrat stimmt dem neuen Entwurf zum Duellgesetz zu. Das bereits im Februar verabschiedete Gesetz war nicht verkündet worden. Der neue Entwurf ändert die Bestimmung, wonach Offiziere, die an einem Duell teilgenommen haben, entlassen werden müssen, in die Möglichkeit um, dass sie aus dem Dienst entlassen werden können. Am 29. April nimmt der Deutsche Reichstag das Duellgesetz an.

22.4.1926

Die erste Nummer der "Pressemitteilungen" des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes erscheint. Die Mitteilungen enthalten Informationen über Gewerkschaftsfragen und werden an alle Gewerkschaftszeitungen und Bezirkssekretäre verschickt.

23.4.1926

Italienische Truppen schlagen in Italienisch-Somaliland einen Aufstand der Somalis nieder. Der Aufstand brach aus, weil sich einige Häuptlinge geweigert haben, die italienische Oberhoheit zu akzeptieren. Somaliland (heute Somalia) ist seit der Jahrhundertwende italienische Kolonie.

23.4.1926

Der britische Premierminister Stanley Baldwin übernimmt offiziell die Vermittlung im Tarifkonflikt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Kohleindustrie. Die Verhandlungen zwischen beiden Tarifparteien sind gescheitert, weil keine Einigung über die Senkung der Löhne und die Festsetzung von Minimaleinkommen erzielt werden konnte.

23.4.1926

Die südafrikanische Regierung erklärt ihr Einverständnis, mit Indien über das Problem der indischen Einwanderer in Südafrika zu verhandeln. Südafrika übt Druck auf die Inder aus, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren.

23.4.1926

Nachdem die österreichische Zeitung "Abend" bereit war, gegen Bezahlung die Tendenz ihrer Artikel zu verändern, wird in Österreich ein neues Pressegesetz diskutiert. Die Veröffentlichung von unrichtigen Informationen, die den Betroffenen in seinem Fortkommen oder Ansehen schädigen, soll künftig bestraft werden.

23.4.1926

Ein Vortrag über Geburtenrückgang und sexuelle Fragen, den der Münchner Arzt Julian Marcuse am Abend in München auf einer Frauenversammlung halten wollte, wird von der Polizei verboten. Der Arzt tritt für eine Reform des 218 (Verbot des Schwangerschaftsabbruchs) ein.

24.4.1926

Der sowjetische Botschafter in Berlin, Nikolai N. Krestinski, und der deutsche Außenminister Gustav Stresemann unterzeichnen den Freundschafts- und Neutralitätsvertrag (Berliner Vertrag) zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion.

25.4.1926

Resa Pahlawi wird in einer prunkvollen Zeremonie in Teheran zum neuen Schah von Persien gekrönt, die iranische Nationalversammlung hat ihn 1925 zum neuen Schah bestimmt.

25.4.1926

Die Uraufführung der Oper "Turandot" des italienischen Komponisten Giacomo Puccini findet in der Mailänder Scala unter der Leitung des italienischen Dirigenten Arturo Toscanini statt.

25.4.1926

Das Drama "Fegefeuer in Ingolstadt" der deutschen Schriftstellerin Marie-Luise Fleißer wird von der Jungen Bühne Berlin uraufgeführt. Das Stück schildert die beklemmende Atmosphäre in einer Provinzstadt.

26.4.1926

In Wien und in Niederösterreich beginnt ein Bierboykott. Aus Protest gegen die Erhöhung der Bierpreise durch das Brauereikartell wollen die Gastwirte kein Bier mehr ausschenken. Der Boykott wird am 30. April beendet, nachdem die Regierung zugesichert hat, die Bierpreiserhöhung zu überprüfen.

26.4.1926

In Moskau herrscht Hochwasser. Das Wasser ist auch in die unteren Räume der Tretjakow-Galerie eingedrungen, gefährdete Gemälde wurden jedoch rechtzeitig in den Kreml gerettet.

27.4.1926

80% der Arbeiter im Salgo-Tarjaner Kohlebecken in Ungarn beginnen ohne Vorankündigung einen Streik. Seit einem Jahr wird in den Bergwerken nur an zwei Tagen in der Woche gearbeitet; viele Familien leiden an Hunger. Die Kohleförderung ist zurückgegangen, weil Kohlen aus Polen zu Dumpingpreisen in Ungarn abgesetzt werden.

28.4.1926

Der Deutsche Industrie- und Handelstag tritt in Berlin zu seiner 46. Vollversammlung zusammen. In seiner Eröffnungsrede weist der deutsche Reichskanzler Hans Luther darauf hin, dass der Export seit Ende 1925 wieder steigt.

28.4.1926

Der Kölner Domschatz kann wieder von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Er wurde 1918 in ein Verlies eingemauert und auch nach dem Ende des Weltkriegs verborgen gehalten; man wollte auf diese Weise einer Beschlagnahme durch die Alliierten entgehen.

28.4.1926

Die Vorführung des ägyptischen Fakirs Rahman Bey in einem Londoner Hotel ruft Aufsehen und Grauen hervor. Die Zuschauer empfinden seine Darbietungen als grausam.

28.4.1926

Der britische Automobilrennfahrer J. G. Parry Thomas stellt in Pendine (Großbritannien) mit 275,222 km/h einen Geschwindigkeitsweltrekord auf.

29.4.1926

Die USA und Frankreich schließen ein Abkommen über die Schuldenrückzahlung. Frankreich hat bei den USA Schulden in Höhe von 4,2 Milliarden Dollar, die bis 1987 in gestaffelten Beträgen zurückzuzahlen sind. Die Schulden resultieren aus Krediten, die Frankreich während des Weltkriegs erhalten hat.

29.4.1926

Neuer Vorsitzender der Zentrumsfraktion im Deutschen Reichstag wird Wilhelm Marx.

30.4.1926

Die Verhandlungen im Tarifkonflikt der britischen Kohlenindustrie werden ergebnislos abgebrochen. Um Mitternacht treten die Bergarbeiter in den Streik.

30.4.1926

Das belgische Kultusministerium fordert die Schulen auf, im Unterricht auf die Bedeutung des Völkerbundes einzugehen, und erklärt sich dazu bereit, Schulbücher zurückzuziehen, die Rassen- oder Völkerhaß gutheißen.

1.5.1926

Der Internationale Gewerkschaftsbund hat dazu aufgerufen, am 1. Mai für den Achtstundentag, das Mitbestimmungsrecht in der Industrie und einen dauernden Weltfrieden zu demonstrieren.

1.5.1926

Die britischen Bergarbeiter legen in allen Zechen die Arbeit nieder, weil am 30. April die Tarifverhandlungen ergebnislos abgebrochen worden sind. Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber konnten keine Einigung über die Senkung der Löhne und die Festsetzung von Minimallöhnen für die Bergarbeiter erzielen.

1.5.1926

Die Deutsche Lufthansa AG nimmt die erste Nachtfluglinie auf, sie führt von Berlin nach Königsberg mit einem Anschluß nach Moskau. Der Pilot orientiert sich an Signalfeuern.

1.5.1926

Der neue Dampfer "Rheinland", der erste neugebaute Rheindampfer seit dem Weltkrieg, unternimmt seine erste Fahrt.

2.5.1926

Im Frankfurter Römer wird die Ausstellung "Frankfurt - Amerika" eröffnet. Sie zeigt die Geschichte der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen der Stadt Frankfurt am Main und den USA.

2.5.1926

Drei leichte Erdstöße wurden in der Nacht zum 2. Mai in Süddeutschland verspürt. Ein Heuschober ist eingestürzt.

2.5.1926

Die Staatsoper Unter den Linden in Berlin wird wegen Baufälligkeit des Bühnenhauses geschlossen, geplant sind Anbauten an beiden Seiten.

3.5.1926

In Großbritannien beginnt ein Generalstreik, an dem sich neben den Bergarbeitern die Drucker, Eisenbahner, Transport-, Eisen- und Stahlarbeiter, die Bau-, Chemie- Gas- und Elektrizitätsarbeiter beteiligen.

3.5.1926

Während einer Aufführung des Lustspiels "Der fröhliche Weinberg" des deutschen Schriftstellers Carl Zuckmayer in Halle kommt es zu einem Theaterskandal: Von außerhalb angereiste Störer, die im ersten Akt ununterbrochen johlen und pfeifen, werden von der Polizei des Hauses verwiesen.

3.5.1926

In einigen preußischen Gefängnissen erhalten die Gefangenen durch gute Führung Milderungen im Strafvollzug.

4.5.1926

Der Kongress von Nicaragua ruft den Ausnahmezustand aus, weil einige liberale Offiziere gegen die Diktatur Emiliano Chamorros einen Aufstand unternommen haben.

4.5.1926

Die Uraufführung der Tragödie "Medea" des deutschen Schriftstellers Hans Henny Jahnn findet am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin statt.

4.5.1926

Die deutsche und die dänische Regierung heben den Visumzwang bei Grenzübertritten auf. Die Regelung tritt am 20. Mai in Kraft.

5.5.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg erlässt eine neue Flaggenverordnung. Die deutschen Auslandsvertretungen müssen neben der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge, die nur in einer Ecke die Farben der Weimarer Republik zeigt, hissen.

5.5.1926

Im Rotterdamer Hafen bricht ein Großfeuer aus, es verbrennen u.a. 4000 Tonnen Chilesalpeter. Der Schaden beläuft sich auf etwa eine Million Gulden.

5.5.1926

Die deutsche Erstaufführung der Komödie "Krieg der Frauen" von dem französischen Schriftsteller Honoré de Balzac findet im Frankfurter Schauspielhaus statt.

6.5.1926

Der Deutsche Reichstag lehnt mit 236 gegen 142 Stimmen den Gesetzesentwurf zur Enteignung der im Kaiserreich regierenden Fürsten ab. Die Ablehnung bedeutet, dass im Juni das Volksbegehren über die Fürstenenteignung durchgeführt wird.

6.5.1926

Der österreichische Arzt und Psychoanalytiker Sigmund Freud wird vom Wiener Gemeinderat zum Ehrenbürger der Stadt Wien ernannt.

6.5.1926

Die Verhandlungen zwischen Frankreich, Spanien und den Rifkabylen, die einen Aufstand gegen die französisch-spanische Herrschaft in Marokko unternommen haben, werden ergebnislos abgebrochen.

6.5.1926

Die Transportarbeiter von Antwerpen (Belgien) haben beschlossen, die Ausfuhr von Kohle nach Großbritannien zu verhindern. Sie wollen damit die streikenden Bergarbeiter in Großbritannien unterstützen.

7.5.1926

Nachdem es in der Nacht zum 7. Mai in einigen Vierteln von Damaskus (Syrien) erneut zu Kämpfen zwischen den Drusen und Franzosen gekommen ist, bombardieren die Franzosen Damaskus. 500 Zivilisten werden getötet und 300 Häuser zerstört.

7.5.1926

Das Deutsche Reich und Spanien schließen einen Handelsvertrag. Das Deutsche Reich gewährt Spanien die Meistbegünstigung bei Einfuhrzöllen, Wein und Südfrüchte können billiger importiert werden. Die Exportartikel der deutschen Industrie erhalten 20 Prozent Zollermäßigung.

7.5.1926

Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes beschließt, die streikenden Bergarbeiter in Großbritannien zu unterstützen. Die Sammlungen und Spenden erbringen eine Summe von mehr als 1,1 Millionen Reichsmark.

7.5.1926

Die Schriftsteller Thomas Mann, Gerhart Hauptmann, Arno Holz, Hermann Stehr und Ludwig Fulda erhalten einen Ruf in die neugegründete Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste.

8.5.1926

Die "Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen" (Gesolei) wird in Düsseldorf eröffnet. Sie verzeichnet einen großen Besucherandrang.

8.5.1926

Die Vossische Zeitung beginnt mit dem Abdruck des autobiographischen Romans "Meine Universitäten" (1922) von dem sowjetischen Schriftsteller Maxim Gorki. Eine deutsche Buchausgabe erscheint erst 1953.

9.5.1926

Die Amerikaner Richard Evelyn Byrd und Floyd Bennett überfliegen als erste den Nordpol. Ihre Angaben lassen sich allerdings nicht überprüfen.

9.5.1926

Die Konferenz der Gewerkschaftsinternationale in Ostende stellt sich geschlossen hinter die streikenden Bergarbeiter in Großbritannien. Sie fordert die Gewerkschaftsmitglieder auf, den Kohlenexport nach Großbritannien zu behindern und die Streikenden finanziell zu unterstützen.

9.5.1926

Die nordfranzösischen Kohlengrubenbesitzer und die Arbeitervertreter beschließen ein neues Lohnabkommen, womit ein drohender Streik abgewendet wird. Die Arbeiter erhalten ab 15. Mai 10% mehr Lohn und eine Erhöhung des Teuerungszuschlags um 15%.

9.5.1926

Die Deutsche Erdöl AG zahlt erstmals seit der Inflationszeit eine Dividende, sie beläuft sich auf 4%.

10.5.1926

In Berlin gründet sich der Deutsche Akademikerinnen-Bund.

10.5.1926

Der amerikanische Schriftsteller Sinclair Lewis hat die Annahme des Pulitzerpreises verweigert, der ihm für seinen Roman "Arrowsmith" (1925) zuerkannt wurde. Er lehnt Literaturpreise ab, weil sie eine Bewertungsinstanz darstellen, gegen die sich kein Schriftsteller zur Wehr setzen kann.

11.5.1926

Die Berliner Polizei deckt einen rechtsgerichteten Zirkel auf, der einen Putsch zur Errichtung der Diktatur vorbereitet hat.

11.5.1926

Ein Frosteinbruch in Süd- und Mitteldeutschland hat in der Nacht zum 11. Mai Schäden an Kartoffeln, Bohnen und Weinreben angerichtet.

12.5.1926

Die deutsche Reichsregierung unter Reichskanzler Hans Luther tritt zurück, da der Reichstag einem Mißbilligungsantrag der DDP gegen die Regierung zugestimmt hat.

12.5.1926

Der Generalrat des Britischen Gewerkschaftsausschusses bricht den Generalstreik ab, um neue Verhandlungen zwischen den Bergarbeitern und den Bergwerksbesitzern zu ermöglichen. Der Streik der Bergarbeiter dauert weiter an.

12.5.1926

Der Norweger Roald Amundsen und der Italiener Umberto Nobile überfliegen in dem Luftschiff "Norge" den Nordpol.

13.5.1926

Der polnische Marschall Jósef Klemens Pi l sudski, der am 12. Mai mit 15 Regimentern nach Warschau marschiert ist, entscheidet die Kämpfe mit regierungstreuen Truppen für sich.

14.5.1926

Konrad Adenauer, Oberbürgermeister von Köln, lehnt es ab, nach dem Rücktritt der deutschen Reichsregierung eine neue Regierung zu bilden, weil die DVP seinen Vorschlag zurückgewiesen hat, eine große Koalition zu bilden.

14.5.1926

Im Kreis Flensburg ist die erste dänische Privatschule gegründet worden. Nach einem Erlass der preußischen Regierung darf die dänische Minderheit in Schleswig-Holstein eigene Schulen betreiben.

14.5.1926

Der Deutsche Reichstag verabschiedet in dritter Lesung eine Reform des Abtreibungsparagraphen 218.

14.5.1926

Das Deutsche Reich und Schweden schließen einen Handelsvertrag ab.

15.5.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg betraut Reichsjustizminister Wilhelm Marx (Zentrum) mit der Führung der Geschäfte des Reichskanzlers.

15.5.1926

Marschall Jósef Klemens Pi l sudski wird nach seinem erfolgreichen Putsch gegen die polnische Regierung Kriegsminister.

16.5.1926

Vom 16. Mai bis zum 6. Juni findet im Hessischen Landesmuseum in Kassel eine Luftfahrtausstellung statt.

16.5.1926

Eine außerordentliche Tagung des deutschen Schriftstellerverbandes beginnt in Freudenstadt, sie geht bis zum 20. Mai. Die Redner sprechen sich gegen das geplante Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften aus, weil die Begriffe nicht eindeutig definiert seien und die Gefahr von Zensur bestehe.

17.5.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Wilhelm Marx (Zentrum) zum neuen Reichskanzler.

17.5.1926

Bei einem Attentat auf die US-amerikanische Botschaft in Buenos Aires entsteht Sachschaden.

17.5.1926

Oberitalien wird von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht, der Po, die Etsch und der Comer See sind über die Ufer getreten. Die Schäden für die Landwirtschaft belaufen sich auf mehrere Millionen Lire.

18.5.1926

In Genf beginnt die vom Völkerbund einberufene vorbereitende Abrüstungskonferenz. Delegierte aus 20 Ländern beraten über die Frage von Abrüstung und Sicherheit.

18.5.1926

Das deutsche Reichsgericht hat erstmals entschieden, dass literarische Werke, die vom Rundfunk übertragen werden, urheberrechtlich geschützt sind. Das Gericht gibt damit den Klagen der Schriftsteller Gerhart Hauptmann (Deutsches Reich) und Hugo von Hofmannsthal (Österreich) auf Schadenersatz wegen unbefugter Ausstrahlung ihrer Werke nach.

19.5.1926

In seiner Regierungserklärung bekennt sich der neue deutsche Reichskanzler Wilhelm Marx dazu, an der umstrittenen Flaggenverordnung festzuhalten.

19.5.1926

Die Verhandlungen zwischen Großbritannien und Frankreich über die Rückzahlung der Schulden aus dem Weltkrieg sind gescheitert.

19.5.1926

In Südtirol sind alle Flüsse über die Ufer getreten, das Hochwasser hat vier Orte überschwemmt.

20.5.1926

In Belgien wird die neue Regierung unter Henri Jaspar vereidigt. Am 6. Mai hat die alte Regierung ihren Rücktritt eingereicht. Die Regierungskrise wurde durch Finanzprobleme ausgelöst, mehrere Minister wandten sich dagegen, einen Kredit bei der Nationalbank aufzunehmen, weil dadurch eine Inflation ausgelöst werde.

20.5.1926

Eine Explosion in einer Pulverfabrik in Haßloch (Bayern) zerstört den größten Teil des Gebäudes. Das Unglück fordert elf Todesopfer, der Schaden beläuft sich auf eine Million Reichsmark.

20.5.1926

In Heggen bei Attendorn ist eine neue Tropfsteinhöhle entdeckt worden, den Eingang legte eine Sprengung frei.

20.5.1926

In Berlin wird der Film "Wehe, wenn sie losgelassen" von dem Regisseur Carl Froelich uraufgeführt. Henny Porten glänzt in einer Doppelrolle: Sie verkörpert eine Dame der Berliner Gesellschaft und deren Dienstmädchen.

21.5.1926

Die faschistische Partei Italiens verbietet es Mädchen und Frauen, die Uniform des Faschismus, das schwarze Hemd, zu tragen. Das Schwarzhemd symbolisiere den Kampfgeist der Partei und stehe daher Frauen, die sich karitativen Aufgaben widmen sollen, nicht zu.

21.5.1926

Kinderarbeit ist in verschiedenen Industrien der USA weit verbreitet, vor allem in der Tabakindustrie im Süden und Nordosten.

21.5.1926

Die große Berliner Kunstausstellung wird eröffnet. Sie zeigt u.a. Werke der Bauhaus-Künstler Wassily Kandindsky und Paul Klee.

21.5.1926

In Berlin findet die Uraufführung des expressionistischen Dramas "Das trunkene Schiff" von dem deutschen Schriftsteller Paul Zech statt. Der Regisseur Erwin Piscator bezieht den Film in die Inszenierung mit ein, das Bühnenbild stammt von George Grosz.

21.5.1926

In Münster wird die Tanzdichtung "Tanztragödie" von dem deutschen Tänzer und Choreographen Kurt Jooss uraufgeführt.

22.5.1926

Das deutsch-französische Luftfahrtabkommen tritt in Kraft. Es befreit das Deutsche Reich von den Einschränkungen im Luftschiffbau, die der Versailler Friedensvertrag festlegte. Das Abkommen rettet u.a. die Zeppelin-Werke in Friedrichshafen. Am 26. Mai wird die Flugstrecke Berlin- Paris eröffnet.

22.5.1926

Der Wiener Hungerkünstler Fred Ellern stellt einen Weltrekord auf: Er hat 46 Tage und sechs Stunden in einem Glaskasten gehungert.

23.5.1926

In Clermont-Ferrand beginnt ein Parteitag der französischen Sozialisten (bis 26. Mai). Die Delegierten lehnen eine Beteiligung der Sozialisten an einer bürgerlichen Regierung und eine Einheitsfront mit den Kommunisten ab. Sie fordern eine striktere Befolgung des Fraktionszwangs im Parlament.

23.5.1926

Der Rote Frontkämpferbund, eine auf Initiative der KPD gegründete Kampforganisation gegen Militarismus und Faschismus, kommt in Berlin zu seinem zweiten Reichstreffen zusammen. Die Kundgebung mit 30 000 Teilnehmern verläuft friedlich.

24.5.1926

Der Ausbruch des Vulkans Tokachi auf der japanischen Insel Hokkaido fordert 150 Todesopfer. Ein Dorf ist von den Schwefel- und Lavamassen verschüttet worden. Der von einem Erdbeben begleitete Vulkanausbruch löst Springfluten aus.

24.5.1926

Der finnische Läufer Paavo Nurmi stellt in Berlin mit 8:25,4 Minuten einen Weltrekord über 3000 m auf.

25.5.1926

Die Regierung der Türkei beschließt, ab 1927 den christlichen Kalender einzuführen. In der Türkei gilt der islamische Kalender. Auf den 31. Dezember 1324 wird Neujahr unmittelbar der 1. Januar 1927 folgen.

25.5.1926

Die italienische Regierung will die Villa San Martino auf Elba restaurieren, in der Napoleon I., Kaiser von Frankreich, während seiner Verbannung 1814/15 lebte.

25.5.1926

Ein Eisenbahnunglück auf dem Münchner Ostbahnhof fordert 28 Todesopfer und 167 Verletzte. Ein mit Ausflüglern besetzter Personenzug ist auf einen vor dem Bahnhof haltenden Zug aufgefahren.

26.5.1926

Der marokkanische Emir Abd El Krim, der Führer des Aufstands der Rifkabylen gegen die spanische und französische Herrschaft in Marokko, ergibt sich. Nach dem Abbruch der Friedensverhandlungen am 6. Mai haben französische und spanische Truppen eine erfolgreiche Offensive begonnen. Die Kapitulation beendet den Krieg.

26.5.1926

Der Gerichtshof in Budapest fällt das Urteil im Frankenfälscherprozeß, die Hauptangeklagten Prinz Ludwig Windischgrätz und der Landespolizeichef Emmerich Nadossy werden zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht billigt ihnen patriotische Motive zu.

26.5.1926

Der mexikanische Präsident Plutarco Elias Calles unterzeichnet das Nationalisierungsgesetz, das sämtliche Bodenschätze des Landes zum Staatseigentum erklärt. Die Verfügung wendet sich gegen die Ausbeutung der mexikanischen Bodenschätze durch ausländische Kapitalgeber.

27.5.1926

In Großbritannien wird der Kohleverbrauch eingeschränkt, weil noch kein Ende des Streiks der Bergarbeiter abzusehen ist. Die Fabriken dürfen nur noch die Hälfte des Normalbedarfs an Kohle verbrauchen.

27.5.1926

Der deutsche Schriftsteller Gerhart Hauptmann lehnt es ab, Mitglied der Sektion Dichtkunst an der preußischen Akademie der Künste zu werden, weil es "eine bewußte Führung auf dem Gebiete der Dichtkunst nicht gebe".

28.5.1926

General Manuel de Oliveira Gomes da Costa gelangt in Portugal durch einen Militärputsch an die Macht und setzte die republikanische Verfassung außer Kraft.

28.5.1926

Die Uraufführung der Ballette "Don Morte" und "Die Vogelscheuche" von dem Schweizer Tänzer und Choreographen Max Terpis (eigtl. Max Pfister) findet in Berlin statt. Das Orchester dirigiert Erich Kleiber.

29.5.1926

Der Dritte Internationale Sozialistische Jugendkongress geht in Amsterdam zu Ende. Die Delegierten fordern u.a. ein Arbeitsverbot für schulpflichtige Jugendliche, das Verbot von Akkord- und Nachtarbeit für Jugendliche und einen bezahlten Urlaub bis zum 18. Lebensjahr. Im Anschluß an die Konferenz wird der Internationale Verband für sozialistische Studien gegründet.

30.5.1926

Vom 30. Mai bis 6. Juni tagt in Paris der 10. Kongress des Weltbundes für das Frauenstimmrecht. Teilnehmerinnen aus 40 Ländern beraten über Möglichkeiten zur Durchsetzung der Gleichberechtigung.

30.5.1926

Die Junkersflugwerke in Dessau haben 700 Arbeiter entlassen und wollen weiteren 800 Beschäftigten kündigen, Das Werk hat 18 Millionen Reichsmark (RM) Schulden, vor allem, weil es zum Flugzeugbau spezielle Aluminiumrohre verwendet, die nur gegen die Abnahme einer bestimmten Menge bezogen werden können.

31.5.1926

Jósef Klemens Pi l sudski wird zum Staatspräsidenten von Polen gewählt, nimmt die Wahl jedoch nicht an.

31.5.1926

An der Universität von Hannover hindern Studenten den Philosophieprofessor Theodor Lessing daran, seine Vorlesung zu halten.

1.6.1926

In Königsberg und in München werden die durch den Versailler Friedensvertrag eingesetzten Abteilungen der Interalliierten Militärkontrollkommission aufgelöst.

1.6.1926

Zum ersten Mal seit dem Weltkrieg findet im Münchner Glaspalast wieder eine internationale Kunstschau statt. Gezeigt werden Werke in- und ausländischer Künstler u.a. von Vincent van Gogh, Edvard Munch, Max Beckmann, Emil Nolde, Franz Marc und Ernst Barlach.

2.6.1926

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und der dänische Gesandte Herluf Zahle unterzeichnen in Berlin einen Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Dänemark. Ziel des Abkommens ist es, politische und juristische Streitfragen auf friedlichem Weg und gemäß internationalem Recht beizulegen.

2.6.1926

Die sozialdemokratische Regierung von Schweden tritt zurück, nachdem sie im Parlament eine Abstimmungsniederlage in der Frage der Arbeitslosenunterstützung erlitten hat. Seit 1925 verhindern die bürgerlichen Parteien die Verabschiedung von sozialpolitischen Gesetzesvorlagen der Regierung. Am 6. Juni stellt sich das neue Kabinett vor; neuer Ministerpräsident wird Karl Gustav Ekmann (Freisinnige Partei) anstelle von Richard Sandler.

2.6.1926

Die Industriearbeiter in Luxemburg erhalten einen bezahlten Jahresurlaub. Je nach Dauer ihrer Beschäftigung stehen ihnen fünf bis zwölf bezahlte Ferientage zu. Der Urlaub soll in den Monaten zwischen April und November genommen werden.

2.6.1926

Die Zweigverbände des deutschen Lebensmittel- und Kolonialwarenhandels sowie der Edeka-Verband haben sich in München zum Reichsverband des deutschen Kolonialwaren- und Lebensmittelhandels zusammengeschlossen.

2.6.1926

Das englische Galoppderby in Epsom/Surrey endet mit einer Überraschung: Mit fünf Längen Vorsprung siegt Coronach aus dem Stall Woolavington, der Favorit Colorado wird nur Dritter.

3.6.1926

Bei Wahlen in Südwestafrika (heute Namibia), einer ehemaligen Kolonie des Deutschen Reiches, haben die Deutschen sieben von zwölf Parlamentssitzen gewonnen.

3.6.1926

In Lübeck beginnen die Feierlichkeiten zum 700jährigen Bestehen der Stadt als Reichsstadt. Im Rahmen der Veranstaltungen hält der deutsche Schriftsteller Thomas Mann am 5. Juni in seiner Heimatstadt eine Rede.

3.6.1926

In Düsseldorf findet die deutsche Erstaufführung des Chorwerks "König David" des französisch-schweizerischen Komponisten Arthur Honegger statt.

4.6.1926

Der Untersuchungsausschuß des US-Senats, der sich mit der Frage der Änderung des Prohibitionsgesetzes, des Verbotes von Alkohol, befaßt hat, empfiehlt, das Alkoholverbot aufrechtzuerhalten. Er sieht das Prohibitionsgesetz als moralisch richtig an.

4.6.1926

Auf die Gesandtschaft der Vereinigten Staaten in der Hauptstadt Uruguays, Montevideo, wird ein Anschlag verübt.In der Halle des Gebäudes explodiert eine Bombe, die jedoch keinen größeren Schaden anrichtet.

4.6.1926

In Frankfurt am Main veranstalten das Soziale Museum und das Institut für Wirtschaftswissenschaft die Sechste Tagung für Werkspolitik. Die Teilnehmer diskutieren über die Fließbandarbeit.

5.6.1926

In der türkischen Hauptstadt Ankara wird der britisch-türkisch-irakische Mosul-Vertrag unterzeichnet.

5.6.1926

Der österreichische Bundespräsident Michael Hainisch eröffnet im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie in Wien die erste Verkehrsschutzausstellung.

6.6.1926

Die deutschen Konsularbehörden in Spanien sind durch das Auswärtige Amt angewiesen worden, bei einem Besuch deutscher Kriegsschiffe in Spanien am 8. Juni dem neuen FlaggenErlass zu folgen und neben der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge zu hissen. Die Anordnung widerspricht den Zusagen der Reichsregierung, die Flaggenverordnung erst Ende Juli gleichzeitig in allen Auslandsniederlassungen in Kraft treten zu lassen.

6.6.1926

Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Schwerin siegen die Sozialdemokraten. Die SPD gewinnt 20 Sitze, die KPD drei, die DDP zwei, die DVP vier, die DNVP zwölf, die Freiheitsbewegung fünf und die WP drei Sitze.

6.6.1926

Nach dem Ausschluß von 23 Abgeordneten des sächsischen Landtags aus der SPD gründen diese in Dresden die "Alte Sozialdemokratische Partei Sachsens".

6.6.1926

Das Sekretariat der 1921 gegründeten Internationalen Arbeiterhilfe (IAH) beschließt, die sozialpolitische Tätigkeit auszubauen, vor allem die Kinderhilfe und die Unterstützung der Arbeitslosen.

6.6.1926

Den Giro d'Italia, das nach der Tour de France bedeutendste internationale Etappenrennen im Radsport, gewinnt der italienische Radrennfahrer Giovanni Brunero.

7.6.1926

Ein Brief des deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg wird veröffentlicht, in dem er sich gegen den bevorstehenden Volksentscheid über die Enteignung der ehemals regierenden Fürstenhäuser ausspricht. Seine Stellungnahme ruft Proteste der Parteien und der Öffentlichkeit hervor.

7.6.1926

In Lübeck beginnt eine Tagung von Pressevertretern aus dem Deutschen Reich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die Journalisten wollen die internationalen Pressebeziehungen, die durch den Weltkrieg zerstört worden sind, wieder aufnehmen.

8.6.1926

In Polen wird eine neue Regierung gebildet. Kazimierz Bartel, der am 4. Juni zurückgetreten ist, stellt sein neues Kabinett vor.

8.6.1926

Die deutsche Polizei beschlagnahmt in Großbieberau im Odenwald ein Waffenlager rechtsextremer Verbände. Sie stellt 74 Militärgewehre und mehrere Kisten Munition sicher.

8.6.1926

Der moderne Frauenhaarschnitt, der Bubikopf, findet staatliche Anerkennung: El Salvador hat eine Briefmarke herausgebracht, die eine Frau mit Bubikopf zeigt.

9.6.1926

Der Völkerbund hebt die 1922 verhängte Finanzkontrolle über Österreich auf, weil die österreichische Währung wieder stabil ist.

9.6.1926

Der spanische Ministerpräsident Miguel Primo de Rivera erklärt, dass Spanien aus dem Völkerbund austreten werde, wenn es keinen ständigen Ratssitz erhalte.

9.6.1926

Die erste Seilschwebebahn Österreichs für den Personenverkehr auf die Rax in Niederösterreich wird in Betrieb genommen.

10.6.1926

In Kairo tritt das neu gewählte ägyptische Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammen.

10.6.1926

In den Kämpfen zwischen italienischen Kolonialtruppen und der einheimischen Bevölkerung der Cyrenaika (heute Libyen) hat die italienische Armee mehrere Lagerstätten der Aufständischen zerstört. Dabei sind 168 Personen getötet worden.

11.6.1926

Der ungarische Journalist Simon Justh ohrfeigt zwischen zwei Sitzungen der Völkerbundsvollversammlung in Genf den ungarischen Ministerpräsidenten István Graf Bethlen von Bethlen.

11.6.1926

In Genf wird eine Internationale Automobilausstellung eröffnet.

11.6.1926

Die Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt feiert ihr 1OOjähriges Bestehen.

12.6.1926

Brasilien tritt aus dem Völkerbund aus. Die brasilianische Regierung protestiert mit diesem Schritt dagegen, dass nur die Großmächte einen ständigen Sitz im Völkerbundsrat inne haben sollen.

12.6.1926

Die britische Regierung protestiert dagegen, dass die sowjetische Gewerkschaft die streikenden britischen Bergarbeiter mit Geldzuwendungen unterstützt. Großbritannien sieht die Unterstützung als Einmischung in seine inneren Angelegenheiten an. Die Sowjetunion weist die Vorwürfe zurück.

12.6.1926

Der Haushaltsausschuß des Deutschen Reichstags befürwortet es, der Firma Mannesmann eine Kreditgarantie zu gewähren, um die Besitzungen des Unternehmens in Spanisch-Marokko zu sichern.

12.6.1926

Erstmals seit 14 Jahren wird in Dresden die Internationale Kunstausstellung wieder veranstaltet. Die bis September geöffnete Schau zeigt etwa 1000 Gemälde und Plastiken und bietet einen Überblick über die moderne Kunst.

13.6.1926

Das von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Denkmal für die Opfer der Novemberrevolution und des Spartakusaufstands 1918/19 sowie der ermordeten Revolutionäre Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wird auf dem Friedhof Friedrichsfelde in Berlin enthüllt. Die Einweihung findet am 11. Juli statt.

13.6.1926

Die Spielvereinigung (SpVgg) Fürth wird Deutscher Fußballmeister; im Endspiel in Frankfurt am Main besiegt sie Hertha BSC (Berlin) 4:1.

14.6.1926

In Paris beginnt die französisch-spanische Marokkokonferenz. Nach der Niederschlagung des marokkanischen Aufstands gegen die französisch-spanische Kolonialherrschaft beraten Spanien und Frankreich über die Grenzziehung zwischen der französischen und der spanischen Zone Marokkos.

14.6.1926

Rumänien, die Tschechoslowakei und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) verlängern das zwischen ihnen bestehende Verteidigungsbündnis, die Kleine Entente, um zwei Jahre.

15.6.1926

Der französische Ministerpräsident Aristide Briand und sein Kabinett treten zurück.

15.6.1926

Der Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses der USA beschließt, die Beratungen über das Gesetz zur Freigabe des deutschen Eigentums bis auf weiteres zurückzustellen. Das Gesetz soll die Bedingungen festschreiben, unter denen das während des Weltkriegs beschlagnahmte deutsche Eigentum freigegeben werden könnte.

15.6.1926

Die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich beträgt rd. 1,75 Millionen. Die Anzahl der Arbeitslosen ist seit Februar zurückgegangen, weil die Kohleförderung im Ruhrgebiet infolge des britischen Bergarbeiterstreiks zugenommen hat.

15.6.1926

In Paris findet im Théâtre des Arts die Uraufführung des Dramas "Orpheus" des französischen Dichters Jean Cocteau statt.

16.6.1926

Der österreichische Unterrichtsminister Emil Schneider tritt zurück.

17.6.1926

Die alliierten Besatzungsmächte im Rheinland gestatten es den Mitgliedern der Freiwilligen Sanitätskolonnen wieder, Sanitätsuniformen zu tragen. Das Verbot ist 1925 erlassen worden, weil die Sanitätsuniformen den Reichswehruniformen ähnlich sehen, letztere aber im besetzten Gebiet nicht getragen werden dürfen.

17.6.1926

Eine Kommission, in der Chilenen, Peruaner und US-Amerikaner vertreten sind, hält den Plan für undurchführbar, den Konflikt um die Salpeterprovinzen Tacna und Arica, auf die Chile und Peru Anspruch erheben, durch eine Volksabstimmung zu lösen.

17.6.1926

Ein Eisenbahnunglück in der Nähe von Pittsburgh im Staat Pennsylvania (USA) fordert 20 Todesopfer. Ein Schnellzug ist auf einen anderen Zug aufgefahren, der wegen eines Maschinendefekts auf offener Strecke gehalten hat.

18.6.1926

Die Polizei in Izmir (Türkei) hat eine Verschwörergruppe verhaftet, die geplant hatte, den Staatspräsidenten Mustafa Kemal Pascha zu ermorden. An der Verschwörung sind mehrere Politiker beteiligt.

18.6.1926

Der deutsche Philosophieprofessor Theodor Lessing verzichtet unter dem Druck rechtsgerichteter und antisemitischer Kreise auf seine Professur an der Technischen Hochschule Hannover.

19.6.1926

Ein Schöffengericht in Trier fällt die Urteile im Prozeß gegen 29 Winzer, die am 25. Februar während einer Großkundgebung das Finanzamt von Bernkastel gestürmt haben. Elf der Angeklagten werden freigesprochen, die anderen erhalten Gefängnisstrafen zwischen zwei und acht Monaten.

19.6.1926

Etwa 8000 Frauen versammeln sich im Londoner Hydepark zu einer Kundgebung für Frieden und Abrüstung. Die Frauen sind aus allen Landesteilen Großbritanniens zu Fuß nach London gekommen.

20.6.1926

Der Volksentscheid zur entschädigungslosen Enteignung der ehemals regierenden Fürstenhäuser scheitert.

20.6.1926

Das 58. Fußball-Länderspiel zwischen dem Deutschen Reich und Schweden in Nürnberg endet 3:3.

21.6.1926

Die Oberstaatsanwaltschaft in Hagen hat Flugblätter der deutschen Friedensgesellschaft beschlagnahmt, die darlegen, dass das Deutsche Reich geheime Aufrüstung betreibt und dass die rechten vaterländischen Verbände mit der Reichswehr zusammenarbeiten.

21.6.1926

Im Berliner Capitol-Filmpalast wird der Film "Das schwarze Geschlecht" uraufgeführt.

22.6.1926

Die britische Regierung veröffentlicht einen Gesetzentwurf zur Regelung der Krise in der Bergwerksindustrie. Der Entwurf sieht vor, den Zusammenschluß von Betrieben zu gestatten und den von den Gewerkschaften abgelehnten Achtstundentag einzuführen.

22.6.1926

Die Studentenschaft der Technischen Hochschule Hannover bedauert es, dass dem Philosophieprofessor Theodor Lessing nicht die Lehrerlaubnis entzogen worden ist.

23.6.1926

Dem bisherigen französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand ist es gelungen, ein neues Kabinett zu bilden. Briand wird erneut Ministerpräsident.

23.6.1926

Der britische Nationalökonom John Maynard Keynes hält an der Berliner Universität einen Vortrag über "Das Ende des laissez faire - Privat- oder Gemeinwirtschaft?".

23.6.1926

Auf der ersten Internationalen Schauspielerkonferenz, die am 26. Juni in Berlin zu Ende geht, gründen die Teilnehmer aus 18 Staaten eine Schauspieler-Internationale.

24.6.1926

Nach dem gescheiterten Volksentscheid über die entschädigungslose Enteignung ehemals im Deutschen Reich regierender Fürstenhäuser fordert in Österreich die Konservative Volkspartei, das Gesetz aufzuheben, das 1919 die Einziehung des Vermögens des habsburgischen ehemaligen Kaiserhauses verfügte.

25.6.1926

Die spanische Polizei hat die Anhänger einer revolutionären Bewegung verhaftet, die gegen die Diktatur von Ministerpräsident Miguel Primo de Rivera gekämpft haben.

25.6.1926

Die Stadt Leon in Mexiko ist zum zweiten Mal in ihrer Geschichte durch einen Dammbruch zerstört worden. Die Wasserfluten haben Hunderte von Menschenleben gefordert und etwa die Hälfte der Gebäude hinweggespült. 20 000 Familien sind obdachlos.

26.6.1926

Das Deutsche Reich und Finnland schließen einen Handelsvertrag. Beide Länder verpflichten sich, keine Aus- und Einfuhrverbote zu erlassen (eine Ausnahme bildet der Export von Alkohol nach Finnland, der auch künftig verboten bleibt).

26.6.1926

Das umgebaute Staatliche Museum für Völkerkunde in Berlin wird zum 100. Geburtstag seines Begründers Adolf Bastian wiedereröffnet.

26.6.1926

In Halle an der Saale finden vom 26. bis 28. Juni die Arbeiter-Händel-Festspiele statt.

27.6.1926

Das neue griechische Strafgesetzbuch sieht strenge Strafen für Duelle und Ehebruch vor. Auf Ehebruch steht zwei Jahre Kerker. Personen, die an einem Duell teilgenommen oder jemanden dazu aufgefordert haben, werden mit sechs Monaten Gefängnis bestraft. Endet der Zweikampf mit dem Tod eines Duellanten, so muss der andere mit zwei bis fünf Jahren schweren Kerkers rechnen.

27.6.1926

Der Grand Prix des französischen Automobilclubs in Miramas gewinnt der französische Autorennfahrer Jules Goux.

28.6.1926

Zur Senkung der Arbeitslosigkeit verabschiedet der Deutsche Reichstag ein Arbeitsbeschaffungsprogramm.

28.6.1926

Der kanadische Ministerpräsident William Lyon Mackenzie King (Liberale Partei) tritt zurück, weil das Parlament in der vergangenen Woche einen Gesetzentwurf der Regierung zur Bekämpfung des Schmuggels an der kanadisch-amerikanischen Grenze nicht angenommen hat. Am 29. Juni übernimmt der Konservative Arthur Meighen das Amt des Ministerpräsidenten.

28.6.1926

Die beiden ältesten Kraftwagenwerke der Welt, die Daimler-Motorengesellschaft und die Firma Benz und Cie., Rheinische Gasmotorenfabrik, schließen sich zur Daimler-Benz AG zusammen.

28.6.1926

Bei Ausgrabungen an einer Stufenpyramide im ägyptischen Sakkara ist zum ersten Mal in Ägypten eine vollständig erhaltene Mumie eines Pferdes gefunden worden.

29.6.1926

Nach dem Ausschluß mehrerer Reichstagsabgeordneter aus der KPD haben sich in Berlin die Allgemeine Arbeiterunion, der Industrieverband für das Verkehrsgewerbe und die Opposition der Kommunistischen Partei Deutschlands zu einem neuen Spartakusbund zusammengeschlossen. Der Spartakusbund vereinigt die linkskommunistischen Organisationen und knüpft an das alte Spartakusprogramm von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht an.

29.6.1926

Bei einer Vorführung des Films "Panzerkreuzer Potemkin" des sowjetrussischen Regisseurs Sergei M. Eisenstein im Wiener Burgkino kommt es zu einem Zwischenfall. Als während der Revolutionsszene die Marseillaise gespielt wird, reagiert ein Teil der Zuschauer mit Pfuirufen und stimmt das Deutschlandlied an.

30.6.1926

Der italienische Ministerrat billigt einen Gesetzesvorschlag zur Hebung der Produktion und zur Senkung des Verbrauchs an Luxusgütern. Ab 1. Juli wird der Arbeitstag um eine Stunde verlängert. Ebenfalls ab 1. Juli ist der Bau von Villen und Herrschaftshäusern sowie die Eröffnung von Bars und Kaffeehäusern verboten.

30.6.1926

Während einer Militärübung bei Kowel in Polen explodiert eine Granate, 37 Soldaten werden getötet und 30 schwer verletzt.

1.7.1926

Im Deutschen Reich tritt die Sektsteuer in Kraft, sie beträgt eine Reichsmark pro Flasche.

1.7.1926

Das spanische Königspaar trifft zu einem Besuch in London ein. König Alfons XIII. konferiert mit der britischen Regierung über den Wunsch Spaniens, im Völkerbundsrat einen ständigen Sitz zu erhalten.

1.7.1926

Die Einwanderungsbehörden der USA richten in den deutschen Seehäfen Einwanderungsinspektionen zur Überprüfung der Auswanderer nach den USA ein.

1.7.1926

In Basel wird die Internationale Ausstellung für Binnenschiffahrt und Wasserkraftnutzung eröffnet, an der sich Aussteller aus 14 europäischen Ländern und aus den USA beteiligen. Sie dauert bis zum 15. September. Das Deutsche Reich zeigt eine 16 m lange Reliefkarte des Rheingebietes von Emmerich bis zum Bodensee, eine der größten Landkarten der Welt.

1.7.1926

In Berlin wird Robert Gilberts Operette "Die leichte Isabell", eine Verwechslungsgeschichte mit Happy-End, uraufgeführt.

2.7.1926

Die deutsche Reichsregierung zieht den Gesetzentwurf zur Fürstenabfindung zurück, weil die Deutschnationalen und die Sozialdemokraten das Gesetz ablehnen.

2.7.1926

Nach einem Mißtrauensvotum gegen die neue kanadische Regierung, die am 29. Juni gebildet worden ist, löst Ministerpräsident Arthur Meighen das Parlament auf und setzt Neuwahlen für Anfang September fest.

2.7.1926

Im Ruhrbergbau sind in der vergangenen Woche erstmals seit der Absatzkrise keine Feierschichten gefahren worden.

3.7.1926

In Weimar findet der Reichsparteitag der NSDAP statt. Adolf Hitler setzt sich gegen Gregor und Otto Strasser durch.

3.7.1926

Das Sachverständigenkomitee zur Stabilisierung der französischen Währung schlägt in seinem Gutachten vor, die indirekten Steuern zu erhöhen.

3.7.1926

Das Riesengebirge ist von wolkenbruchartigen Regenfällen heimgesucht worden. Zahlreiche Flüsse sind über die Ufer getreten.

3.7.1926

In Wimbledon gehen die 50. All-England-Tennismeisterschaften zu Ende. Im Dameneinzel siegt Kitty Godfree (Großbritannien), im Herreneinzel Jean Borotra (Frankreich).

4.7.1926

Zum 150. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung gibt die Münze in Philadelphia eine neue Halbdollarmünze mit dem Bildnis von Präsident Calvin Coolidge heraus. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA wird das Bild eines amtierenden Präsidenten auf eine Münze geprägt.

4.7.1926

Vom 4. bis 11. Juli finden in Köln die Zweiten Deutschen Kampfspiele statt; sie werden, nach dem Abzug der alliierten Truppen aus der ersten Rheinlandzone, als nationales Olympia gefeiert.

4.7.1926

Führende deutsche Architekten, u.a. Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe, Hans Scharoun, gründen in Berlin die Architektenvereinigung "Der Ring".

4.7.1926

In Dresden findet die deutsche Erstaufführung der Oper "Turandot" des italienischen Komponisten Giacomo Puccini statt.

4.7.1926

In Woltersdorf, einem beliebten Berliner Ausflugsort, stürzt die Kegelbahn eines Restaurants ein, das Unglück fordert 13 Todesopfer.

5.7.1926

Die deutsche Reichsregierung ernennt den ehemaligen Reichskanzler Hans Luther zum Mitglied des Verwaltungsrates der Reichsbahn-Gesellschaft. Die Reichsregierung übergeht dabei den Anspruch Preußens, die Stelle zu besetzen.

5.7.1926

Die österreichische Zugspitzbahn wird eingeweiht. Sie überwindet eine Strecke von 3500m in 16 Minuten.

5.7.1926

Die Komödie "Der Herr Monsier" von Hanns Johst wird in Krefeld uraufgeführt. Mit diesem Stück wendet sich Johst nationalsozialistischen Themen zu.

6.7.1926

Die Militärkommission der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf schlägt vor, Abrüstungsmaßnahmen nur auf die Friedensrüstung zu beziehen, d. h. auf die stehenden Heere, nicht auf Reservisten.

6.7.1926

700 Fahrer und Weichensteller der New Yorker Untergrundbahn treten in den Streik, weil Verhandlungen über eine Lohnerhöhung gescheitert sind.

6.7.1926

Die Feiern zum Todestag des tschechischen Reformators Jan Hus (6.7.1415) bilden den Höhepunkt des Kongresses der tschechischen Turnerschaft (Sokol) in Prag. Tausende von Gästen aus dem Ausland nehmen an den Feierlichkeiten teil.

6.7.1926

In der Sowjetunion wird die erste elektrifizierte Eisenbahnstrecke eröffnet, sie führt von Baku (Aserbaidschan) nach Sabunci.

7.7.1926

Das Bezirksamt Tiergarten benennt zwar den "Königsplatz" gemäß eines Beschlusses der Berliner Stadtverordnetenversammlung in "Platz der Republik" um, lässt aber der Straße die um den Platz herumführt, ihren alten Namen: "Straße am Königsplatz". Das Bezirksamt Tiergarten hatte dem Wechsel von einem monarchischen zu einem republikanischen Namen von Anfang an ablehnend gegenüber gestanden.

7.7.1926

Der "Bund deutscher Arbeiterjugend" wird als Jugendorganisation der NSDAP gegründet.

8.7.1926

Nach dem Wahlsieg der linken Parteien in Mecklenburg-Schwerin bildet Paul Schroeder (SPD) eine neue Regierung.

8.7.1926

Der Sturz des französischen Franc ist nicht mehr aufzuhalten; der US-Dollar liegt bei 40, das britische Pfund bei 194,5 Francs.

9.7.1926

In Portugal putscht das Militär unter General Antonio Oscar Fragoso Carmona, setzt Präsident Manuel de Oliveira Gomes da Costa gefangen und zwingt ihn zum Rücktritt.

9.7.1926

Die Hafenarbeiter von Antwerpen (Belgien) beenden ihren Streik, nachdem die Arbeitgeber eine Lohnerhöhung zugesichert haben.

9.7.1926

In Dieburg in Hessen ist ein Mithrastempel mit Altarplatten, Statuen und Inschriften entdeckt worden. Der persische Sonnengott Mithras war hauptsächlich von Soldaten des Römischen Reiches verehrt worden.

9.7.1926

Während einer Aufführung des Volksstücks "Darüber lässt sich reden" in der Berliner Volksbühne protestiert ein Teil der Zuschauer lauthals gegen die Darbietung von Operetten und Unterhaltungsstücken, so dass die Vorstellung abgebrochen werden muß.

10.7.1926

Italien tritt dem Tangerstatut bei und erhält denselben Anteil an der Lokalverwaltung wie Großbritannien, Frankreich und Spanien. Die marokkanische Hafenstadt Tanger hat 1923 internationalen Status erhalten.

10.7.1926

Wegen der anhaltenden Hitzewelle übernachten 130 000 New Yorker im Freien am Strand von Coney Island.

10.7.1926

Im Metropol-Theater in Berlin beginnt das Gastspiel der schwarzamerikanischen Revue "Black People".

10.7.1926

Ein Blitzschlag löst in einem US-Munitionsdepot bei Dover (New Jersey) eine Explosion aus, die das Depot völlig vernichtet. 17 Menschen sterben und 300 Gebäude werden zerstört.

11.7.1926

An der Kieler Förde wird der Grundstein zu einem deutschen U-Boot-Ehrenmal gelegt. An der Feier nehmen ehemalige Offiziere und Mannschaften der Marine teil.

11.7.1926

Der deutsche Rennfahrer Rudolf Caracciola gewinnt den Großen Preis von Deutschland auf der Berliner Avus.

11.7.1926

Mitglieder des deutschen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (Kampfverband der SPD) und des österreichischen Republikanischen Schutzbundes nehmen an einem Aufmarsch vor dem Parlament in Wien teil, sie treten für Großdeutschland und die republikanische Staatsform ein. Delegierte des deutschen Reichsbanners haben an der Bundestagung des österreichischen Republikanischen Schutzbundes teilgenommen.

12.7.1926

Der deutsche Reichsaußenminister, Gustav Stresemann, erfährt von der Deutschen Botschaft in Moskau erstmals das Ausmaß der militärischen Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Reichswehr und der Roten Armee.

12.7.1926

Der französische Finanzminister, Joseph Caillaux, trifft zu einem Besuch in London ein und erzielt eine Einigung über die Rückzahlung französischer Kriegsschulden an Großbritannien.

13.7.1926

Frankreich und Spanien unterzeichnen in Paris ein Abkommen über Marokko. Es regelt die Grenzziehung zwischen der französischen und der spanischen Zone in dem nordafrikanischen Land.

13.7.1926

Im Smyrnaer Prozeß gegen die Gruppe, die geplant haben soll, den türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal Pascha (Kemal Atatürk) zu ermorden, werden die Urteile gefällt: 15 Angeklagte erhalten die Todesstrafe, die meisten anderen, in der Regel Mitglieder der Oppositionsparteien, werden freigesprochen.

13.7.1926

Die Schriftsteller Oskar Maria Graf und Thomas Mann haben sich auf einer Veranstaltung des Jungmünchner Kulturbundes gegen den Gesetzentwurf zum Schutz der Jugend vor Schmutz- und Schundliteratur ausgesprochen. Sie lehnen diese Zensurmaßnahmen durch den Staat ab und bezeichnen das Gesetz als Knebelung der geistigen Freiheit.

14.7.1926

Das Deutsche Reich und die Schweiz schließen einen Handelsvertrag, er beruht auf dem Prinzip der Meistbegünstigung.

14.7.1926

Während der großen Parade zur Feier des französischen Nationalfestes kommt es in Paris zu einer Protestkundgebung gegen die Anwesenheit des spanischen Diktators Miguel Primo de Rivera. Gegenkundgebungen führen zu tätlichen Auseinandersetzungen.

14.7.1926

Zum ersten Mal in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche hat eine Frau eine Stelle als Beamtin beim Vatikan erhalten. Crostarossa Ocipioni ist zur Bibliothekarin im Vatikan ernannt worden.

15.7.1926

Die Göttinger Universitätsbibliothek hat die Handschrift des Gedichtes "Lenore" von Gottfried August Bürger von einer Prager Buchhandlung für 5000 Reichsmark (RM) erworben.

16.7.1926

In Belgien tritt ein Ermächtigungsgesetz in Kraft, das dem belgischen König besondere Vollmachten zur Stützung des belgischen Franc verleiht.

16.7.1926

Die deutsch-belgisch-luxemburgischen Grenzverhandlungen schließen in Aachen mit einem Abkommen über Erleichterungen im kleinen Grenzverkehr zwischen den drei Ländern.

16.7.1926

Nach dem Rücktritt der Regierung Prüm im Juni ist in Luxemburg eine neue Regierung gebildet worden; Ministerpräsident wird Joseph Bech. Die Sozialisten lehnen die Mitarbeit an einer bürgerlichen Regierung ab.

16.7.1926

Die Oberprüfstelle Berlin verbietet zum zweiten Mal die Vorführung des sowjetischen Revolutionsfilms "Panzerkreuzer Potemkin" von Sergei M. Eisenstein.

17.7.1926

Das französische Kabinett Aristide Briand stürzt bei einer Abstimmung über ein Gesetz zur Behebung der Finanzkrise.

17.7.1926

Vom 17. bis zum 20. Juli findet in Wien ein Wehrwetturnen von Teilnehmern aus Österreich, dem Deutschen Reich und dem Sudetenland statt.

18.7.1926

Die Heuschreckenplage in der Sowjetunion, die den Ernteertrag gefährdet, wird mit Giftgas und Feuer bekämpft. Eine Heuschreckenkolonne von 6,5 km Länge und 4 km Breite bewegt sich auf Sewastopol zu.

18.7.1926

Der finnische Leichtathlet Paavo Yrjölä stellt in Viipuri (Finnland) mit 6651 Punkten einen Weltrekord im Zehnkampf auf.

19.7.1926

Truppen der chinesischen Kanton-Regierung unter Chiang Kai-shek beginnen einen Feldzug nach Norden, um China zu einigen.

19.7.1926

Athanasios Evtaxias wird neuer Ministerpräsident von Griechenland. Er löst Theodoros Pangalos ab, der am 4./11. April zum Präsidenten gewählt worden war. Pangalos behält das Recht, politische Streitfragen durch Dekrete zu regeln.

19.7.1926

Die Regierung von Abessinien (heute Äthiopien) protestiert in einer Note an den Völkerbund in Genf gegen das italienisch-britische Abkommen, das Konzessionen zum Bau von Straßen und Staudämmen auf abessinischem Gebiet erteilt.

19.7.1926

Der tschechoslowakische Außenminister Eduard Bene verzichtet auf sein Abgeordnetenmandat, bleibt aber Mitglied seiner Partei, den linksbürgerlichen National-Sozialisten. Der Konflikt zwischen Bene und seiner Partei war ausgebrochen, nachdem die National-Sozialisten aus der bürgerlichen Koalitionsregierung ausgetreten waren.

19.7.1926

Der neue österreichische Unterrichtsminister Anton Rintelen zieht den Erlass seines Vorgängers, Emil Schneider, zurück, der eine stärkere Betonung der religiösen Erziehung gefordert hat. Damit ist der Konflikt zwischen der christlichsozialen Regierung und der sozialdemokratischen Opposition beigelegt.

19.7.1926

Der Radikalsozialist Edouard Herriot bildet ein neues französisches Kabinett, er wird Ministerpräsident und Außenminister. Da er jedoch nicht das Vertrauen des Parlaments gewinnt, tritt er am 21. Juli zurück. Am 23. Juli stellt Raymond Poincaré sein neues Kabinett vor.

20.7.1926

Die 120 Flugzeuge der Deutschen Lufthansa fliegen täglich 75 Flughäfen an, 15 davon liegen im Ausland.

21.7.1926

Im Deutschen Reich (ohne Saargebiet) leben nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 62 410 619 Einwohner, 30,2 Millionen Männer und 32,2 Millionen Frauen.

21.7.1926

In Paris wird eine Konferenz der Bergarbeiterinternationale eröffnet, die bis zum 25. Juli dauert. Die Delegierten werfen dem britischen Bergarbeiterverband vor, während des Streiks Geldzuwendungen von sowjetischen Gewerkschaften angenommen zu haben.

22.7.1926

Das britische Unterhaus nimmt in dritter Lesung das Budget für 1926/27 an. Es entspricht mit umgerechnet 16 Milliarden Reichsmark dem des Vorjahrs und sieht die Einführung neuer Steuern, u.a. von Wettsteuern, vor.

22.7.1926

Die Mönche und der Abt des spanischen Klosters Montserrat stehen unter dem Verdacht, katalanische Separatisten zu sein, u.a., weil im Kloster eine Übersetzung der Bibel in die katalanische Sprache angefertigt wird. Der Abt hat der Polizei unter Hinweis auf das Kirchenrecht eine Durchsuchung der Klosterzellen verweigert.

23.7.1926

Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der deutschen Reichsregierung findet die Zustimmung der Länder. Vorgesehen sind der Ausbau der Verkehrswege und der Bau neuer Wohnungen. Die Förderungsmaßnahmen sollen in Bezirken mit hoher Arbeitslosigkeit vorgenommen werden.

23.7.1926

Die Deutsche Lufthansa erprobt die Flugverbindung in den Fernen Osten. Zwei Maschinen fliegen von Berlin über Moskau nach Peking. Sie kehren am 26. September zurück. Für die etwa 20 000 km lange Strecke haben sie 140 Flugstunden gebraucht.

24.7.1926

Die britischen Bischöfe, die an den letzten gescheiterten Bemühungen im Bergarbeiterstreik zu vermitteln, beteiligt waren, rufen die britische Regierung dazu auf, neue Verhandlungen mit den Gewerkschaften einzuleiten.

24.7.1926

Die Hitzewelle in den USA hat mehrere Hundert Todesopfer gefordert; allein in Boston sind 60 Menschen gestorben, in New York 50.

24.7.1926

Ein Gewitter zwingt ein Flugzeug der Deutschen Lufthansa in der Nähe der Insel Juist zu einer Notlandung, bei der alle fünf Insassen ums Leben kommen.

25.7.1926

Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) veröffentlicht den Beschluß, Grigori J. Sinowjew aus dem Politbüro des Zentralkomitees abzuberufen.

25.7.1926

Die Reichspartei des Deutschen Mittelstandes, die Wirtschaftspartei, gibt sich auf ihrem 6. Parteitag in Görlitz (24.- 26.7.) ein Programm. Es sieht u.a. die Beseitigung der indirekten Steuern vor, die Senkung der Einkommenssteuer und die Privatisierung der Staatsbetriebe.

25.7.1926

Auf dem 6. Donaueschinger Kammermusikfest (seit 24.7.) werden Kompositionen für mechanische Instrumente von Paul Hindemith uraufgeführt.

26.7.1926

Die antiamerikanische Propaganda in Großbritannien und in Frankreich, die mit der ungeklärten Frage der Rückzahlung der Kriegssschulden zusammenhängt, verstärkt die US-amerikanische Haltung, sich aus Europa zurückzuziehen. Vor allem eine Karikatur in der Londoner Daily Mail, die Onkel Sam (Symbol für die USA) als Onkel Shylock (Titelfigur in Shakespeares Drama "Der Kaufmann von Venedig") zeigt, hat die Beziehungen verschlechtert.

26.7.1926

Zum 70. Geburtstag des Schriftstellers George Bernard Shaw veranstalten die Sozialisten ein Festessen.

27.7.1926

Die Sitzung der Deputiertenkammer, auf der neue französische Ministerpräsident, Raymond Poincaré, sein Kabinett vorstellt und seine Regierungserklärung abgibt, wird von Tumulten der linken Parteien unterbrochen.

27.7.1926

Zum ersten Mal wird im Deutschen Reich ein Lehrauftrag für Friedensforschung vergeben, den Walter Schücking erhält.

28.7.1926

In der Schweiz geht auf dem Furka- und dem Grimsel-Paß ein Schneesturm nieder.

28.7.1926

In Berlin wird der Film "Das deutsche Mutterherz" von Geza von Bolvary uraufgeführt. Der Schauspieler Heinz Rühmann debütiert in diesem Film in der Rolle eines deutschen Spions im Weltkrieg.

29.7.1926

Die Freie Stadt Danzig wird vom Völkerbund eine Anleihe zum Ausbau des Hafens erhalten.

29.7.1926

Die Berliner Illustrirte stellt ein in Hufeisenform angelegtes Siedlungsprojekt des Architekten Bruno Taut vor. Es entsteht in Berlin-Britz und soll über 2800 Wohnungen enthalten.

30.7.1926

Der britische Geistliche Stanley Russel hat in einer Londoner Kirche eine Kinderkundgebung für den Frieden veranstaltet.

30.7.1926

In Hamburg wird im Rahmen einer Kolonialausstellung der Film "Ich hatt' einen Kameraden" von Conrad Wiene uraufgeführt.

31.7.1926

In Mexiko tritt ein neues Kirchengesetz in Kraft, das u.a. die Umwandlung des Kirchengutes in Staatseigentum vorsieht.

31.7.1926

Im Ruhrgebiet ist zum ersten Mal pro Tag mehr Kohle gefördert worden als vor dem Weltkrieg.

1.8.1926

Die Außenminister von Polen, Lettland, Estland und Finnland sagen eine für August geplante Konferenz ab. Die Absage dient vermutlich dazu, den sowjetischen Verdacht abzuwehren, die Staaten planten einen Zusammenschluß unter polnischer Führung.

1.8.1926

In Barcelona scheitert ein Attentatsversuch des Anarchisten Domingo Masacho Torrente auf den spanischen Ministerpräsidenten Miguel Primo de Rivera.

1.8.1926

In Assisi (Italien) beginnen die Feierlichkeiten zum 700. Todestag von Franz von Assisi ( 3.10.1226).

1.8.1926

Ein neues Gesetz in der Sowjetunion legt fest, dass die Landwirte ihre Steuern in Geld und nicht mehr in Naturalien entrichten müssen.

1.8.1926

34 Goldmünzen aus dem 2. bis 4. Jahrhundert v. Chr. sind aus dem Victoria-and-Albert-Museum in London gestohlen worden. Sie gehören zu den kostbarsten Münzen der Welt und haben einen Wert von etwa zehn Millionen Goldmark. Wenige Tage später werden 20 der Münzen wieder aufgefunden.

1.8.1926

In Berlin findet die Uraufführung der Operette "Yvonne" von Hugo Hirsch statt. Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Graf, der, um seinen Gläubigern zu entgehen, zum Schein eine arme junge Frau heiratet und sich dann in sie verliebt.

1.8.1926

Victor Linart (Belgien) gewinnt in Turin die Rad-Weltmeisterschaften der Steher. Linart siegt zum dritten Mal bei Weltmeisterschaften.

2.8.1926

Der italienische Ministerrat verfügt Einschränkungen im Verbrauch von Lebensmitteln. Ein Einheitsbrot wird eingeführt, das zu 80 bis 85% aus reinem Weizenmehl besteht. Der Verkauf von Süßigkeiten, die aus Weizenmehl hergestellt sind, wird verboten.

2.8.1926

Das Deutsche Friedenskartell fordert die Reichsregierung auf, das Kleinkaliberschießen zu verbieten, die Kleinkaliber-Schützenvereine aufzulösen und die Organisationen, die mit Kleinkaliber-Gewehren ausgerüstet sind, zu entwaffnen.

2.8.1926

Der Sejm, die zweite Kammer des polnischen Parlaments, beschließt eine Verfassungsänderung der Republik Polen, die Stellung des Staatsoberhauptes wesentlich stärkt.

3.8.1926

Der französische Tennisstar Suzanne Lenglen wechselt ins Profilager. Für 100 000 Dollar wird Lenglen im September eine viermonatige Tennisreise durch die USA unternehmen.

3.8.1926

Die Berliner Verkehrspolizei hat beschlossen, ihre Beamten nach und nach in der Verkehrsregelung auszubilden.

4.8.1926

Der Landtag von Braunschweig beschließt, den Bau des Mittellandkanals fortzusetzen, und regelt die Kostenübernahme. Der Kanal ist vor dem Weltkrieg nur bis Peine gebaut worden.

4.8.1926

Auf dem Deutschen Studententag in Bonn loben die Redner das Verhalten der Studenten der Technischen Hochschule Hannover gegenüber dem Philosophieprofessor Theodor Lessing und weisen die Berichte über tätliche Angriffe auf den Professor als Übertreibungen zurück.

5.8.1926

Der britische Bergarbeiterverband hat an die Bergarbeiterorganisationen aller Länder appelliert, die seit Mai streikenden Bergarbeiter wenigstens noch für vier weitere Wochen finanziell zu unterstützen.

5.8.1926

Das Deutsche Reich und Frankreich schließen ein vorläufiges Wirtschaftsabkommen und eine Vereinbarung über einen Warenaustausch zwischen dem Reich und dem Saargebiet.

6.8.1926

Die polnische Regierung erweitert die Funktionen des Generalinspekteurs der Armee; dieses Amt übt zur Zeit Marschall Jósef Klemens Pi l sudski aus, der im Mai die Regierung gestürzt hat. Der Generalinspekteur erhält das Oberkommando in Krieg und Frieden und entscheidet über alle wichtigen Personalfragen.

7.8.1926

Die rechtsgerichteten Wehrverbände Stahlhelm, Wehrwolf, Wiking, Reichsflagge und Jungdo haben sich angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen zusammengeschlossen und fordern die rechtsgerichteten bürgerlichen Parteien auf, ihrem Bündnis beizutreten. Hinter der Aktion steht der ehemalige Marineoffizier und Führer eines Freikorps, Hermann Ehrhardt. Die Parteien lehnen ein solches Bündnis jedoch ab.

7.8.1926

Die US-Amerikanerin Gertrud Ederle durchschwimmt als erste Frau den Ärmelkanal. Sie braucht 14:32 Stunden und stellt damit einen Weltrekord auf.

8.8.1926

Die deutsche Reichsregierung hat die Regierungen von Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien und den USA aufgefordert, die Stärke der alliierten Truppen im Rheinland von 85 000 auf 50 000 herabzusetzen.

8.8.1926

Der Berliner Magistrat beschließt den "Totentanz" in der Marienkirche, eins der bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerke der Stadt, restaurieren zu lassen.

9.8.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg spricht sich gegenüber Reichskanzler Wilhelm Marx erneut dafür aus, vor einem zweiten Aufnahmegesuch an den Völkerbund die Herabsetzung der Truppenstärke der alliierten Besatzungsmächte im Rheinland sicherzustellen.

9.8.1926

Der ehemalige französische Ministerpräsident Georges Clemenceau tritt in einem offenen Brief an den Präsidenten der USA, Calvin Coolidge, dafür ein, dass die Vereinigten Staaten Frankreich die Kriegsschulden erlassen sollten.

9.8.1926

In Pretoria ist ein Flaggenkomitee gegründet worden, das dafür eintritt, den britischen Union Jack, die Fahne der ehemaligen Kolonialmacht, in die zukünftige Nationalflagge der Südafrikanischen Union einzubeziehen. Das Komitee steht im Gegensatz zu dem Plan der Regierung, den Union Jack als Symbol der militärischen Unterwerfung auszuschalten.

10.8.1926

Die britischen Bergarbeiter lehnen in einer Urabstimmung den Vermittlungsvorschlag der Bischöfe im Arbeitskonflikt ab. Der Vorschlag hat die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit zu den Bedingungen vor Ausbruch des Streiks vorgesehen.

10.8.1926

Italien und Spanien schließen einen Freundschaftsvertrag, beide Staaten sichern sich Neutralität im Falle eines Angriffs zu.

10.8.1926

Der ehemalige Deutsche Kaiser Wilhelm II. hat in Kapstadt einen Prozeß verloren, in dem er auf die Rückgabe seiner Farmen in Südafrika klagte, die aufgrund des Versailler Vertrags konfisziert worden waren.

10.8.1926

Bei einer nächtlichen Schießübung deutscher Torpedoboote in der Ostsee wird der dänische Segler "Sigrid" von einem Torpedo getroffen und sinkt. Die Mannschaft des Seglers rettet sich auf das Torpedoboot.

11.8.1926

In der Festrede zum Jahrestag der Verabschiedung der Weimarer Verfassung im Deutschen Reichstag bekennt sich Innenminister Wilhelm Külz zur republikanischen Staatsform.

11.8.1926

Im Anschluß an die Feier zum Jahrestag der Verabschiedung der Weimarer Verfassung in der Frankfurter Paulskirche wird ein Ehrenmal für den ersten deutschen Reichspräsidenten, Friedrich Ebert, enthüllt.

12.8.1926

Das Deutsche Reichskabinett beschließt, sich erneut um den Eintritt des Reiches in den Völkerbund zu bemühen. Es lehnt ein Junktim zwischen Völkerbund-Beitritt und vorhergehender Rheinlandräumung ab.

12.8.1926

In einer Munitionsfabrik auf der Donauinsel Csepel bei Budapest ereignet sich ein schweres Explosionsunglück. Das Feuer zerstört einen großen Teil der Fabrikanlagen.

12.8.1926

Die Gobelinsammlung der Könige von Spanien, eine der schönsten und kostbarsten der Welt, soll der Öffentlichkeit in einem Museum im Schloss von Aranjuez, südlich von Madrid, zugänglich gemacht werden.

12.8.1926

Im Hamburger Stadtpark wird das Heinrich-Heine-Denkmal von dem Bildhauer Hugo Lederer enthüllt. Die Rede zu diesem Anlaß hält der Kritiker Alfred Kerr.

13.8.1926

Französische Truppen haben erneut einen Aufstand in Damaskus und Umgebung niedergeschlagen.

13.8.1926

Ein Zugunglück in der Nähe von Langenbach (Bayern) fordert zwölf Todesopfer.

13.8.1926

Die beiden Verlage Paul und Bruno Cassirer werden nach 25 Jahren wieder vereinigt.

13.8.1926

Anlässlich des 50. Jahrestages der Eröffnung der Bayreuther Festspiele lässt die Stadt Bayreuth Kränze an den Gräbern von Richard Wagner, Franz Liszt und Hans Richter niederlegen. Eine offizielle Feier im Festspielhaus findet nicht statt.

14.8.1926

Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, ein an der Sozialdemokratie orientierter politischer Kampfverband, feiert in Nürnberg den Jahrestag der Verabschiedung der Weimarer Verfassung.

14.8.1926

In Frankfurt am Main wird die erste Deutsche Photographie-Ausstellung nach dem Ende des Weltkriegs eröffnet.

15.8.1926

Die ersten Berliner Selbstwähltelefone werden in Betrieb genommen; Teilnehmer in Lichterfelde und Wannsee benötigen nicht mehr die Vermittlung durch ein Amt.

15.8.1926

Die Alte Mainbrücke, die Frankfurt mit Sachsenhausen verbindet, wird nach zwölfjähriger Umbauzeit dem Verkehr übergeben. Die Frankfurter feiern das Ereignis mit einem Volksfest.

16.8.1926

Der spanische Ministerpräsident, Miguel Primo de Rivera, stellt die Forderung auf, dass die marokkanische Hafenstadt Tanger in die spanische Marokkozone einbezogen werden soll. Tanger untersteht seit 1923 einer internationalen Kontrolle.

16.8.1926

Die amerikanischen Behörden nehmen an der kalifornisch-mexikanischen Grenze zwei mexikanische Offiziere und 150 bewaffnete Leute fest, die in Mexiko einen Putschversuch unternehmen wollten. Sie sind Anhänger des ehemaligen mexikanischen Präsidenten Adolfo de la Huerta.

16.8.1926

Der sowjetische Politiker Lew Kamenew ist als Volkskommissar für Innen- und Außenhandel abgesetzt worden. Kamenew gehört der Opposition gegen Josef Stalin an.

17.8.1926

Das Deutsche Reich und Polen unterzeichnen in Oppeln ein Abkommen, das die Grenzstrecke der Oder regelt.

17.8.1926

Die Prager Polizeidirektion hat die Bildung von Organisationen verboten, die nach militärischem Vorbild aufgebaut sind, d. h. von faschistischen Organisationen. Das Auftreten derartiger Verbände hat in letzter Zeit zur Störung von Ruhe und Ordnung geführt.

17.8.1926

Griechenland und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) schließen in Athen einen Friedens- und Freundschaftsvertrag sowie ein Verkehrsabkommen. Die Belgrader Regierung überträgt Griechenland ihre Rechte an den Orientbahnen. Das jugoslawische Freigebiet in Saloniki wird vergrößert.

18.8.1926

Abd Al Asis Ibn Saud, König des Nadschd und Hedschas (heute Saudi-Arabien), und Jahia Muhammad, Imam des Jemen, schließen in Mekka einen Freundschaftsvertrag. Er bedeutet einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem großarabischen Reich.

18.8.1926

Zwischen Meinersen und Leiferde entgleist ein D-Zug Berlin- Hannover. Das Unglück fordert 21 Todesopfer und ist durch einen Anschlag verursacht worden.

18.8.1926

In Bonn wird ein Institut für geistig und seelisch behinderte Kinder eröffnet. Die Leitung übernimmt der Professor für Psychiatrie und Neurologie, Otto Löwenstein.

18.8.1926

Im Berliner Admiralspalast findet die Uraufführung der witzig-schwungvollen Revue "An und aus" von Hermann Haller statt. Die Musik komponierte u.a. Walter Kollo, das Bühnenbild stammt von dem Maler Ludwig Kainer.

19.8.1926

Ruth Fischer, Arkadij Maslow und Karl Tiedt werden vom Zentralkomitee der KPD aus der Partei ausgeschlossen. Ihnen wird der Versuch der Spaltung der Partei vorgeworfen. Ruth Fischer und Arkadij Maslow haben bereits 1925 ihre Positionen im Vorstand der KPD wegen ultralinker Auffassungen verloren.

19.8.1926

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann hält vor der Heidelberger Goethegesellschaft einen Vortrag über "Goethe und die Freiheitskriege".

19.8.1926

Der umgebaute Ufa-Palast am Zoo in Berlin wird mit der Uraufführung des Films "Wie einst im Mai" von Willi Wolff eröffnet. Der Film zeigt die verwickelten Liebesgeschichten zwischen den Angehörigen zweier Familien von 1849 bis 1926.

20.8.1926

In den Bezirken Nottinghamshire und Derbyshire ist der Arbeitskampf im britischen Bergbau beigelegt. Die Arbeiter haben ein Abkommen mit den Arbeitgebern abgeschlossen, das die alten Lohnsätze bei einer siebeneinhalbstündigen Arbeitszeit vorsieht.

20.8.1926

Der französische Ministerrat billigt die vom Kabinett beschlossenen Maßnahmen gegen die Teuerung, sie sehen u.a. vor, dass in den Restaurants nur noch zwei Gänge angeboten werden und der Verbrauch von frisch gebackenem Brot eingeschränkt wird.

20.8.1926

Im Rahmen der Salzburger Festspiele (7.8.- 29.8.) findet die erste Vorstellung in der Felsenreitschule statt: Max Reinhardt inszeniert die Komödie "Der Diener zweier Herren" von dem italienischen Dichter Carlo Goldoni.

21.8.1926

Die Gespräche zwischen dem Deutschen Reich und Belgien über eine Rückgabe von Eupen-Malmedy an das Deutsche Reich sind vorläufig gescheitert. Das belgisch-deutsche Grenzgebiet ist 1920 nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags an Belgien gefallen.

21.8.1926

Die französische Regierung hat dem Ersuchen einer niederländischen Reisegesellschaft entsprochen, die Besatzung vom Schloss Oranienstein bei Diez an der Lahn zurückzuziehen. Oranienstein gehörte einst den dem niederländischen Herrscherhaus verwandten Fürsten von Nassau-Diez und ist im Zug der Rheinlandbesetzung mit Truppen besetzt worden.

21.8.1926

In Breslau beginnt der 65. Deutsche Katholikentag (bis 24.8.). Die Redner sprechen sich dafür aus, in Gebieten, in denen die Bevölkerung es wünscht, konfessionelle Schulen einzurichten.

22.8.1926

General Georgios Kondylis stürzt durch einen unblutigen Putsch den griechischen Diktator Theodoros Pangalos.

22.8.1926

Bei Johannesburg in Südafrika sind riesige Diamantenfelder entdeckt worden. Mehr als 50 000 Menschen strömen zu den neuen Funden.

22.8.1926

In den USA wird der Film "Battling Butler" ("Der Killer von Alabama"/"Der Boxer") von und mit Buster Keaton uraufgeführt.

23.8.1926

Die US-amerikanische Regierung will zwölf Millionen Dollar für den Kauf neuer Marineflugzeuge ausgeben, die Luftrüstung soll um 282 Flugzeuge vermehrt werden.

23.8.1926

In Königsberg in Ostpreußen wird die 13. Deutsche Ostmesse eröffnet, sie ist mit einer Landwirtschaftsschau verbunden.

23.8.1926

Der italo-amerikanische Schauspieler Rudolph Valentino stirbt im Alter von 31 Jahren.

24.8.1926

Als erstes südamerikanisches Land hat Uruguay die Sowjetunion diplomatisch anerkannt.

24.8.1926

Max Schmeling wird in Berlin Deutscher Halbschwergewichtsmeister im Boxen. Durch K. o. in der ersten Runde besiegt er Max Dieckmann.

25.8.1926

Alle Parteiführer Griechenlands erkennen Pavlos Konduriotis als neuen Staatspräsidenten an. Konduriotis erklärt, dass nach dem Sturz von Theodoros Pangalos die Diktatur in Griechenland beendet sei.

25.8.1926

In Berlin ist der größte Hoteltrust Europas entstanden, als das Bankhaus Gebrüder Arnhold die Aktienmajorität der Hotelbetriebsgesellschaft übernommen hat.

26.8.1926

Die Verhandlungen zwischen Italien und Ägypten über die Oase Dscharabub in Ägypten, die Italien im Februar besetzt hat, sind gescheitert. Die italienischen Ansprüche auf die Oase gehen auf einen Vertrag zwischen Großbritannien und Italien von 1919 zurück. Nachdem Ägypten die Unabhängigkeit erhalten hat (1922), hat sich Großbritannien, die frühere Kolonialmacht in Ägypten, auf den Standpunkt gestellt, Italien müsse mit Ägypten über das strittige Gebiet verhandeln.

26.8.1926

Ein Gericht in Ankara, der Hauptstadt der Türkei, verurteilt vier Mitglieder der Jungtürkischen Bewegung, denen die Beteiligung am Komplott gegen den türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal Pascha (Kemal Atatürk) vorgeworfen wird, zum Tod. Das Urteil wird noch in der Nacht vollstreckt.

26.8.1926

Die spanische Regierung erklärt in einer Note an Paris, London, Rom und Washington, dass sie auf einen ständigen Ratssitz im Völkerbund verzichtet, wenn sie ein Völkerbundmandat über die marokkanische Hafenstadt Tanger erhält. Tanger steht unter internationaler Kontrolle.

27.8.1926

Im Berliner Gloria-Palast wird der Film "Im weißen Rössl" mit Liane Haid unter der Regie von Richard Oswald uraufgeführt.

27.8.1926

Vom 27. bis 29. August finden die Leichtathletik-Weltfestspiele der Frauen in Göteborg statt.

28.8.1926

Die Sowjetunion unterbreitet der lettischen und der polnischen Regierung ein Angebot, sofort über den Abschluß eines Garantievertrages zu verhandeln. Die UdSSR hat bereits Finnland und Estland einen Garantievertrag angeboten.

28.8.1926

Ein Wirbelsturm in Oberschlesien hat schwere Verwüstungen angerichtet. Die Dächer vieler Häuser sind abgedeckt, Hunderte von Bäumen geknickt und zahlreiche Telefonleitungen zerstört.

29.8.1926

In Nürnberg findet der von rechten Verbänden organisierte Gedenktag für Heer und Marine statt.

29.8.1926

Die Leipziger Herbstmesse wird eröffnet (bis 1.9.). Gegenüber der Frühjahrsmesse ist die Zahl der Teilnehmer nochmals rückläufig, von 11 000 auf 8000.

29.8.1926

Beim Großen Preis von Deutschland für Motorräder auf der Berliner Avus gewinnen die deutschen Fahrer vier von sechs Rennen.

30.8.1926

Der deutsche Meisterschwimmer Ernst Vierkötter durchschwimmt den Ärmelkanal in der Rekordzeit von 12:42 Stunden.

31.8.1926

Das Deutsche Reich gibt bekannt, vom 1. September 1924 bis zum 31. August 1926, den beiden ersten Jahren des Dawes-Plans, Reparationssachlieferungen im Wert von über einer Million Reichsmark (RM) geleistet zu haben.

31.8.1926

Das Repräsentantenhaus der Philippinen hat einen Gesetzesentwurf angenommen, der eine Volksabstimmung zur Frage der Unabhängigkeit der Inselgruppe vorsieht. Die Philippinen gehören seit 1898 zu den Vereinigten Staaten.

1.9.1926

Für die Grenzübertritte zwischen dem Deutschen Reich und Luxemburg entfällt der Visumzwang.

1.9.1926

Die deutsche IG Farben übernimmt die Erdöl- und Kohleverwertung AG und wird damit zur größten deutschen Aktiengesellschaft.

1.9.1926

Die Entgleisung des Postzugs Barcelona- Valencia in der Nähe von Tortosa fordert 24 Todesopfer. Ein Erdrutsch der durch starke Regengüsse hervorgerufen worden ist, hat das Unglück verursacht.

1.9.1926

Zum ersten Mal im Deutschen Reich wird auf der Radrennbahn in Hannover Fußball bei künstlicher Beleuchtung gespielt. Das Spiel zwischen der türkischen Elf aus Konstantinopel (Istanbul) und einer Mannschaft aus Braunschweig und Hannover endet 2:2.

2.9.1926

Das iranische Kabinett unter Ministerpräsident Mirza Hasan Chan tritt zurück. Die Stellung der im Mai gewählten Regierung ist durch Militärrevolten in Südpersien und Khorassan erschüttert. Am 28. September stellt Mirza Hasan Chan ein neues Kabinett vor.

2.9.1926

Im Ufa-Palast am Zoo in Berlin findet die Uraufführung des Stummfilms "Die Boxerbraut" statt; in diesem Film erzielt Willy Fritsch einen seiner ersten Filmerfolge.

3.9.1926

Die Regierung der Freien Stadt Danzig beschließt ein Programm zur Sanierung der Finanzen. Es sieht die Aufnahme einer Staatsanleihe in Höhe von 60 Millionen Gulden (der Danziger Währung), die Kürzung der Beamtengehälter und einen Zuschlag zur Einkommensteuer vor.

3.9.1926

Der Reichsverband der Deutschen Industrie fordert auf einer Tagung in Dresden (bis 4.9.) die Senkung der indirekten Steuern. Der Vorschlag einiger Industrieller, zur Förderung der Wirtschaft mit der Sozialdemokratie zusammenzuarbeiten, stößt bei anderen auf vehemente Kritik.

3.9.1926

In Berlin wird mit der Eröffnung der Dritten Deutschen Funkausstellung (3.9.- 12.9.) der 138 m hohe Funkturm eingeweiht.

4.9.1926

Der Völkerbundsrat in Genf beschließt, das Deutsche Reich nach seinem Eintritt in den Völkerbund zum ständigen Mitglied des Rates zu ernennen und die Zahl der nicht-ständigen Sitze auf neun zu erhöhen. Die Völkerbundsversammlung nimmt diesen Beschluß am 8. September an.

4.9.1926

Eine Explosion in einer Kohlengrube in Tahoka (Texas, USA) fordert 16 Todesopfer.

4.9.1926

Das Drama "Cromwell" des deutschen Dichters Klabund (eigtl. Alfred Henschke) wird im Berliner Lessing-Theater uraufgeführt. Regie führt Karl-Heinz Martin, einer der bedeutenden expressionistischen Regisseure.

5.9.1926

Zwischen der Sowjetunion und der chinesischen Regierung in der Mandschurei ist erneut ein Konflikt wegen der chinesischen Ostbahn ausgebrochen. Die Chinesen haben Warenlager und Schiffe, die zur unter sowjetischer Verwaltung stehenden chinesischen Ostbahn gehören, beschlagnahmt.

5.9.1926

Britische Kanonenboote und chinesische Truppen unter Wu Pei-fu liefern sich am Oberlauf des Jangtsekiang ein Gefecht. Die Briten werden zum Rückzug gezwungen. Der Konflikt ist ausgebrochen, weil die Chinesen zwei Handelsdampfer beschlagnahmt haben.

5.9.1926

Die Entgleisung des Ausflugzugs "Scenic Special" zwischen Salt Lake City und Denver (USA) fordert 15 Todesopfer. Mehrere Wagen sind in den Arkansas River gestürzt.

6.9.1926

In Spanien ist der Belagerungszustand verhängt worden, alle Artillerieoffiziere mit Ausnahme derjenigen, die in der Kolonie Marokko stationiert sind, werden aus dem Heer ausgestoßen. Die Artillerieoffiziere haben gegen die neuen Beförderungsmaßnahmen rebelliert. Am 7. September ist die Ruhe wiederhergestellt.

6.9.1926

Im Londoner Hyde-Park ist eine Verkehrsregelung für Reiter eingeführt worden: Es dürfen nur noch vier Personen nebeneinander reiten.

7.9.1926

Ein Taifun in Japan hat beträchtliche Schäden angerichtet, mehr als 30 Menschen sind gestorben.

7.9.1926

Zur Eröffnungsfeier des restaurierten Bechstein-Saals nahe dem Potsdamer Platz in Berlin singt Julia Culp Lieder von Franz Schubert und Johannes Brahms. Den Umbau hat der Architekt Oskar Kaufmann geleitet, einer der führenden Baumeister auf dem Gebiet des Theaterbaus.

7.9.1926

Die europäische Uraufführung des Films "Ben Hur" von Fred Niblo findet im Ufa-Pavillon am Nollendorfplatz in Berlin statt.

8.9.1926

Die Truppen der nationalchinesischen Kanton-Regierung unter Chiang Kai-shek sind bis zum Jangtsekiang vorgedrungen. In der Stadt Hanjang haben sie das größte Waffenarsenal Chinas erobert.

8.9.1926

Die Kriminalpolizei von Hannover hat Willi Weber und Otto Schlesinger festgenommen, denen der Anschlag auf den D-Zug Berlin- Köln bei Leiferde vorgeworfen wird. Beide haben ein Geständnis abgelegt. Sie werden am 4. November zum Tod verurteilt.

9.9.1926

In Athen wird ein Putschversuch der republikanischen Garde niedergeschlagen. Die republikanische Garde hat die Herrschaft des abgesetzten Diktators Theodoros Pangalos gestützt.

9.9.1926

Die Komödie, ein neues Kammerspielhaus in Dresden, wird mit dem Stück "Man kann nie wissen" des britischen Schriftstellers George Bernard Shaw eröffnet. Direktorin der neuen Bühne ist Hermine Körner.

9.9.1926

Die Gemeinde Feldafing am Starnberger See stellt in den Parkanlagen beim Ort ein Denkmal für Kaiserin Elisabeth von Österreich auf. Die Kaiserin hatte oftmals während des Sommers in Feldafing geweilt. Die Gemeinde hat das Denkmal von der tschechischen Stadt Franzensbad erhalten.

10.9.1926

Das Deutsche Reich wird in den Völkerbund aufgenommen. Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann hält vor der Völkerbundsversammlung in Genf eine vielbeachtete Antrittsrede.

10.9.1926

Das Koblenzer Abkommen zwischen dem Deutschen Reich und den Besatzungsmächten sichert den deutschen Bewohnern in den rheinischen Gebieten Amnestie für Straftaten zu, die während der Besatzungszeit begangen worden sind. Ausgenommen sind Straftaten des allgemeinen Rechts und Spionage.

10.9.1926

Der Franzose Georges Michel stellt einen neuen Rekord im Durchschwimmen des Ärmelkanals auf: Er benötigt 11:06 Stunden.

10.9.1926

In der Komischen Oper in Berlin wird die Rokoko-Operette "Adrienne" von Walter W. Goetze uraufgeführt. Die Operette spielt im 18. Jahrhundert und behandelt die Liebesgeschichte zwischen der Schauspielerin Adrienne Lecouvreur und Moritz von Sachsen.

11.9.1926

Der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini entgeht in Rom einem Bombenattentat des Anarchisten Ermete Giovannini. Weil der Attentäter als Emigrant in Frankreich gelebt hat, kommt es zu italienisch-französischen Presseangriffen gegen die Emigranten. Italien fordert die Auslieferung bzw. Überwachung der Emigranten.

11.9.1926

Spanien erklärt seinen Austritt aus dem Völkerbund, der Schritt hängt damit zusammen, dass der Völkerbund nicht über die Tanger-Frage verhandeln will. Spanien hat verlangt, die seit 1912 internationalistische marokkanische Hafenstadt Tanger seiner Marokkozone anzugliedern.

11.9.1926

Die Räume mit den Möbeln des bayerischen Königs Ludwig II. im Münchner Residenz-Museum werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

11.9.1926

Der deutsche Läufer Otto Peltzer schlägt den Finnen Paavo Nurmi und den Schweden Edvin Wide in Berlin über 1500 m in der Weltrekordzeit von 3:51,0 Minuten.

11.9.1926

Erwin Piscators gegenwartsbezogene Inszenierung der "Räuber" von Friedrich Schiller hat im Berliner Schauspielhaus Premiere. Spiegelberg trägt die Züge des russischen Revolutionärs Leo Trotzki.

12.9.1926

In seinen Memoiren, die in der französischen Zeitung "Echo de Paris" veröffentlicht werden, sagt der Führer des marokkanischen Aufstands gegen Frankreich und Spanien, Abd El Krim, dass er nur über 3800 reguläre Soldaten verfügt habe.

13.9.1926

Bei einer nicht geheim durchgeführten Volksabstimmung in Spanien sprechen sich sechs Millionen der 22,1 Millionen Einwohner für die Diktatur aus.

14.9.1926

Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky äußert sich in der Zeitschrift "Weltbühne" skeptisch zur republikanischen Gesinnung im Deutschen Reich; er hält den Sieg des republikanischen Gedankens für "eine optische Täuschung".

14.9.1926

Ein Internationaler Freimaurerkongress tagt in Belgrad. Die Freimaurer bekennen sich zum Frieden und zur Wiederherstellung der internationalen Eintracht.

15.9.1926

Bei den Unterhauswahlen in Kanada erreicht die Liberale Partei die meisten Stimmen, sie erhält 116 der 245 Mandate. Am 25. September tritt der neue Ministerpräsident William Lyon Mackenzie King sein Amt an.

15.9.1926

Heinz Tietjen wird Generalintendant der staatlichen preußischen Opernhäuser.

15.9.1926

Der deutsche Schriftsteller Klaus Mann liest in Berlin aus Werken, die 1926 veröffentlicht werden: "Tanzpantomime" (später "Der fromme Tanz") und "Kindernovelle".

16.9.1926

Die Völkerbundsversammlung in Genf wählt die neun nicht-ständigen Mitglieder des Völkerbundsrates. Sitze erhalten Kolumbien, Polen, Chile, El Salvador, Belgien, Rumänien, die Niederlande, China und die Tschechoslowakei.

16.9.1926

Der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini sowie der rumänische Ministerpräsident Alexandru Avarescu unterzeichnen in der Villa Torlonia (Italien) den rumänisch-italienischen Freundschaftsvertrag.

16.9.1926

Die deutsche und die tschechische Gewerkschaftszentrale in der Tschechoslowakei schließen sich zusammen. Die Vereinigung stellt einen Schritt zur Aufhebung der nationalen Gegensätze in der Tschechoslowakei dar.

16.9.1926

Im Metropol-Theater in Berlin findet die Uraufführung der Revue "Wieder Metropol" von Hugo Hirsch statt, in der u.a. Hans Albers mitwirkt.

17.9.1926

Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und der französische Außenminister Aristide Briand konferieren bei einem Frühstück in Thoiry (Frankreich) über die deutsch-französischen Beziehungen. Die Presse ist bei dieser historischen Begegnung ausgeschlossen.

17.9.1926

In Stettin tagt der Deutsche Städtetag (bis 18.9.). Die Städte klagen, dass sich ihre Finanzlage verschlechtert hat und fordern eine Neuregelung des Finanzausgleichs.

18.9.1926

Die spanische Regierung hat in einer Note an die britische und französische Regierung darauf verzichtet, dass die marokkanische Hafenstadt Tanger in die spanische Marokkozone einbezogen wird. Statt dessen schlägt Spanien vor, dass Italien an der Verwaltung Tangers, das unter internationaler Kontrolle steht, beteiligt wird.

18.9.1926

Ein Tornado in Florida (USA) richtet schwere Verwüstungen an: 1500 Menschen sind ums Leben gekommen; der Badeort Miami ist zu einem großen Teil zerstört worden.

18.9.1926

Die Berliner Straßenbahnen werden für den Winter mit elektrischen Heizkörpern ausgestattet, die Wagen sollen eine Temperatur von mindestens 10 erhalten.

19.9.1926

In Wien findet die Uraufführung des Lustspiels "Der gläserne Pantoffel" des ungarischen Schriftstellers Franz Molnar statt.

19.9.1926

In Leipzig wird die Arbeiter-, Turn- und Sportschule eröffnet, in ihr finden Lehrgänge für die Übungsleiter der Arbeiter-Sportvereine statt.

20.9.1926

Der belgische König Albert verkündet die Verlobung seines Sohnes, des Thronfolgers Prinz Leopold, mit Prinzessin Astrid von Schweden, einer Nichte des schwedischen Königs Gustav V.

20.9.1926

Die seit Anfang September in Hannover herrschende Typhuswelle flaut langsam ab. Insgesamt sind 1728 Personen erkrankt und 73 an Typhus gestorben. Als Ursache für die Typhuswelle wird infiziertes Leitungswasser angenommen.

20.9.1926

Eine Gußbetonbrücke über die Oder in der pommerschen Stadt Garz, die am kommenden Sonntag eingeweiht werden sollte, stürzt ein; vier Arbeiter finden bei dem Unglück den Tod.

21.9.1926

In Breslau kommt es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Demonstranten haben sich vor dem Rathaus versammeln wollen, in dem über Notstandsarbeiten verhandelt wird. Bei Notstandsarbeiten werden Arbeitslose beschäftigt.

21.9.1926

Das Lustspiel "Die Schule von Uznach oder Neue Sachlichkeit" des deutschen Schriftstellers Carl Sternheim wird im Deutschen Schauspielhaus Hamburg und zugleich von Theatern in Köln und Mannheim uraufgeführt. Das Stück versucht, den neuen, selbstbewußten Frauentyp darzustellen.

22.9.1926

Der Präsident der Deutschen Reichsbank, Hjalmar Schacht, gibt die Höhe der deutschen Auslandsverschuldung mit fünf Milliarden Reichsmark (RM) an.

22.9.1926

Die deutsche Reichsregierung übernimmt das renommierte Hotel Kaiserhof in der Reichshauptstadt Berlin, sie plant, die Räume als Verwaltungsbehörde zu nutzen. Die Reichsbehörden sollen um den Wilhelmsplatz zentriert werden.

23.9.1926

Die deutsche Delegation unter der Leitung von Außenminister Gustav Stresemann wird bei ihrer Rückkehr von der Völkerbundstagung in Genf in Berlin begeistert begrüßt.

23.9.1926

Der griechische Ministerpräsident Georgios Kondylis tritt zurück, führt jedoch die Geschäfte bis nach den Wahlen im Oktober weiter. Der Plan von Kondylis, nach dem Sturz des Diktators Theodoros Pangalos ein großes Koalitionskabinett zu bilden, ist an den Gegensätzen zwischen den Parteien gescheitert.

23.9.1926

Der Herausforderer Gene Tunney (USA) besiegt Jack Dempsey (USA) bei der Boxweltmeisterschaft im Schwergewicht in Philadelphia vor 120 000 Zuschauern über zehn Runden nach Punkten.

24.9.1926

Für die deutschen Rundfunksender sind Überwachungsausschüsse gebildet worden. Sie entscheiden über alle politischen Fragen der Programmgestaltung. Die Rundfunkgesellschaften müssen ihre Programme den Überwachungsgesellschaften vorlegen und auf Anforderung auch Inhaltsangaben liefern.

24.9.1926

Das deutsche Reichskabinett billigt die Verhandlungen von Außenminister Gustav Stresemann in Genf und Thoiry.

25.9.1926

In Berlin wird die Internationale Polizeiausstellung eröffnet, sie führt moderne Methoden der Verbrechensbekämpfung vor. In ihrem Rahmen findet am 27. September auch eine internationale Polizeikonferenz statt. Wegen der Teilnahme ehemaliger Feindstaaten des Deutschen Reiches im Weltkrieg wird die Ausstellung vielfach als "Locarno der Polizei" bezeichnet.

25.9.1926

Der US-amerikanische Automobilproduzent Henry Ford führt in seinen Werken den Achtstundentag unter Beibehaltung der Fünftagewoche ein.

25.9.1926

Das Schauspiel "Mann ist Mann" des deutschen Schriftstellers Bertolt Brecht wird gleichzeitig im Landestheater Darmstadt und im Städtischen Theater in Düsseldorf uraufgeführt.

25.9.1926

In Breslau findet die Uraufführung der Operette "Lady Hamilton" des deutschen Komponisten Eduard Künnecke statt. Die Operette behandelt die Liebesgeschichte zwischen Lady Hamilton und Admiral Horatio Viscount Nelson.

26.9.1926

Das neue Bühnenhaus der Hamburger Staatsoper wird mit der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner eingeweiht.

27.9.1926

Nach dem Tod von José Maria Orellana wird Lázaro Chacón neuer Präsident von Guatemala.

27.9.1926

In der Nacht zum 27. September schießt in Germersheim ein französischer Unterleutnant auf vier deutsche Passanten und verletzt einen tödlich.

27.9.1926

Der 5. Deutsche Soziologentag in Wien beschäftigt sich mit dem Problem der Demokratie.

28.9.1926

Die Sowjetunion und Litauen unterzeichnen einen Neutralitätspakt, sie sichern sich gegenseitige Unterstützung im Fall eines Angriffs von dritter Seite zu.

28.9.1926

Das deutsche Motorschiff "Rio Bravo" hat in der Nacht zum 28. September 109 Schiffbrüchige geborgen, die mit dem amerikanischen Dampfer "Mexiko" auf dem Madagaskar-Riff im Golf von Mexiko gestrandet sind.

29.9.1926

Die Berliner Presse enthüllt, dass Prinz Wilhelm von Preußen, der älteste Sohn des ehemaligen Deutschen Kronprinzen, vom 14. August bis zum 9. September am Reichswehrmanöver in Münsingen (Württemberg) teilgenommen hat.

30.9.1926

Der britische Außenminister Joseph Austen Chamberlain und der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini führen bei Livorno (Italien) auf einer Yacht, die dem britischen Außenminister gehört, eine Unterredung über die europäische Politik, in der sie zu übereinstimmenden Einschätzungen kommen. Die Presse bewertet das Gespräch als britisch-italienische Annäherung nach der deutsch-französischen Verständigung in Thoiry.

30.9.1926

Die sowjetische Politikerin und Schriftstellerin Alexandra M. Kollontai wird zur Gesandten der UdSSR in Mexiko ernannt. Sie ist die einzige Frau in einer so hohen diplomatischen Stellung.

30.9.1926

In Brüssel bilden das Deutsche Reich, Frankreich, Belgien und Luxemburg eine internationale Rohstahlgemeinschaft.

30.9.1926

Die im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) zusammengeschlossenen Organisationen haben fast vier Millionen Mitglieder.

30.9.1926

Im Berliner Capitol findet die Uraufführung des Stummfilms "In Treue stark" mit Otto Gebühr statt.

30.9.1926

Das umgebaute Züricher Schauspielhaus wird mit dem Schauspiel "Cymbeline" von William Shakespeare eröffnet.

1.10.1926

In Berlin werden die ersten Verkehrsampeln in Betrieb genommen.

1.10.1926

Neue Schöpfungen der deutschen Tänzerin Mary Wigman (eigtl. Marie Wiegmann) haben in Berlin Premiere. Sie führt u.a. die Tänze "Festliches Präludium", "Hexentanz" und "Rhapsodischer Tanz" vor.

1.10.1926

Der deutsche Schriftsteller Erich Mühsam gibt die erste Nummer seiner Monatszeitschrift "Fanal" heraus.

1.10.1926

Die beiden führenden deutschen Radiozeitschriften, "Funk- und Radioamateur" und die "Fachblätter" des Funkvereins schließen sich zu der Wochenschrift "Funk" zusammen.

2.10.1926

In einer Rede auf dem Parteitag der Deutschen Volkspartei (DVP) in Köln bezeichnet Außenminister Gustav Stresemann die deutsch-französische Verständigung als den Kernpunkt jeder europäischen Verständigung.

2.10.1926

Nach den Konflikten zwischen der polnischen Regierung und dem Sejm (Abgeordnetenkammer) über Budgetfragen und die Politik von Jósef Klemens Pi l sudski, der im Mai die Regierung gestürzt hat, übernimmt Pi l sudski das Ministerpräsidentenamt.

2.10.1926

Liberia vergibt eine Konzession für den Anbau von Kautschuk an die Firestone-Company; diese Konzession macht Liberia ökonomisch von den USA abhängig.

2.10.1926

Die Filmoberprüfstelle gibt den Revolutionsfilm "Panzerkreuzer Potemkin" des sowjetischen Regisseurs Sergei M. Eisenstein in der gekürzten Fassung endgültig frei und hebt das Verbot für Jugendliche auf. Nur in Bayern bleibt der Film verboten.

3.10.1926

Zur Feier des 700. Todestages von Franz von Assisi ( Assisi) versucht die Stadt Assisi, sich das Aussehen zu geben, das sie im 12. und 13. Jahrhundert hatte. Die Fassaden der Häuser werden mit einem Farbton zwischen Rosa und Braun gestrichen.

3.10.1926

Die deutsche Schauspielerin Marlene Dietrich erhält ein Engagement für die Charell-Revue "Von Mund zu Mund", die im Oktober ihre 50. Aufführung erlebt.

4.10.1926

Vor einiger Zeit ist Anna Dshaman, eine der Führerinnen der Frauenbewegung in Turkestan (UdSSR), von ihren Verwandten ermordet worden. Ihre Familie hat es als Schande empfunden, dass sie sich für die Befreiung der moslemischen Frauen eingesetzt und gegen die Tradition des Frauenkaufs protestiert hat. Der Hauptverantwortliche für den Mord ist nun in einem Prozeß zum Tod verurteilt worden.

4.10.1926

Im Rickentunnel in der Schweiz ist das siebenköpfige Personal eines Güterzuges, der im Tunnel steckenblieb, durch Kohlengase tödlich vergiftet worden.

4.10.1926

Am Hafen in Konstantinopel (Istanbul) wird ein Denkmal für den türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal Pascha enthüllt.

4.10.1926

Der deutsche Schauspieler Emil Jannings fährt in die USA, wo er ein Engagement bei der Paramount-Filmgesellschaft antritt.

5.10.1926

Der preußische Innenminister Carl Severing tritt aus Gesundheitsgründen zurück. Am 6. Oktober ernennt Ministerpräsident Otto Braun den Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzesinski zu seinem Nachfolger.

5.10.1926

Der deutsche Komponist Richard Strauss schließt mit der Wiener Staatsoper einen Vertrag, in dem er sich dazu verpflichtet, fünf Jahre lang an jeweils 20 Abenden als Gastdirigent zur Verfügung zu stehen und jährlich ein Werk neu einzustudieren.

5.10.1926

Der Maler Otto Dix erhält eine Professur an der Akademischen Hochschule in Dresden.

5.10.1926

Im Lessing-Theater in Berlin findet die deutsche Erstaufführung des Dramas "Mensch und Übermensch" des britischen Schriftstellers George Bernard Shaw statt.

5.10.1926

In der Comédie des Champs-Elysées in Paris findet die Uraufführung des Schauspiels "Der Diktator" von dem französischen Schriftsteller Jules Romains statt. Das Stück zeigt die innere Wandlung eines Revolutionärs nach der Machtübernahme.

5.10.1926

Violet Pierceu ist als erste Frau über die Marathonstrecke gelaufen. Die 42,195 km lange Strecke von Windsor nach London hat sie in 3:40 Stunden zurückgelegt. Der letzte Olympiasieger im Marathonlauf 1924 hat 2:41:22,6 Stunden gebraucht.

6.10.1926

Die preußische Regierung und das Haus Hohenzollern schließen einen Vergleich über die Fürstenabfindung. Die Hauptlinie des Hauses Hohenzollern behält 250 000 Morgen Land; die Kronschlösser verbleiben dem Staat.

6.10.1926

Im Wiener Konzerthaus geht der Erste Paneuropa-Kongress (seit 3.10.) zu Ende. Richard Nicolas Graf Coudenhove-Kalergi, der Gründer der Paneuropa-Bewegung, tritt für einen wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß der europäischen Staaten ein.

7.10.1926

Auf dem Zwölften Deutschen Pazifistenkongress sprechen sich die Delegierten für die Abschaffung der Todesstrafe aus.

7.10.1926

Auf der Tagung des Deutschen Beamtenbundes schließt sich der Beamtenbund mit dem Gesamtverband Deutscher Beamtengewerkschaften zum Deutschen Beamtenbund zusammen.

7.10.1926

Ein neues Parteistatut der Faschistischen Partei Italiens setzt Partei und Staat gleich; alle anderen politischen Gruppen werden von der Macht im Staat ausgeschlossen.

7.10.1926

Die Deutsch-Hannoversche Partei fordert am Jahrestag der Angliederung Hannovers an Preußen die Bildung eines Landes Niedersachsen.

7.10.1926

Im Grand Palais in Paris wird der 20. Automobilsalon eröffnet.

8.10.1926

Der Chef der Heeresleitung, Generaloberst Hans von Seeckt, erhält wegen der Affäre um den Prinz Wilhelm von Preußen seinen Abschied. Seeckts Nachfolger wird Generalleutnant Wilhelm Heye.

8.10.1926

In Essen findet eine Feier zum 100. Todestag von Friedrich Krupp, dem Gründer der Kruppschen Gußstahlfabrik, statt.

8.10.1926

Der Stummfilm "Die geschiedene Frau" nach der gleichnamigen Operette des österreichischen Komponisten Leo Fall wird im Berliner Primus-Palast uraufgeführt. Regie führt Viktor Janson.

9.10.1926

Auf der Schachtanlage Prosper III. der Rheinischen Stahlwerke werden sechs Arbeiter verschüttet, vier können nur noch tot geborgen werden.

9.10.1926

In der Berliner Krolloper hat die Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" des russischen Komponisten Sergei Prokofjew Premiere.

10.10.1926

Im Berliner Reichstagsgebäude wird der Erste Internationale Kongress für Sexualforschung eröffnet.

10.10.1926

Ein Flugzeugunglück während einer Flugzeugparade in Pardubitz (Tschechoslowakei) fordert zwei Todesopfer und zwölf Verletzte. Ein Flugzeug ist mit einem Flügel an eine Telegrafenstange gestoßen und in die Zuschauermenge gestürzt.

11.10.1926

Die Verhandlungen zwischen deutschen und britischen Industriellen in Ramsay (Großbritannien) gehen zu Ende. Die Teilnehmer haben nach dem Abschluß des europäischen Stahlkartells, an dem Großbritannien nicht beteiligt ist, über Fragen der Zusammenarbeit gesprochen. Entscheidungen sind nicht getroffen worden.

12.10.1926

Nach dem Rücktritt des Beamtenkabinetts Johann Cerný wird Anton Svehla (Tschechische Bauernpartei) neuer Ministerpräsident der Tschechoslowakei. In dem neuen Kabinett erhalten zum ersten Mal auch zwei Deutsche Ministersitze.

12.10.1926

Die seit einigen Tagen an der Nordsee herrschende Sturmflut hat schwere Schäden angerichtet: Ein Deich auf Norderney ist gebrochen, die Düne auf Helgoland stark beschädigt.

13.10.1926

In seinen privaten Aufzeichnungen begründet der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg die Entlassung des Chefs der Heeresleitung, Generaloberst Hans von Seeckt, mit dem angedrohten Rücktritt der Reichsregierung.

13.10.1926

Im Stuttgarter Landestheater findet die Uraufführung des Schauspiels "Der blaue Boll" des deutschen Bildhauers und Dichters Ernst Barlach statt. Das Stück zeigt die inneren Konflikte eines Gutsbesitzers.

14.10.1926

In Bordeaux beginnt der Kongress der Radikalen und der Radikalsozialisten, der stärksten Partei Frankreichs.

14.10.1926

Im Berliner Ufa-Palast findet die Uraufführung des Stummfilms "Faust" von Friedrich Murnau mit Emil Jannings, Gösta Ekman und Camilla Horn statt.

15.10.1926

Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der deutschen Reichsregierung hat die Zahl der Arbeitslosen bislang auf 1,24 Millionen gesenkt (im Februar: 2,4 Millionen).

15.10.1926

Der Bergarbeiterstreik in Großbritannien, bei dem sich über eine Million Arbeiter im Ausstand befinden, dauert mehr als fünf Monate. Er ist damit der bisher längste in der Geschichte der Streiks.

15.10.1926

Der österreichische Bundeskanzler Rudolf Ramek tritt wegen eines angedrohten Streiks der Bundesbediensteten zurück.

16.10.1926

Felicia Fischer hat es mit einer Eingabe an den Verfassungsgerichtshof Österreichs erreicht, in Wien Taxi fahren zu dürfen. Der Verfassungsgerichtshof hat mit Hinweis auf die gesetzlich garantierte Gleichbehandlung von Frauen und Männern den Paragraphen aufgehoben, der Frauen das Taxifahren untersagt hat.

16.10.1926

Das Drama "Krankheit der Jugend" des deutschen Autors Ferdinand Bruckner (eigtl. Theodor Tagger) wird gleichzeitig in den Hamburger Kammerspielen und dem Breslauer Lobe-Theater uraufgeführt. Das Stück zeigt die sexuellen Probleme von Jugendlichen.

16.10.1926

In Budapest findet die Uraufführung der Oper "Háry János" des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály statt.

17.10.1926

Der Fraktionsvorstand der deutschen Zentrumspartei - eine der Regierungsparteien - spricht sich für eine Große Koalition aus, da in nächster Zeit wichtige Gesetzesvorlagen wie das Arbeitsgerichtsgesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz anstehen.

17.10.1926

Die französische Chansonsängerin Yvette Guilbert trägt im Theater am Kurfürstendamm in Berlin ihre Chansons vor. Sie tritt zum zweiten Mal in Berlin auf.

17.10.1926

Die deutsche Tänzerin Valeska Gert stellt in Berlin ein neues Tanzprogramm mit dem Titel "Gesprochene und getanzte Grotesken" vor. Sie ist für ihre Tanzpantomimen berühmt.

18.10.1926

Der amerikanische Kommunist Max F. Eastman veröffentlicht in der "Frankfurter Zeitung" einen als Testament bezeichneten Brief von Wladimir Iljitsch Lenin aus dem Jahr 1922, in dem Lenin einen Machtkampf zwischen Leo Trotzki und Josef Stalin vorausgesagt hat.

18.10.1926

In Norwegen findet eine Volksabstimmung über die Aufhebung des Alkoholverbots statt. 421 202 Wahlberechtigte sprechen sich für das Verbot aus, 531 426 votieren dagegen.

19.10.1926

In Großbritannien beginnt die Empire-Konferenz (sie dauert bis zum 18.11.). Die Dominions (Kolonien mit Selbstverwaltung) erhalten den Status autonomer Gemeinschaften, und das britische Weltreich wird in den "Commonwealth of Nations" umgewandelt.

19.10.1926

Der preußische Finanzminister Hermann Höpker-Aschoff lehnt in Essen den Bau weiterer Kanäle ab, u.a. den vieldiskutierten und nie gebauten Hansa-Kanal. Seiner Auffassung nach wird Kohle zunehmend am Förderort weiterverarbeitet, braucht also nicht in großen Mengen abtransportiert zu werden.

20.10.1926

Nach dem Rücktritt des österreichischen Bundeskanzlers Rudolf Ramek bildet der christlichsoziale Parteiobmann Ignaz Seipel eine neue Regierung.

20.10.1926

Die kommunistische Fraktion des Deutschen Reichstags protestiert dagegen, dass eine Zehn-Pfennig-Briefmarke mit dem Porträt König Friedrichs II., des Großen von Preußen, in Umlauf gebracht werden soll. Sie hält diese Briefmarke der neuen Serie "Porträts berühmter Deutscher" für eine Provokation der werktätigen Bevölkerung. Auch die Bayerische Volkspartei erhebt - aus antipreußischen Motiven - gegen die Marke Widerspruch. Das Postwertzeichen erscheint jedoch im November.

20.10.1926

Der neue Ozeandampfer "New York" der Hamburg-Amerika-Linie, gebaut von der Werft Blohm und Voss, läuft im Hamburger Hafen vom Stapel.

20.10.1926

Der Kleistpreis, einer der bedeutendsten deutschen Literaturpreise, geht zur einen Hälfte an Alfred Neumann für den Roman "Der Teufel" zur anderen an Alexander Lernet-Holenia für die dramatischen Arbeiten "Österreichische Komödie", "Ollapotrida" und "Demetrius".

21.10.1926

Ein Wirbelsturm auf Kuba hat 30 Todesopfer gefordert und auf den Feldern in den Provinzen Havanna, Pinar del Rio und Matanzas schwere Verwüstungen angerichtet.

21.10.1926

Die Münchner Trambahn feiert ihr 50jähriges Bestehen.

22.10.1926

Das deutsche Reichskabinett beschließt, den Mittellandkanal sofort weiterzubauen, ohne die Regelung zwischen den Ländern abzuwarten. Der erste Spatenstich erfolgt am 25. Oktober.

22.10.1926

Im Berliner Schauspielhaus findet die Uraufführung des Schauspiels "Lulu" des deutschen Schriftstellers Frank Wedekind statt. Das Stück faßt die Dramen "Erdgeist" und "Die Büchse der Pandora" zusammen. Unter der Regie von Erich Engel spielen u.a. Aribert Wäscher und Gerda Müller.

22.10.1926

Das Ensemble des Frankfurter Schauspielhauses weigert sich, aufzutreten, wenn der Theaterkritiker des Frankfurter Generalanzeigers, Ludwig Marcuse, anwesend ist. Der Verband Frankfurter Kritiker erklärt sich mit Marcuse solidarisch.

22.10.1926

Der S. Fischer Verlag in Berlin feiert sein 40jähriges Bestehen.

23.10.1926

Während der Plenarsitzung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (23.- 26.10.) wird der sowjetische Revolutionär Leo Trotzki aus dem Politbüro ausgeschlossen, andere Oppositionelle gegen die Politik Josef Stalins, u.a. Lew Kamenew und Grigori Sinowjew, verlieren ebenfalls wichtige Posten.

23.10.1926

Die Kohleförderung im Ruhrgebiet erreicht mit 401 249 t pro Tag einen neuen Höchststand.

23.10.1926

In München wird ein Verein zur Förderung der zeitgenössischen Dichtung gegründet; die Mitglieder nennen sich "Die Argonauten".

24.10.1926

Papst Pius XI. weiht im Petersdom in Rom sechs chinesische Priester zu Bischöfen. Zum ersten Mal erhalten chinesische Geistliche diesen hohen Rang.

24.10.1926

In Wien wird der Eberthof eingeweiht, ein Gebäudekomplex mit 197 Wohnungen, den die Architekten Viktor Mittag und Karl Hauschka errichtet haben.

25.10.1926

Der polnische Ministerpräsident Jósef Klemens Pi l sudski trifft auf Schloss Nie s wiez mit dem Führer des konservativen polnischen Landadels, Fürst Janusz Radziwill, zusammen. Der Adel sichert Pi l sudski die Unterstützung der monarchistischen und konservativen Organisationen zu.

26.10.1926

Am ersten Verhandlungstag des zweiten Landsberger Feme-Prozesses erklärt der Angeklagte Paul Schulz, Oberleutnant a. D. und führendes Mitglied der Schwarzen Reichswehr, dass seine illegale Truppe mit Wissen und Billigung der Reichswehr gehandelt hat.

26.10.1926

Auf einer Sitzung der Berliner Akademie der Künste werden die ersten Mitglieder der neugegründeten Sektion für Dichtkunst vorgestellt: Ludwig Fulda, Arno Holz, Thomas Mann und Hermann Stehr. Auf der Sitzung kommt es zu einem Eklat, als Arno Holz eine Änderung der Statuten fordert.

26.10.1926

Das Drama "Gneisenau" von Wolfgang Goetz wird im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt; die Titelrolle spielt Werner Krauss.

27.10.1926

Die drei Gesellschaften Gelsenkirchener Bergwerks AG, Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG und Bochumer Verein für Bergbau- und Gußstahlfabrikation fusionieren. Die neue Gesellschaft verfügt über ein Stammaktienkapital von 250 Millionen Reichsmark (RM).

27.10.1926

Der verantwortliche Redakteur der Münchner Zeitung, der das Gedicht "Wenn der Wind im Frühling bläst" von Carl Zuckmayer abgedruckt hat, wird wegen Gotteslästerung zu drei Wochen Gefängnis mit Bewährung verurteilt.

28.10.1926

Der deutsche Politiker Ernst Reuter übernimmt das vom Berliner Magistrat neugeschaffene Dezernat für den Betrieb und Ausbau der städtischen Verkehrsmittel.

28.10.1926

Im Berliner Ufa-Theater findet die Uraufführung des Stummfilms "Die Abenteuer eines Zehnmarkscheins" von Berthold Viertel statt. Am Weg eines Zehnmarkscheins durch verschiedene Hände schildert der Film die Inflationszeit in Berlin.

29.10.1926

In Berlin wird die Deutsche Automobilausstellung eröffnet, sie dauert bis zum 7. November. Auf der gut besuchten Ausstellung führen 30 Hersteller 43 verschiedene Typen vor.

29.10.1926

In Bochum wird die Komödie "Insel der Affen" von Helmuth Unger uraufgeführt.

30.10.1926

Dem britischen Archäologen Howard Carter ist es gelungen, zur Schatzkammer im Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun (Mitte 14. Jh. v. Chr.) vorzudringen. In dem Grabmal hat er ungemein wertvolle Kunstschätze gefunden.

30.10.1926

Der österreichische Regisseur Max Reinhardt, der das Theaterleben entscheidend prägt, feiert in Berlin sein 25jähriges Bühnenjubiläum.

30.10.1926

Das Schauspiel "Paulus unter den Juden" des österreichischen Schriftstellers Franz Werfel wird gleichzeitig in München, Köln, Breslau und Wien uraufgeführt.

31.10.1926

Der italienische Ministerpräsident und Duce Benito Mussolini entgeht auf der Via Riccoli in Bologna erneut einem Attentat. Der Täter, der 15jährige Anteo Zamboni, der mehrere Schüsse auf Mussolini abgegeben hat, wird von der Menge erdolcht.

31.10.1926

Die deutsche Mannschaft gewinnt das 59. Fußball-Länderspiel zwischen dem Deutschen Reich und den Niederlanden in Amsterdam 3:2.

1.11.1926

Joseph Goebbels wird Gauleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) in Berlin-Brandenburg.

1.11.1926

Italienische faschistische Milizen überfallen in dem Grenzort Ventimiglia französische Eisenbahner und dringen in das französische Konsulat ein.

1.11.1926

Die deutschen Unternehmerverbände lehnen es trotz hoher Arbeitslosenzahlen ab, den Achtstundentag wieder einzuführen.

1.11.1926

Die Westdeutsche Funkstunde AG wird von Münster nach Köln verlegt und erhält den Namen Westdeutsche Rundfunk AG.

2.11.1926

In der französischen Stadt Perpignan, an der spanischen Grenze, verhaftet die Polizei 60 spanische Separatisten, die unter der Führung von Francisco Macia einen Aufstand in Katalonien planten.

2.11.1926

Bei den Ersatzwahlen zum US-amerikanischen Kongress müssen die Republikaner, die zur Zeit mit Calvin Coolidge den Präsidenten stellen, Stimmeinbußen hinnehmen. Sie erhalten 21 Sitze, die Demokraten 14.

2.11.1926

In den letzten Monaten sind in der Provinz Brandenburg 138 Bauerngüter wegen Zahlungsunfähigkeit der Besitzer versteigert worden.

2.11.1926

Im Berliner Capitol wird der erste deutsch-sowjetische Gemeinschaftsfilm "Überflüssige Menschen" von Alexander Rasumni uraufgeführt. An der Premiere nehmen u.a. der deutsche Außenminister Gustav Stresemann und der preußische Ministerpräsident Otto Braun teil.

3.11.1926

Auf ihrem Linzer Parteitag (30.10.- 3.11.) verabschieden die österreichischen Sozialdemokraten ein neues Parteiprogramm, das den Übergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaftsordnung anstrebt.

4.11.1926

In Berlin findet eine Kundgebung gegen das geplante Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften statt.

4.11.1926

Der deutsche Sportwissenschaftler Carl Diem äußert sich zum Wert der Leibesübungen für die Wirtschaft: Der Sport bedeute eine Verringerung der Kranken- und Unfallkosten sowie ein Hinausschieben der Invalidität.

4.11.1926

In Berlin findet die Uraufführung der Operette "Die Königin" von dem österreichischen Komponisten Oscar Straus statt; die Titelrolle spielt Fritzi Massary. In der Operette lernt eine Exkönigin den Präsidenten ihres ehemaligen Reiches kennen und heiratet ihn.

4.11.1926

In Stockholm findet die standesamtliche Trauung des belgischen Kronprinzen Leopold mit Prinzessin Astrid von Schweden statt.

5.11.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg stattet dem Rathaus von Berlin, nachdem er bereits seit eineinhalb Jahren im Amt ist, den ersten offiziellen Besuch ab.

5.11.1926

Die französische Polizei hat in Nizza den italienischen Oberst Ricciotti Garibaldi festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, als Geheimagent der italienischen Polizei zahlreiche Italiener, die aus dem faschistischen Italien geflohen sind, verraten zu haben.

6.11.1926

Ein deutsch-französisches Abkommen über den Austausch von Erzeugnissen deutscher, französischer und saarländischer Industrien wird in Berlin abgeschlossen. Drei Viertel der Produktion der saarländischen Hüttenwerke gehen in das Deutsche Reich, ein Viertel nach Frankreich. Das Abkommen stellt einen Zusatz zum deutsch-französischen Handelsvertrag vom 5. August dar.

6.11.1926

Die Deutsche Welle sendet die erste Arbeiterfunksendung.

6.11.1926

Die expressionistische Satire "Kilian oder Die gelbe Rose" von dem deutschen Schriftsteller Paul Kornfeld wird am Frankfurter Schauspielhaus uraufgeführt.

7.11.1926

Bei den griechischen Wahlen, den ersten nach dem Sturz des Diktators Theodoros Pangalos, erzielen die Republikaner die meisten Stimmen.

7.11.1926

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Mann trägt auf einem Dichterabend im Deutschen Reichstag aus seiner Novelle "Der Jüngling" vor.

8.11.1926

Die polnische Regierung erlässt ein neues Pressegesetz, das es der Presse nahezu unmöglich macht, mehr als die amtlichen Verlautbarungen über die Tätigkeiten und Absichten der Regierung und der Militärbefehlshaber zu berichten.

8.11.1926

Die Slowakische Volkspartei der Tschechoslowakei beschließt, in die Regierung einzutreten, ihr sind zwei Ministersitze angeboten worden.

8.11.1926

Nunmehr sind alle Nationen der Tschechoslowakei - Tschechen, Slowaken, Deutsche, Ungarn - in der Regierung des Vielvölkerstaates vertreten.

8.11.1926

Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist ein Denkmal für Viktor Adler und Engelbert Pernerstorfer, zwei Führer der österreichischen Sozialdemokratie, enthüllt worden.

8.11.1926

Die Staatliche Postsparkasse in Österreich hat Verluste in Höhe von etwa 110 Millionen Schilling erwirtschaftet, für die der Staat aufkommen muß. Die Verluste entstanden als Folge von verfehlten Spekulationen.

9.11.1926

Im britischen Parlament wird die Höhe der Schäden durch den Bergarbeiterstreik seit dem 1. Mai mit 300 Millionen Pfund beziffert. 15,4 Millionen t Kohle sind importiert worden.

9.11.1926

Die indische Presse hat eine Kampagne gegen die in Indien weitverbreitete Unsitte des Mädchenhandels eingeleitet.

9.11.1926

In Dresden findet die Uraufführung der Oper "Cardillac" von dem deutschen Komponisten Paul Hindemith statt. Das Libretto lehnt sich an die Erzählung "Das Fräulein von Scudéri" des deutschen Dichters E. T. A. Hoffmann an.

10.11.1926

Die Schweizer Öffentlichkeit äußert sich besorgt darüber, dass die Italiener an der Schweizer Grenze Straßen bauen, die militärischen Zwecken dienen können.

10.11.1926

In der Nacht zum 10. November hat die italienische Polizei alle Parteizentralen der verbotenen, also der oppositionellen Parteien besetzt und geschlossen. Am 10. November erlischt das Abgeordnetenmandat der 124 oppositionellen Abgeordneten.

10.11.1926

In Brüssel findet die kirchliche Trauung des belgischen Kronprinzen Leopold mit Prinzessin Astrid von Schweden statt.

10.11.1926

Im Berliner Capitol wird der Stummfilm "Man spielt nicht mit der Liebe" von Georg Wilhelm Pabst mit Lily Damita und Werner Krauss uraufgeführt.

10.11.1926

Die Kampagne gegen den Barkenhoff, ein sozialistisches Kinderheim in Worpswede, spitzt sich zu: Die Behörden drohen mit der Schließung des Heims und verlangen die Entfernung einiger Wandbilder von Heinrich Vogeler.

11.11.1926

Die Uraufführung des Stummfilms "Die keusche Susanne" im Ufa-Palast am Berliner Zoo gestaltet sich zu einem großen Erfolg für die Schauspieler Lilian Harvey und Willy Fritsch.

11.11.1926

Der tschechische Sänger Jan Kiepura gibt sein einziges Konzert in Berlin. Im Blüthner-Saal singt er Arien von Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Charles Gounod. Darüber hinaus tritt er in mehreren Opernvorstellungen auf.

12.11.1926

Adolfo Diaz wird zum neuen Präsidenten von Nicaragua gewählt. Er wird am 15. November vereidigt. Sein Vorgänger, Emiliano Chamorro Vargas, ist zurückgetreten. Ein Teil des Landes befindet sich im Aufstand gegen Diaz.

12.11.1926

In den Münchner Kammerlichtspielen findet die Uraufführung des Stummfilms "Der Jäger von Fall" nach dem gleichnamigen Roman des deutschen Schriftstellers Ludwig Ganghofer statt.

13.11.1926

Der Deutsche Reichstag nimmt mit den Stimmen der Regierungskoalition und der SPD das Gesetz zur Erhöhung der Arbeitslosenfürsorge an. Die Unterstützung wird um 10 bis 15% erhöht.

13.11.1926

Die US-amerikanische Regierung hat den mexikanischen Präsidenten Plutarco Elias Calles ultimativ aufgefordert, das Gesetz, das die Erdölvorkommen Mexikos allein dem mexikanischen Staat und nicht ausländischen Gesellschaften zuspricht, abzuändern. Andernfalls würden die USA die Anerkennung der mexikanischen Regierung zurückziehen. Im Dezember erkennt Mexiko die Rechte der amerikanischen Gesellschaften an.

13.11.1926

Auf Java (Indonesien), einer Kolonie der Niederlande, ist ein Bauernaufstand ausgebrochen, zu dem die kommunistische Partei aufgerufen hat. Die Erhebung scheitert nach einigen Wochen an der Überlegenheit der Kolonialarmee.

14.11.1926

Während eines Propaganda-Umzugs der Nationalsozialisten (NSDAP) durch den Berliner Stadtteil Neukölln kommt es zu schweren Zusammenstößen mit Kommunisten und Passanten, die sich durch das Verhalten der Nationalsozialisten provoziert fühlen.

14.11.1926

Zum ersten Mal während der Amerikareise Königin Marias von Rumänien findet in Chicago eine Kundgebung gegen Rumänien statt. Die Demonstranten - Kommunisten - protestieren gegen die Inhaftierung von politischen Gefangenen in Rumänien.

15.11.1926

In Österreich soll eine Kommission untersuchen, wie die Bundesbahnen den Verlusten durch die wachsende Konkurrenz der Autos begegnen können. Es besteht bereits die Absicht, unrentable Lokalbahnstrecken stillzulegen, u.a. die Zillertal-Bahn und die Stubaital-Bahn.

15.11.1926

Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) zieht an der italienischen Grenze Truppen zusammen. In Italien lebende Slowenen sind von Faschisten überfallen worden und über die Grenze geflohen.

15.11.1926

Die Deutsche Reichspost bietet erstmals ein Schmucktelegramm an.

15.11.1926

Der österreichische Schriftsteller Franz Werfel wird für sein Drama "Juarez und Maximilian" mit dem Grillparzerpreis ausgezeichnet.

16.11.1926

Joseph Goebbels gründet die Berliner Ortsgruppe der NSDAP.

16.11.1926

Maximilian von Hohenberg, ein Sohn des in Sarajewo ermordeten österreichisch-ungarischen Erzherzogs und Thronfolgers Franz Ferdinand, heiratet in Wolfegg Gräfin Elisabeth von Waldburg.

16.11.1926

In Warschau wird ein Denkmal für den polnischen Komponisten Frédéric Chopin enthüllt. Das Denkmal stammt von dem polnischen Bildhauer Waclaw Szymanowski.

17.11.1926

Rechtsanwalt Roland Freisler leitet ein Ermittlungsverfahren gegen die Aufführung des Stückes "Baal" des deutschen Schriftstellers Bertolt Brecht in Kassel ein.

18.11.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg nimmt an der Eröffnung der Infanterie-Schule in Dresden teil.

18.11.1926

Ein Dekret verfügt, dass alle spanischen Artillerieoffiziere, die am 5. September aus der Armee ausgeschlossen worden sind, auf Antrag wieder ihren Dienst aufnehmen können. Ausgenommen sind die Offiziere, die wegen des Putschversuchs bereits verurteilt sind oder gegen die ein Verfahren schwebt.

18.11.1926

Die britischen Dominions (Kolonien mit Selbstverwaltung) erhalten den Status autonomer Gemeinschaften; damit wird das britische Weltreich in den "Commonwealth of Nations" umgewandelt.

18.11.1926

Im Züricher Schauspielhaus wird das Drama "Diana und die Tuda" des italienischen Schriftstellers Luigi Pirandello uraufgeführt. Das Stück zeigt einen Konflikt zwischen einem Bildhauer und seinem Modell.

19.11.1926

Der spanische Staatsrat stimmt einem Projekt zu, eine Zeppelin-Linie für Passagiere und Transportgüter von Sevilla nach Buenos Aires einzurichten.

19.11.1926

Ein schweres Eisenbahnunglück in der Nähe von Rotherham in Nordengland fordert neun Todesopfer. Ein Schnellzug ist auf den letzten Wagen eines entgleisten Güterzuges aufgefahren und ebenfalls entgleist.

19.11.1926

Die britischen Bergarbeiter stimmen über den Kompromißvorschlag der Regierung zur Beendigung des Streiks ab.

20.11.1926

Das Drama "Dorothea Angermann" des deutschen Schriftstellers Gerhart Hauptmann wird gleichzeitig in Wien, München, Düsseldorf und Leipzig uraufgeführt. Die Wiener Aufführung hat Max Reinhardt inszeniert.

21.11.1926

Im Deutschen Reich tritt das Gesetz über die Krisenfürsorge für Arbeitslose in Kraft; es verpflichtet die Gemeinden, Arbeitslose, die kein Arbeitslosengeld mehr erhalten, zu unterstützen. 25% der Kosten tragen die Gemeinden, 75% das Reich.

22.11.1926

In Nordalbanien ist ein bewaffneter Aufstand unter Führung des katholischen Priesters Don Loro Zaka gegen die Regierung ausgebrochen. Die Regierung und Staatspräsident Achmed Zogu wird von Italien und Großbritannien gestützt.

22.11.1926

Der Kurt Wolff Verlag in München kündigt das Erscheinen des Romans "Das Schloss" des 1924 gestorbenen deutschsprachigen Dichters Franz Kafka in Prag an, der von dessen Freund Max Brod, entgegen dem Willen Kafkas, aus dem Nachlaß herausgegeben wird.

23.11.1926

Im Deutschen Reichstag bemüht sich Außenminister Gustav Stresemann, die Angriffe der Opposition gegen seine Aussöhnungspolitik mit Frankreich zu entkräften. Die Opposition hält seine politischen Bemühungen für illusionär.

23.11.1926

Das finnische Minderheitenkabinett Kyösti Kallio tritt zurück, nachdem es in der Debatte über Unregelmäßigkeiten bei Militärlieferungen eine Niederlage erlitten hat. Die Regierung hat sich auf die Bauernpartei und auf rechte Parteien gestützt; die Opposition gegen die Regierung hat sich in letzter Zeit verstärkt, weil das Kabinett hauptsächlich für die Interessen der Bauern eingetreten ist.

24.11.1926

In dem französischen Dorf Rocquebillière begräbt ein Erdrutsch 20 Häuser unter sich.

24.11.1926

Das Haus der amerikanischen Ausdruckstänzerin Isadora Duncan in Neuilly bei Paris wird wegen Schulden in Höhe von 4000 Francs versteigert. Es wird ein Preis von 310 000 Francs erzielt.

25.11.1926

In Italien wird die Todesstrafe wieder eingeführt.

25.11.1926

Die Kohleförderung im Ruhrgebiet erreicht mit 418 308 t pro Tag einen neuen Höchststand.

25.11.1926

Die reichsdeutsche Erstaufführung des Dramas "Volpone" des englischen Schriftstellers Ben Jonson in der freien Übersetzung von dem österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig findet gleichzeitig in Lübeck und Dresden statt.

25.11.1926

Max Liebermann eröffnet die Herbstausstellung der Akademie der Künste. Sie zeigt u.a. Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix und George Grosz sowie Zeichnungen von Käthe Kollwitz und Thomas Theodor Heine.

26.11.1926

In Athen wird das neugewählte griechische Parlament eröffnet, das erste seit 1922 und das erste, an dessen Wahl sich alle Parteien beteiligt haben.

26.11.1926

Deutsche und tschechische Sozialdemokraten und Sozialisten protestieren im Prager Parlament gegen das Vorgehen des Innenministeriums. Eine Versammlung, auf der die italienische Sozialdemokratin Angelica Balabanoff über das faschistische System sprach, ist aufgelöst worden, als sie "von der Friedhofsruhe, die jetzt in Italien herrsche", redete.

26.11.1926

Die europäischen Mächte haben beschlossen, Ankara als Hauptstadt der Türkei anzuerkennen und die Botschaften dorthin zu verlegen. Ankara löste 1923 Konstantinopel (heute Istanbul) als Hauptstadt ab.

26.11.1926

Die Ludwig-Maximilians-Universität in München feiert ihr 100jähriges Bestehen. Sie ist am 15. November 1826 in München eröffnet worden.

26.11.1926

Die Fraktion der Nationalsozialisten (NSDAP) im Bayerischen Landtag stellt den Antrag, das Redeverbot für Adolf Hitler aufzuheben. Der Antrag wird abgelehnt.

27.11.1926

Italien und Albanien schließen einen Freundschafts- und Sicherheitsvertrag, den Vertrag von Tirana. Laut dem Abkommen verletzt jede Änderung des Status quo von Albanien die gegenseitigen politischen Interessen.

27.11.1926

Die Pantomime "Der wunderbare Mandarin" von dem ungarischen Komponisten Béla Bartók wird in Köln uraufgeführt.

27.11.1926

Die Uraufführung der Oper "Orpheus und Eurydike" des österreichischen Komponisten Ernst K r enek findet im Staatstheater Kassel statt. Das Libretto stammt von dem österreichischen Maler und Dichter Oskar Kokoschka. In Abänderung des antiken Stoffes hat Eurydike in der Unterwelt ein Verhältnis mit Hades, und Orpheus bringt sie um, als er davon erfährt.

27.11.1926

Der Vulkan Vesuv bei Neapel (Italien) ist wieder aktiv.

28.11.1926

Während eines Aufmarsches der Berliner Kreisvereine des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (sozialdemokratischer Kampfverband) kommt es zu Zusammenstößen mit Nationalsozialisten, die Gegendemonstrationen durchführen. Ein Nationalsozialist schießt von einer Straßenbahn aus auf Reichsbannerleute.

28.11.1926

Das Schauspiel "Kampf um Preußen" von Kurt Heynicke wird in den Städtischen Bühnen Hannover uraufgeführt.

29.11.1926

In den britischen Kohlegruben wird die Arbeit allgemein wiederaufgenommen, der monatelange Streik der Bergarbeiter ist damit beendet. Die Vereinbarungen zwischen Arbeitern und Bergwerksbesitzern sehen eine Verlängerung der Arbeitszeit und zumeist eine Lohnkürzung vor.

29.11.1926

Der Parteirat der Christlichsozialen Partei Österreichs beschließt in Linz ein neues Parteiprogramm. Dem Klassenkampf der Sozialdemokraten stellen die Christlichsozialen ein vages ständestaatliches Konzept gegenüber.

29.11.1926

Der Sarg mit der Leiche des italienischen Komponisten Giacomo Puccini wird von Mailand nach Torre del Lago überführt, den Ort, wo er längere Zeit gelebt und gearbeitet hat.

30.11.1926

Die chinesischen Zollbehörden und die Polizei in Hankau haben die Arbeit niedergelegt. Vor einigen Tagen haben die chinesischen Seezollbeamten einen Verband gegründet, der die Seezollverwaltung von der ausländischen Leitung befreien soll. Die britische Kolonie in Hankau hat Militär zu ihrem Schutz angefordert.

30.11.1926

Die Phöbus Film AG führt den ersten Tonfilmversuch im Deutschen Reich vor. Zu einem filmischen Kabarettprogramm kommt der Ton von einem Grammophon.

1.12.1926

Die Parteien der deutschen Minderheitsregierung schlagen der SPD einen Änderungsentwurf der Arbeitszeitverordnung vor, der grundsätzlich den Achtstundentag anerkennt. Der Vorschlag dient als Basis für eine mögliche Koalitionserweiterung unter Einbeziehung der Sozialdemokraten.

1.12.1926

In Italien ist eine Liste mit Personen fertiggestellt worden, die wegen ihrer oppositionellen Haltung zum faschistischen Regime zwangsweise umgesiedelt werden sollen. Es handelt sich zunächst um 522 Personen.

1.12.1926

Die Firma Hermann Tietz hat die Warenhäuser der Firma Jandorf & Co und das Berliner Kaufhaus des Westens gekauft; Tietz ist dadurch zum größten Warenhauskonzern Europas geworden.

1.12.1926

Die russische Tänzerin Anna Pawlowa beginnt im Berliner Theater des Westens ein Gastspiel.

2.12.1926

Eine Denkschrift enthüllt, dass die Generale der ehemaligen kaiserlichen Wehrmacht generöse Pensionen erhalten: Sie liegen zumeist höher als 10 000 Reichsmark (RM) pro Jahr.

2.12.1926

Vom 2. bis 5. Dezember findet in Münster das erste Händelfest der Deutschen Händelgesellschaft statt.

3.12.1926

Der Deutsche Reichstag nimmt nach heftiger Debatte das umstrittene Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften an.

3.12.1926

Bei den Wahlen zum Folketing (Parlament) in Dänemark haben die Parteien der Sozialdemokraten und der radikalen Linken, die bislang die Regierung gestellt haben, an Stimmen verloren. Am 14. Dezember stellt Thomas Madsen-Mygdal (Bauernpartei) das neue Kabinett vor.

3.12.1926

Die Außenminister Frankreichs und Großbritanniens, Joseph Austen Chamberlain und Aristide Briand, treffen in Paris zu Gesprächen zusammen. Chamberlain bemüht sich, in der Frage der Abberufung der interalliierten Militärkommission aus dem Deutschen Reich zwischen dem deutschen und dem französischen Standpunkt zu vermitteln.

3.12.1926

Die britische Zeitung "Manchester Guardian" bringt einen ausführlichen Bericht über die Zusammenarbeit zwischen der deutschen Reichswehr und der sowjetischen Roten Armee.

3.12.1926

Am Schauspielhaus in Berlin hat Leopold Jessners Inszenierung des "Hamlet" von William Shakespeare Premiere. Fritz Kortner spielt den Hamlet als Republikaner.

4.12.1926

In der Diskussion um das Rekrutierungssystem der deutschen Reichswehr bestreitet Reichswehrminister Otto Geßler, dass nationalistische Verbände Einfluss auf die Auswahl des Mannschaftsersatzes nehmen.

4.12.1926

Das neue, von Walter Gropius gestaltete Bauhaus in Dessau wird eingeweiht.

4.12.1926

Der Film "Nathan der Weise" nach dem gleichnamigen Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing ist bei der Münchner Filmprüfstelle auf Ablehnung gestoßen, weil ein Jude im Mittelpunkt der Handlung steht und die religiöse Aussage nicht dem katholischen Dogma entspreche. Die Filmoberprüfstelle in Berlin hat den Film jedoch freigegeben.

4.12.1926

Anlässlich des 60. Geburtstages des russischen Malers Wassily Kandinsky zeigt die Galerie Neumann-Nierendorf in Berlin eine Ausstellung seiner Werke.

5.12.1926

Der Vorsitzende der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei (DVP), Ernst Scholz, lehnt auf einer Parteiversammlung in Insterburg (Ostpreußen) eine Zusammenarbeit mit der SPD ab. Er steht damit im Gegensatz zu der Auffassung des Parteivorsitzenden Gustav Stresemann.

5.12.1926

Auf der Brüsseler Automobil-Ausstellung sind zum ersten Mal seit dem Weltkrieg wieder deutsche Firmen zugelassen. Die neuen Sechs-Zylinder-Modelle von Mercedes erregen Aufsehen.

5.12.1926

In der Nacht zum 5. Dezember ist in das Reichsfinanz-Zeugamt in Berlin eingebrochen worden. Die Täter haben Steuermarken und Banderolen im Wert von über 400 000 Reichsmark (RM) erbeutet.

6.12.1926

Die Reichstagsfraktion der SPD legt dem Kabinett eine umfangreiche Dokumentation über die gegen den Versailler Vertrag verstoßenden Rüstungsvorbereitungen (Schwarze Reichswehr) vor.

6.12.1926

Die Mehrheit der Wähler im Land Hessen lehnt in einer Volksabstimmung die von den Rechtsparteien geforderte Auflösung des Landtags ab.

6.12.1926

Königin Maria von Rumänien, die Frau von König Ferdinand, kehrt von einer mehrwöchigen USA-Reise nach Bukarest zurück.

7.12.1926

Die chilenische Regierung hat sich bereit erklärt, über die Rückgabe der Salpeterprovinzen Tacna und Arica an Bolivien zu verhandeln, verlangt allerdings, dass das Gebiet entmilitarisiert wird. Nach dem Sieg im Salpeterkrieg zwischen Chile, Peru und Bolivien hat Chile 1883 die beiden Provinzen erhalten.

7.12.1926

Der Schweizer Walter Mittelholzer startet in Zürich zu einem 20 000 km langen Trans-Afrika-Flug.

8.12.1926

In Ungarn finden in 104 Bezirken Abgeordnetenwahlen statt. Der Sieg der Regierungsparteien steht von vornherein fest, weil in 69 Bezirken die oppositionellen Kandidaten an der Einreichung der Wahlanträge gehindert wurden.

8.12.1926

In der Nacht zum 8. Dezember ist im Bukarester Königspalast ein Feuer ausgebrochen. Die Flammen haben das Hauptgebäude mit dem Thronsaal und den Empfangsräumen zerstört.

9.12.1926

Ein deutsch-polnisches Abkommen, das in der deutschen Hauptstadt Berlin unterzeichnet wird, regelt die Eingliederung der polnischen Arbeiter, die sich bereits seit Jahren im Deutschen Reich aufhalten, in die Rückwanderungsbestimmungen.

10.12.1926

In Oslo und Stockholm werden die Nobelpreise verliehen. Den Friedensnobelpreis erhalten die Außenminister des Deutschen Reiches und Frankreichs, Gustav Stresemann und Aristide Briand.

10.12.1926

Der polnische Sejm (Abgeordnetenkammer) setzt das Zensur-Pressegesetz vom 8. November außer Kraft. Allerdings bereitet die Regierung ein neues Pressegesetz vor, das vergleichbare Einschränkungen für die Berichterstattung über die Regierungspolitik enthalten soll.

10.12.1926

Ungewöhnlich dichter Nebel über Paris lässt das Sonnenlicht nicht durchdringen, es herrscht tiefste Dunkelheit. Mehrere Elektrizitätswerke sind dem starken Stromverbrauch am Tag nicht gewachsen.

10.12.1926

Im Ufa-Theater am Berliner Kurfürstendamm findet die Uraufführung des Stummfilms "Carmen" von Jacques Feyder mit Raquel Meller in der Titelrolle statt.

11.12.1926

Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg erteilt die Genehmigung zur Verleihung der Dienstgrade Generalfeldmarschall und Generaloberst in der Reichswehr.

11.12.1926

In Frankfurt am Main findet die Uraufführung des satirischen Stücks "Kleinbürgerhochzeit" des deutschen Schriftstellers Bertolt Brecht statt.

11.12.1926

Die nachgelassene Operette "Jugend im Mai" des österreichischen Komponisten Leo Fall wird in der Berliner Städtischen Oper uraufgeführt.

12.12.1926

Eine Botschafterkonferenz in Genf faßt den Beschluß, dass die Interalliierte Kontrollkommission am 31. Januar 1927 ihre Tätigkeit im Deutschen Reich beendet.

12.12.1926

In Australien wütet ein Buschfeuer. Zahlreiche Farmen sind verbrannt und Tausende von Pferden, Schafen und Rindern umgekommen.

12.12.1926

Die deutsche Fußballmannschaft verliert in München das 60. Fußball-Länderspiel gegen die Schweiz 2:3.

13.12.1926

Dem Führer der finnischen Sozialdemokratie, Väinö (Alfred) Tanner, ist es gelungen, die erste rein sozialistische Regierung Finnlands zu bilden.

13.12.1926

Die Deutschnationalen (DNVP) haben im preußischen Landtag einen Antrag gegen den Intendanten der Berliner Staatstheater, Leopold Jeßner, eingebracht. Sie sehen in seiner Theaterarbeit eine "Gefährdung von Kultur, Kunst und Sittlichkeit", insbesondere wenden sie sich gegen die Experimente bei den Klassiker-Inszenierungen.

13.12.1926

Geistliche aller Konfessionen in Südafrika haben einen Feldzug gegen den Modetanz Charleston begonnen, weil er ihrer Meinung nach dem orgiastischen Tanz der Bantu-Neger entspreche. Die Autorität der Weißen würde darunter leiden, wenn die Schwarzen sehen, dass ihre Tänze nachgeahmt würden.

14.12.1926

Der Student Gerhard Kruschke, der bei einer Bestimmungsmensur (einem Duell ohne vorhergehende Beleidigung) seinen Gegner tödlich verwundet hat, wird in Berlin wegen Zweikampfes zu fünf Monaten Festungshaft verurteilt.

15.12.1926

Der Deutsche Reichstag verabschiedet ein Arbeitsgerichtsgesetz, das alle Streitfragen, die mit einem Arbeitsverhältnis zusammenhängen, besonderen Gerichten überweist.

15.12.1926

Der US-amerikanische Senat hat eine Änderung des Einwanderungsgesetzes angenommen, die der Familienzusammenführung dienen soll und 35 000 Frauen und Kindern unter 18 Jahren die Einwanderung gestattet. Die Ehemänner oder Väter der Betroffenen müssen vor dem 1. Juli 1920 in die USA gekommen sein und die Absicht erklärt haben, in Amerika bleiben zu wollen.

15.12.1926

Der "fascio", das Rutenbündel mit Beil (lateinisch faszes, Symbol der Amtsgewalt der altrömischen Magistrate und jetzt der italienischen Faschisten), wird italienisches Staatssymbol.

15.12.1926

Die Erben des 1922 ermordeten deutschen Außenministers Walther Rathenau haben sich entschlossen, Schloss und Park in Bad Freienwalde dem Kreis Oberbarnim zu schenken. Das Schloss, das 1797/98 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen von David Gilly hatte erbauen lassen, wurde 1909 von Rathenau erworben und restauriert.

16.12.1926

Die Schweizerische Bundesversammlung wählt Giuseppe Motta, den bisherigen Vizepräsidenten des Bundesrates (Kabinetts), zum Bundespräsidenten für das Jahr 1927. 1926 amtiert Heinrich Häberlin als Bundespräsident.

16.12.1926

Zum ersten Mal seit dem Mai-Putsch erscheint der polnische Ministerpräsident Jósef Klemens Pi l sudski persönlich vor dem Sejm (Abgeordnetenkammer), um den hohen Militäretat - 33% des Gesamtetats - zu begründen. Polen brauche eine starke Armee, weil kein Staat seine Grenzen garantiere.

16.12.1926

Der Norddeutsche Lloyd erteilt den Auftrag, zwei große Luxus-Passagierschiffe für die Bremen-New York-Linie zu bauen.

17.12.1926

Die deutsche Reichsregierung stürzt wegen der Reichswehraffäre. Ein Mißtrauensantrag wird im Reichstag mit 249 gegen 171 Stimmen angenommen. Das Kabinett unter Wilhelm Marx führt zunächst die Geschäfte weiter.

17.12.1926

Die Armee und die Rechtsparteien haben in der Nacht zum 17. Dezember die litauische Linksregierung gestürzt und den Staatspräsidenten interniert. Über Litauen ist der Kriegszustand verhängt. Der Führer des Aufstands, Antanas Smetona, wird neuer Staatspräsident, Augustin Voldemaras neuer Ministerpräsident.

17.12.1926

Ein Erdbeben in der albanischen Stadt Durres (Durazzo) richtet schwere Verwüstungen an.

17.12.1926

Im Ufa-Palast wird der Stummfilm "Der heilige Berg" von Arnold Franck mit Luis Trenker und Leni Riefenstahl uraufgeführt.

18.12.1926

Das britische Außenministerium überreicht den Mächten, die Interessen in China verfolgen, ein Memorandum, in dem ein neues Konzept in der Haltung gegenüber China entwickelt wird. Die Vorschläge sehen eine Revision der sog. ungleichen Verträge mit China und eine Änderung der exterritorialen Stellung der Ausländer in China vor.

18.12.1926

Die französische Deputiertenkammer und der Senat einigen sich über das Budget für 1927. Die Budgetberatungen haben nur 36 Tage in Anspruch genommen, die kürzeste Zeit, die bisher ein französisches Parlament benötigt hat.

18.12.1926

Das US-Repräsentantenhaus nimmt die Vorlage des Finanzausschusses zur Rückgabe des beschlagnahmten deutschen Eigentums in den Vereinigten Staaten an.

18.12.1926

In Brünn findet die Uraufführung der Oper "Die Sache Makropoulos" von dem tschechischen Komponisten Leos Janá ç ek statt.

19.12.1926

Die deutsche Wirtschaftspresse beurteilt die Entwicklung der deutschen Industrie positiver als zu Beginn des Jahres.

19.12.1926

In Berlin wird die Operette "Spiel um die Liebe" von dem französischen Komponisten Jean Gilbert uraufgeführt.

20.12.1926

Im Laboratorium der Seifenfabrik Aben in Berlin explodieren ätherische Öle und setzen den Betrieb in Brand. Der Inhaber, Fritz Aben, wird schwer verletzt; der Sachschaden wird auf mehr als 100 000 Reichsmark (RM) geschätzt.

20.12.1926

Die Phoebus-Film AG eröffnet den Phoebus-Filmpalast am Anhalter Bahnhof in Berlin mit der Uraufführung des Stummfilms "Dagfin" von Joe May.

21.12.1926

Die US-amerikanischen Behörden, die das Befolgen des Gesetzes überwachen, das die Herstellung und den Besitz von Alkohol verbietet, haben im Jahr 1926 72 700 Personen verhaftet, 12 000 Geheimbrennereien ausgehoben und mehr als eine Million Hektoliter alkoholische Getränke beschlagnahmt.

21.12.1926

Der Parteivorstand der polnischen sozialistischen Partei beschließt, gegen das Regime von Jósef Klemens Pi l sudski in die Opposition zu gehen. Die Partei strebte zunächst den Ausschluß der monarchistischen und reaktionären Minister aus dem Kabinett an.

21.12.1926

Ein Theater in London führt das Weihnachtsspiel "Bethlehem" in moderner Kleidung auf. Beispielsweise tragen Maria ein Jumperkleid und König Herodes einen Frack.

21.12.1926

Das Berliner Schiller-Theater zeigt die deutsche Erstaufführung des Dramas "Drei Schwestern" von dem russischen Schriftsteller Anton Tschechow; Regie führt Jürgen Fehling.

22.12.1926

Der Vorschlag des deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, Generaloberst a. D. Hans von Seeckt, den ehemaligen Chef der Heeresleitung, zum besonderen Kommissar für die bevorstehenden Abrüstungsverhandlungen im Völkerbund zu ernennen, wird von Reichskanzler Wilhelm Marx abgelehnt.

22.12.1926

In den USA wird der Stummfilm "The general" von und mit Buster Keaton uraufgeführt.

23.12.1926

Die deutsche Erstaufführung des Schauspiels "Der Diktator" von dem französischen Schriftsteller Jules Romain findet im Berliner Lessingtheater statt.

23.12.1926

US-amerikanische Kriegsschiffe landen in Nicaragua. Die Intervention wird mit dem Schutz der amerikanischen Bürger in Nicaragua begründet.

23.12.1926

In Berlin wird die Operette "Nur du" von Walter Kollo uraufgeführt.

24.12.1926

In seiner Weihnachtsansprache erklärt der deutsche geschäftsführende Reichskanzler Wilhelm Marx die Arbeitslosigkeit zum drängendsten Problem für Deutschland.

24.12.1926

Die seit 1921 geplante Renovierung der Erfurter Luther-Gedenkstätten in der Augustinerkirche und dem ehemaligen Augustinerkloster ist nunmehr beschlossen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 500 000 Reichsmark (RM).

24.12.1926

Im Berliner Metropoltheater findet die reichsdeutsche Erstaufführung der Operette "Die Zirkusprinzessin" von dem ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán statt.

25.12.1926

Nach dem Tod seines Vaters, Kaiser (Tenno) Joschihito von Japan, besteigt Kronprinz und Regent Hirohito den Thron.

25.12.1926

Nikola Uzunovi c hat zum fünften Mal in diesem Jahr im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (heute Jugoslawien) ein neues Kabinett gebildet.

26.12.1926

Im ganzen Deutschen Reich herrscht klares Frostwetter; im Schwarzwald und in der Rheinebene schneit es.

27.12.1926

Die französische Liga für Menschenrechte fordert auf ihrer Tagung in Metz (Elsaß-Lothringen) die Beibehaltung des Zweisprachensystems an allen Ämtern und eine Amnestie für alle Staatsbeamten, die aus politischen Gründen gemaßregelt wurden.

28.12.1926

Die sich bekämpfenden Parteien in Nicaragua haben einen Waffenstillstand von unbestimmter Dauer geschlossen, um die Gefallenen der letzten Tage beerdigen zu können. In den letzten Kämpfen haben die Rebellen die Regierungstruppen geschlagen.

28.12.1926

In der brasilianischen Provinz Rio Grande sind erneut Unruhen ausgebrochen. Die Rebellen haben die Regierungstruppen zum Rückzug gezwungen.

29.12.1926

In Rom wird ein deutsch-italienischer Schiedsvertrag unterzeichnet. Beide Staaten verpflichten sich, aufkommende Streitigkeiten durch ein Vergleichsverfahren zu schlichten.

29.12.1926

In Spanien sind mehrere Züge zwischen Alicante und Albacete im Schnee steckengeblieben. Die ungewöhnliche Kälte hat in der Gegend von Valencia einen großen Teil der Orangenernte vernichtet.

30.12.1926

Die spanische Regierung hat beschlossen, die Zahl der staatlichen Schulen von 1000 auf 1500 zu erhöhen, um den Analphabetismus zu bekämpfen. Etwa 60% der Bevölkerung sind Analphabeten.

30.12.1926

Ein Erdbeben hat die Städte Gauchucal und Aldana in Ecuador zerstört. Das Erdbeben hängt mit einem Vulkanausbruch zusammen.

31.12.1926

In Berlin finden 30 große Silvesterbälle statt.

31.12.1926

Der Dialog "Silvesternacht" des österreichischen Schriftstellers Arthur Schnitzler wird in einer einmaligen Vorstellung im Wiener Theater in der Josefstadt uraufgeführt.

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