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Das Jahr 1913

Konflikte am Vorabend des großen Krieges


Österreich, Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916).

1913 – das letzte Jahr vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs spiegelt noch einmal Macht und Glanz der europäischen Monarchien und zugleich deren Brüchigkeit. Während Wilhelm II. sein 25-jähriges Regierungsjubiläum feiert, die Romanows in Russland stolz auf eine 300-jährige Geschichte als Herrscherdynastie zurückblicken und in Österreich Kaiser Franz Joseph seit nunmehr 65 Jahren die Geschicke des Landes lenkt, spitzen sich die Konflikte am Rande Europas, auf dem Balkan, zu.

Der Erste und Zweite Balkankrieg und der Streit um die Autonomie Albaniens zeigen, in welchem Maß die europäischen Großmächte rücksichtslos eigene Interessen verfolgen und den Kontinent mehrmals an den Rand eines Kriegs treiben. Die Konfrontation zwischen Österreich-Ungarn und Serbien – sie wird 1914 zum Auslöser für den Ersten Weltkrieg – verschärft die Krisensituation. Auch die Probleme der unterentwickelten Länder werden von den Großmächten für eigene wirtschaftliche und politische Interessen genutzt, wie der Putsch in Mexiko und die Konflikte in China zeigen. Einhergehend mit ihrer imperialistischen Politik verstärken die Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Großbritannien und das Deutsche Reich die Aufrüstung von Heer und Flotte.

Militärmanöver zur Ablenkung von innenpolitischen Problemen

Im Deutschen Reich bestimmt der von Kaiser Wilhelm II. propagierte »Endkampf zwischen Germanentum und Slawentum« (sprich Deutsches Reich und Österreich-Ungarn gegen Russland und Serbien) die Regierungspolitik. So dienen die im Juni vom deutschen Reichstag verabschiedete Wehrvorlage (als umfangreichste Rüstungsmaßnahme seit Gründung des Deutschen Reiches 1871), die intensive Erprobung von Luftschiffen für militärische Zwecke sowie zahlreiche Manöver zu Land und Wasser der Kriegsplanung. Unter diesem Aspekt ist auch die politisch brisante Entsendung einer deutschen Militärmission in das Osmanische Reich (Liman-von-Sanders-Mission) zu sehen.

Publizistisch wird die Regierungspolitik durch die konservative Presse und einflussreiche gesellschaftliche Gruppen wie den Alldeutschen Verband und den Deutschen Flottenverein unterstützt, die eine deutsche Vorherrschaft in Europa anstreben. Ein spektakulär inszenierter Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Einweihung des Leipziger Völkerschlachtdenkmals am 18. Oktober, mit dem an die sog. Befreiungskriege erinnert wird. Ein Indiz für die zunehmend offenere Militarisierung der Gesellschaft im Deutschen Reich ist auch die sog. Zabern-Affäre – sie führt gegen Ende des Jahres zur schwersten innenpolitischen Krise seit 1908. Parallel zum deutschen Großmachtstreben verschärfen sich die sozial- und innenpolitischen Probleme im Deutschen Reich: Steigende Arbeitslosigkeit, hohe Preise für lebensnotwendige Güter wie Fleisch und eine immer deutlicher werdende Produktionskrise in Teilen der Wirtschaft sind Symptome des konjunkturellen Niedergangs.

Als eine Alternative zu der als »erstarrt« empfundenen Lebenswelt der wilhelminischen Gesellschaft versteht sich die deutsche Jugendbewegung, die mit dem Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner ihre Bedeutung in der Öffentlichkeit dokumentiert.

Nicht nur im Deutschen Reich, sondern in fast allen europäischen Ländern werden 1913 die Kämpfe um die Einführung des Frauenwahlrechts fortgesetzt. Vor allem die britischen Suffragetten erregen durch den Einsatz auch militanter Mittel beträchtliches Aufsehen.

Auch die Technik dient militärischen Zwecken


New York: Das Innere der Grand Central Station, durch dessen Fenster das Sonnenlicht strömt.

Als Marksteine des technischen Fortschritts gelten 1913 der Durchstich für den als »Jahrhundertbauwerk« apostrophierten Panamakanal, die Einweihung der New Yorker Central Station als größter Bahnhof der Welt und der Stapellauf des Riesendampfers »Vaterland« in Hamburg. Dass die Entwicklung in Wissenschaft und Technik auch in engem Zusammenhang mit der Aufrüstung steht, zeigt unter anderem der erste Kriegseinsatz eines Seeflugzeuges durch Griechenland im Ersten Balkankrieg. Die Literatur des Jahres 1913 dokumentiert mit ihren formalen und inhaltlichen Experimenten die allmähliche Auflösung des an seinen inneren Widersprüchen scheiternden bürgerlichen Gesellschaftsideals der Vorkriegszeit. Innovationen auch in der Musik: Die Uraufführung des Balletts »Le sacre du printemps« mit der Musik von Igor F. Strawinsky und dem berühmten russischen Tänzer Waslaw F. Nijinski wird zu einem der großen Bühnenskandale des 20. Jahrhunderts.

Im Sport sorgt die nachträgliche Disqualifikation des US-amerikanischen Olympiasiegers von 1912, James Thorpe, für erregte Diskussionen um den Sinn der Amateurbestimmungen. Auch im Deutschen Reich stehen die Olympischen Wettkämpfe im Mittelpunkt des Interesses, so wird im Juni das Deutsche Stadion in Berlin für die geplante Olympiade 1916 eingeweiht.

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Studioaufnahme im Rotkäppchen-Kostüm
Mädchen mit Hahnenkammfrisur
Baby im Sessel
Ernst im Alter von 7 Monaten
Geschwisterpaar
Soldaten Kaiserzeit
Seebad
Villa in der Sächsischen Schweiz
Frau Hedwig Haenssgen