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Das Jahr 1916

Verdun: Der Krieg bekommt seinen Schreckensnamen

Der Name eines Ortes wird 1916 wie kaum ein anderer zum Synonym für die Schrecken des Stellungskrieges: Verdun. Was mit dem Angriff der deutschen 5. Armee auf französische Stellungen am 21. Februar 1916 beginnt und am 16. Dezember ohne Ergebnis endet, hinterlässt eine Bilanz des Grauens. Die französische Seite zählt 350 000 Tote, die deutsche 335 000. Sie sterben für ein paar Meter Boden; Boden, der nach den Ereignissen von 1916 aussieht wie eine Mondlandschaft, übersät mit Granattrichtern und zerschossenen Stellungen. Nachdem schon der bisherige Stellungskrieg im Westen keine Entscheidung gebracht hat, erfüllen sich die deutschen Hoffnungen auf einen Durchbruch bei Verdun wiederum nicht.

Ähnlich blutig wie die Schlacht um Verdun verläuft die alliierte Großoffensive an der Somme, deren Ziel, den Deutschen den Eisenbahnknotenpunkt Cambrai-Maubeuge in Nordfrankreich abzunehmen, ebenfalls scheitert. Auch hier wird – zwischen Juli und November – monatelang gekämpft, auch hier ist der Geländegewinn zu vernachlässigen, und auch hier sterben Hunderttausende, nämlich jeweils 400 000 Briten und Deutsche sowie 200 000 Franzosen.

Keine Entscheidungen, kein Frieden in Aussicht


Der Kreuzer "Goeben" der deutschen Marine" bei der unentschieden verlaufenden Seeschlacht am Skagerrak (31. Mai/1. Juni 1916)

Ohne Entscheidung bleibt auch die Skagerrakschlacht zwischen der deutschen und der britischen Flotte, die einzige große Seeschlacht des Ersten Weltkrieges. Abgesehen von dieser Auseinandersetzung wird der Krieg in der Nordsee jedoch bereits überwiegend mit U-Booten und auch mit Minen geführt. Eine neue Waffe setzen die Briten 1916 in der Schlacht an der Somme ein: Ihre »Tanks«, gepanzerte Kettenfahrzeuge, die auch Schützengräben und Granattrichter überwinden können, sind bald fester Bestandteil der Armeen.

Der Frieden bleibt 1916 in weiter Ferne, auch wenn es wenigstens Ansätze zur Beendung des Tötens gibt. Das Friedensangebot der Mittelmächte und die Friedensinitiative des neuen US-Präsidenten Woodrow Wilson wird von den Alliierten jedoch abgelehnt, weil keine konkreten Friedensbedingungen genannt und keine Sicherheitsgarantien von deutscher Seite genannt werden. Die »Times« schreibt in diesem Zusammenhang von »Kraftprotzerei und salbungsvoller Selbstgerechtigkeit« der deutschen Note.

Leben zwischen Ersatz und Dada


1916 / Dublin, Irland Die hinter einer Straßenbarrikade liegenden sieben Soldaten feuern mit Maschinengewehren auf Aufständische.

Das Leben der Menschen in den kriegführenden Ländern wird unterdessen immer trister. So wird der Begriff »Ersatz« in Deutschland zum Schlagwort. Für fast alles werden Ersatzmittel auf den Markt gebracht: Nesselfaser für Baumwolle, Speckstein für Seife, Kunsthonig für Bienenhonig. Im Schatten des Weltkrieges liegt der Osteraufstand in Dublin, mit dem die Iren vergeblich das britische Kriegsengagement für die eigene Unabhängigkeit zu nutzen versuchen. Die bewaffnete Erhebung gegen die Besatzungsmacht scheitert; erst 1921 erhält Irland – allerdings ohne die sechs Nordprovinzen – den Status eines Dominion zugebilligt.

Im Schatten des Krieges liegt auch eine kulturelle Begebenheit, die so gar nicht zum martialischen Gestus der Zeit passt, aber nicht zufällig, sondern als Reaktion darauf entsteht. In Zürich eröffnet, unter der Ägide des Literaten Hugo Ball, das Cabaret Voltaire, von dem eine neue, ganz und gar unmartialische Kunstrichtung namens Dada ausgeht. Mit Collagen, Lautgedichten und anderen unkonventionellen Kunstformen macht man sich über das Bildungsbürgertum lustig.

Schließlich geht 1916, zwei Jahre vor dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie, mit dem Tod von Kaiser Franz Joseph I. ihre überragende Symbolgestalt von der Geschichtsbühne. 86-jährig stirbt der Monarch, der die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie aus der Taufe hob, in Schönbrunn – nach einer Regierungszeit von 68 Jahren.

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1916 - In Eisener Zeit
In Eisener Zeit - 1916
Studioaufnahme im Rotkäppchen-Kostüm
Mädchen mit Hahnenkammfrisur
Baby im Sessel
Ernst im Alter von 7 Monaten
Soldaten Mindelheim, 1. Weltkrieg
Erster Weltkrieg, Postkarte
Soldaten, 1. Weltkrieg