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Das Jahr 1929

Am Schwarzen Freitag beginnt die Weltwirtschaftskrise


30.10.1929 / New York Ein Opfer des "Schwarzen Freitags" akzeptiert seine Verluste an der Wall Street.

Am 25. Oktober 1929, dem »Schwarzen Freitag«, stürzen an der New Yorker Börse die Aktienkurse – dieser Tag markiert den Beginn der Weltwirtschaftskrise; Massenarbeitslosigkeit und Verarmung weiter Bevölkerungskreise in allen Industriestaaten werden die Folge sein.

Der Börsenkrach ist nur ein Symptom für tiefer liegende ökonomische Probleme, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Staaten die parlamentarische Demokratie gefährden und die Entstehung faschistischer Systeme begünstigen. Vier Jahre nach dem »Schwarzen Freitag« haben die Nationalsozialisten die Macht im Deutschen Reich übernommen, zehn Jahre nach diesem Tag hat der Zweite Weltkrieg schon begonnen. Deutschland ist wegen der Abhängigkeit von ausländischen Krediten von der weltweiten Krise – abgesehen von den USA – am stärksten betroffen. Nur mit Hilfe dieser Kredite ist es in der Lage, die Reparationen an die Siegermächte des Weltkriegs zu leisten. Noch während der Verhandlungen über eine endgültige Regelung der deutschen Zahlungen (Stichwort: Young-Plan) stellt sich heraus, dass die deutsche Regierung die festgesetzten Raten nicht aufbringen kann; das Ausbleiben der Auslandskredite bringt die Regierungen des Reichs, einiger Länder und Städte bereits Ende 1929 an den Rand der Zahlungsfähigkeit.

Auch die Kassen der Arbeitslosenversicherungsanstalt sind wegen der unerwartet hohen Zahl von Unterstützungsempfängern – mehr als zwei Millionen Arbeitslose bereits im Februar 1929 – leer. Wegen der finanziellen Engpässe verschärfen sich die Auseinandersetzungen in der Reichsregierung. Der Konflikt zwischen der SPD und der rechtsliberalen DVP über eine geringfügige Erhöhung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge führt bereits 1930 zum Auseinanderbrechen der Großen Koalition, der letzten parlamentarischen Regierung der Republik von Weimar.

Die Rechte macht gemeinsam Front – die Linke zerfällt weiter


Alfred Hugenberg (1865-1951), deutscher Politiker und Wirtschaftsführer

Die Rechtsparteien, die von Alfred Hugenberg geführten Deutschnationalen und Hitlers Nationalsozialisten, nutzen die Schwäche der Regierung zu einer gemeinsamen Kampagne gegen die »Versklavung des deutschen Volkes« durch den Young-Plan. Der von der Rechten initiierte Volksentscheid findet zwar keine Mehrheit, die NDSAP ist aber durch das Zusammengehen mit Hugenberg »hoffähig«, d. h. wählbar geworden. In einigen Länderregierungen, wie in Thüringen und Sachsen, nehmen die Nationalsozialisten Schlüsselpositionen ein, im Stadtrat von Coburg verfügen sie zuerst über die absolute Mehrheit.

Während die Rechte einig ist, driftet die Linke auseinander. Als die Polizei der sozialdemokratisch regierten Reichshauptstadt Berlin im sozialdemokratisch geführten Preußen bei einer – verbotenen – Demonstration der KPD am 1. Mai (»Berliner Blutmai«) vom Schießbefehl so ausgiebig Gebrauch macht, dass mehr als 30 Menschen sterben, sieht die KPD ihre These bestätigt, die Sozialdemokratie sei der Hauptfeind in der Auseinandersetzung der Klassen. Bei vielen SPD-Anhängern verschwimmt der Unterschied zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten.

Stresemanns Tod hinterlässt eine klaffende Lücke


Gustav Stresemann, Politiker (DVP); 1923-29 ; geb. 1878 - gestorben 1929.

Ein großer Verlust für die junge, von inneren Konflikten bedrohte deutsche Demokratie ist der Tod von Reichsaußenminister Gustav Stresemann, der am 3. Oktober 1929 im Alter von 51 Jahren einer langen Krankheit erliegt. Einen Monat vor seinem Tod wird der Abzug der letzten Besatzungssoldaten aus dem Rheinland auf der Haager Konferenz definitiv vereinbart. Obwohl Stresemann also sein Lebenswerk, die Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern und die Wiedereingliederung des Deutschen Reichs in die internationale Staatengemeinschaft, erfolgreich abgeschlossen hat, hinterlässt sein Tod eine Lücke. »Deutschland hat, nach Jahrzehnten, eine weit über den Durchschnitt reichende politische Begabung gehabt, und jetzt wird wieder eine große Pause sein«, kommentiert der Publizist Carl von Ossietzky in der von ihm herausgegebenen »Weltbühne«.

Remarque statt Trotzki: Außenpolitik angesichts reger Kulturdebatte in Deutschland nur zweitrangig


1929 / Paris Erich Maria Remarque (1898-1970), deutscher Schriftsteller bei einem Bummel mit der Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich (*1901).

Da für das Deutsche Reich die Außenpolitik dank Stresemann an Brisanz verloren hat, werden die großen internationalen Ereignisse des Jahres 1929 von den Deutschen mit geringerer Aufmerksamkeit registriert, die Versöhnung des Vatikans mit dem faschistischen Italien ebenso wie die Ausweisung von Leo Trotzki aus der Sowjetunion, die Bürgerkriege im fernen China und in Afghanistan. Die Presse ist stattdessen beherrscht von Diskussionen über die Bucherfolge des Jahres, den Antikriegsroman »Im Westen nichts Neues« von Erich Maria Remarque und Vicky Baums »Menschen im Hotel«, über die Bauhaus-Architektur und die neuesten Inszenierungen von Max Reinhardt, Leopold Jessner und Gustaf Gründgens oder die Uraufführung der Oper »Neues vom Tage« von Paul Hindemith in Berlin. Die ersten deutschen Tonfilme werden ebenso ausführlich besprochen wie Revuen und Kabaretts, aber auch große Sportveranstaltungen. Die Kultur- und Unterhaltungsindustrie droht alle Krisenzeichen aus dem Bewusstsein der Menschen zu verdrängen; übrigbleibt, was das Schlagwort von den Goldenen Zwanzigern ausdrücken soll: emanzipierte Frauen mit kurzem Rock und Bubikopf, Vergnügungssucht, Tanzfreude, Sportbegeisterung, aber auch eine rege, innovative Kunstszene.

Fotos des Jahres

Alle Fotos unserer Mitglieder zu diesem Jahr anzeigen

Historische Schwebebahn
Papa als Kind 1929
Fenster 3
Studioaufnahme im Rotkäppchen-Kostüm
Max aus Elberfeld als Konfirmand
Mädchen mit Hahnenkammfrisur
Baby im Sessel
Ernst im Alter von 7 Monaten
Alt Köln

Das Jahr 1929

Am Schwarzen Freitag beginnt die Weltwirtschaftskrise

Die Rechte macht gemeinsam Front – die Linke zerfällt weiter

Stresemanns Tod hinterlässt eine klaffende Lücke

Remarque statt Trotzki: Außenpolitik angesichts reger Kulturdebatte in Deutschland nur zweitrangig

Arbeit und Soziales 1929:

Hohe Arbeitslosigkeit Monate vor dem Schwarzen Freitag

Täglich sterben im Deutschen Reich 64 Menschen bei Unfällen

Weniger Frauen als Männer arbeitslos

Architektur 1929:

Höhepunkt Neuen Bauens im Jahr der Wirtschaftskrise

Rationelles Wohnen auf engstem Raum

Wolkenkratzer als Spiegel der Zeit

Auto 1929:

Überproduktion bereitet der Kraftfahrzeugindustrie Sorgen

Bildungswesen 1929:

Sozialistische Reformer wollen Einheitsschule durchsetzen

Sozialistische »Kinderfreunde«

Wander-Bibliothek ist lebhaft besucht

Essen und Trinken 1929:

Einbußen für Landwirte durch weltweite Überproduktion

Berlin bietet internationale Genüsse für jeden Geschmack

Pech für die Bauern - Glück für die Verbraucher

Mode 1929:

Betonung weiblicher Formen statt moderner Sachlichkeit

Straßen und Verkehr 1929:

Über eine Million Kraftfahrzeuge erfordern Verkehrsregeln

Tempelhof bietet viel Service für Reisende

Verkehrspolizisten – Dirigenten der Straße

Urlaub und Freizeit 1929:

Fernurlaub für viele zu teuer

Werbung 1929:

Werbung ein Teil der Kultur der Großstadt

Berlin im Zeichen des Reklamekongresses

Wissenschaft und Technik 1929:

Revolutionen in der Medizin – Erleichterungen bei Hausarbeit

Archäologische Forschung mit Luftfotografie

Wohnen und Design 1929:

Funktionalität im Design weiterhin en vogue

Möbel als Apparate des modernen Lebens