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Das Jahr 1932

Innenpolitische Turbulenzen und erneute Regierungswechsel


9.08.1932 / Berlin Kanzler Franz von Papen verläßt eilig das Wahllokal.

Das Jahr 1932 ist für die politische Entwicklung Deutschlands von herausragender Bedeutung. Die seit 1930 anhaltende wirtschaftliche und politische Krise verschärft sich im Verlauf des Jahres und treibt unaufhaltsam ihrem Höhepunkt entgegen. Für die Demokratie stehen die Zeichen auf Sturm. Gefahr droht ihr vor allem von rechtsgerichteten Parteien und Verbänden, die – an der Spitze die NSDAP – ihre Position ausbauen können.

Mehrmalige Regierungswechsel können den Verfall der politischen Ordnung nicht aufhalten, sondern sind Ausdruck der sich verschärfenden Krise. Im Mai löst Franz von Papen den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning als Reichskanzler ab. Nach zwei Jahren enger Zusammenarbeit entzieht der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg Brüning das Vertrauen, »100 Meter vor dem Ziel«, wie Brüning verbittert feststellt. Mit Papen übernimmt nun ein Politiker die Regierungsgewalt, dessen Pläne konsequent auf die Errichtung eines autoritären Staatsgefüges unter Führung konservativ-nationalistischer Kreise gerichtet sind. Die Absetzung der sozialdemokratisch geführten preußischen Regierung durch Papen entspricht diesem Konzept: Durch den sog. Preußenschlag vom 20. Juli gegen die Regierung Otto Braun wird eine mächtige Verteidigungsbastion der Demokratie beseitigt.

Doch bereits im November 1932 ist Papens »Kabinett der Barone« am Ende. Der neue Reichskanzler, General Kurt von Schleicher, versucht, die Regierungspolitik auf eine möglichst breite gesellschaftliche Basis zu stellen – von den Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP. Letztlich scheitert auch dieser Versuch, eine Diktatur für Deutschland abzuwenden.

Demokratie in der Dauerkrise – das Volk wendet sich nun den Radikalen zu

Die Ergebnisse der Reichstags- und Landtagswahlen zeigen darüber hinaus, dass die Republik von Weimar – die erste parlamentarische Demokratie im Deutschen Reich – in der Bevölkerung an Rückhalt verliert. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Notlage wenden sich immer mehr Deutsche enttäuscht von den demokratischen Parteien ab und geben republikfeindlichen Kräften, die einfache Lösungen für die drückenden Probleme anbieten, ihre Stimme. Die NSDAP auf der Rechten und die KPD vom linken Rand des politischen Spektrums verfügen 1932 zusammen über 50% der Wählerstimmen. Herausragend ist der Erfolg der NSDAP bei den Reichstagswahlen im Juli. Die Nationalsozialisten können ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl von 1930 von 18,3% auf 37,3% verdoppeln und werden zur stärksten politischen Kraft in Deutschland. Mehrmals scheitert allerdings der Griff ihres Führers Adolf Hitler nach der alleinigen Regierungsmacht am Widerstand des Reichspräsidenten. Erfolglos bleibt auch der Versuch Hitlers, Paul von Hindenburg als Reichspräsident abzulösen. Am 10. April wird er im zweiten Wahlgang mit 53% der Stimmen in seinem Amt bestätigt.

Sechs Millionen Arbeitslose überfordern die Unterhaltungsindustrie


21.06.1932 / New York Max Schmeling im Kampf gegen den US-Amerikaner Jack Sharkey.

Die Wirtschaftskrise lähmt in aller Welt die ökonomischen Kräfte, was vielerorts zu Unruhen führt. Große Teile der deutschen wie der internationalen industriellen Kapazitäten liegen brach, da die Betriebe ihre Produkte auf dem Weltmarkt kaum mehr absetzen können. Die Massenarbeitslosigkeit nimmt zu. Bei Jahresbeginn übersteigt die Zahl der Arbeitslosen im Deutschen Reich erstmals die Sechs-Millionen-Grenze. Die soziale Verelendung breiter Bevölkerungsschichten nimmt ein erschreckendes Ausmaß an.

Der Unterhaltung kommt angesichts dieser Probleme eine besondere Bedeutung zu. Vor allem die populären Medien Film und Rundfunk bieten eine willkommene Abwechslung vom grauen Alltag. Ein Besuch der so beliebten Theater, Kabaretts und Revuetheater können sich die meisten allerdings nur noch selten leisten. Wegen der sinkenden Besucherzahlen können viele Theater ihre Spielpläne nicht aufrechterhalten und müssen schließen.

Die Parteien, allen voran die NSDAP, nehmen immer mehr Einfluss auf den Kulturbetrieb. Das Bauhaus in Dessau, Lehr- und Forschungsinstitut avantgardistischer Gestaltungskunst, muss auf Druck des Rates der Stadt nach Berlin umziehen, da es dem NS-Kunstverständnis nicht entspricht.

Die geringe deutsche Teilnehmerzahl am sportlichen Höhepunkt des Jahres 1932 – den Olympischen Spielen in den USA – zeigt deutlich die angespannte wirtschaftliche Lage. Da die Kosten für die Anreise in die Vereinigten Staaten zu hoch sind, treten nur 83 Aktive bei den Sommerspielen in Los Angeles an. 1928 gingen in Amsterdam, Austragungsort der letzten Sommerspiele, noch 245 deutsche Athleten an den Start. Eine Enttäuschung müssen die Sportfans am 21. Juni hinnehmen. Boxidol Max Schmeling verliert in New York durch eine umstrittene Punktniederlage seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht an den US-Amerikaner Jack Sharkey.

Globale Entwicklung angesichts wirtschaftlicher Probleme nur zweitrangig

Angesichts der drückenden Probleme in ihren eigenen Ländern nimmt die europäische und US-amerikanische Öffentlichkeit von der besorgniserregenden außenpolitischen Entwicklung nur wenig Notiz. In Asien gelingt es den japanischen Invasionstruppen, die Mandschurei zu besetzen und einen nur formal unabhängigen Staat Mandschukuo zu installieren.

In den Vereinigten Staaten, der führenden Wirtschaftsmacht der Welt, kündigt sich eine politische Neuorientierung an. Bei den Präsidentschaftswahlen besiegt der Demokrat Franklin D. Roosevelt den bisherigen Amtsinhaber Herbert C. Hoover. Roosevelts Programm des »New Deal« sieht in Abkehr von der bisherigen Politik vor, die wirtschaftliche Misere durch staatliche Investitionen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu überwinden.

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Weimarer Republik - Reichspräsident Paul von Hinde...
Weimarer Republik - Reichspräsident Friedrich Eber...
Die Familie Reichmann vor ihrer Bäckerei in Eiserf...
Siegen-Eiserfeld 1932
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