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Das Jahr 1933

Nicht nur Deutschlands Schicksalsjahr: Hitler gelangt an die Macht


Adolf Hitler Reichskanzler im III. Reich 20.04.1889 - 30.04.1945

1933 ist nicht nur für die Deutschen ein Schicksalsjahr, auch in anderen Ländern führt die seit vier Jahren anhaltende Weltwirtschaftskrise zu tiefgreifenden politischen Veränderungen: Mit dem Versprechen, Arbeitsplätze zu schaffen und den Parteienhader zu überwinden, gelangen im Deutschen Reich und in anderen Staaten Europas autoritäre Regierungen an die Macht. Supranationale Lösungen der Krise kommen nicht zustande: Die Weltwirtschaftskonferenz in London und die Abrüstungsgespräche in Genf scheitern beim Versuch gemeinsamer Initiativen zur Belebung der Weltkonjunktur und zur Begrenzung der Rüstungsspirale.

Am 30. Januar wird NSDAP-Führer Adolf Hitler zum deutschen Reichskanzler ernannt. Innerhalb weniger Monate beseitigt er die Ergebnisse von 14 Jahren Demokratie. Im Zuge der »Gleichschaltung« werden Staat, Wirtschaft, Kultur und das gesamte öffentliche Leben auf die Ziele des Nationalsozialismus verpflichtet. Wer den neuen Machthabern nicht passt, wird aus dem Beruf gedrängt, verhaftet, getötet oder zur Emigration gezwungen.

„Gleichschaltung“ der „Volksgemeinschaft“

Der Einparteienstaat beruht jedoch nicht allein auf Unterdrückung und Gewalt, er kann sich auf eine wachsende Zustimmung breiter Schichten des Volkes stützen. Vor 1933 hatte die NSDAP vor allem bei den vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschichten ihre Wähler gefunden: Kleinbauern, Einzelhändler, Handwerker und Angestellte. Ihr gemeinsames Motiv zur Wahl der Hitler-Partei war die Erwartung, diese werde durch ein autoritäres Regime allen Arbeit und Brot verschaffen. Einmal im Besitz der Macht, gelingt es Hitler, durch den ständigen Appell an die »Volksgemeinschaft« und die »nationale Ehre« auch in das zuvor so festgefügte katholische Milieu und in die Arbeiterbevölkerung einzubrechen.

Dabei versteht es Hitler, die überaus heterogenen Kräfte seiner Anhängerschaft zusammenzuhalten. Dem lange geschürten Judenhass seiner Stammwähler gibt er am 1. April freien Lauf, als im ganzen Reichsgebiet jüdische Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte boykottiert werden. Die Ausschaltung der Gewerkschaften und die Beseitigung der Tarifautonomie sichern Hitler die Unterstützung auch jener Teile der Wirtschaft, die bis dahin der NSDAP ferngeblieben waren. Der allmählich einsetzende Konjunkturaufschwung und eine großangelegte Arbeitsbeschaffung führen zu einem allmählichen Abbau der Erwerbslosigkeit und verschaffen dem Regime eine größere Akzeptanz bei den Arbeitern.

Kooperationsverträge und Austritt aus dem Völkerbund: Hitlers Politik mit doppeltem Boden

Außenpolitisch verfolgt Hitler eine Doppelstrategie: Durch den Abschluss des Reichskonkordats mit dem Vatikan und die Unterzeichnung des Viermächtepakts mit Frankreich, Großbritannien und Italien stellt sich Deutschland als verlässlicher und friedenswilliger Partner dar. Mit dem Austritt aus dem Völkerbund demonstriert Hitler seine Entschlossenheit, die durch den Versailler Friedensvertrag von 1919 verlorenen Gebiete notfalls auch gewaltsam zurückzugewinnen.

Was waren die Ursachen für die »deutsche Katastrophe«, wie der Historiker Friedrich Meinecke die Vorgänge des Jahres 1933 nennt? Die Ereignisse am 30. Januar, Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, waren das Ergebnis taktischer Bündnisse mit der bürgerlichen Rechten und der Einwirkung von Teilen der Industrie und reaktionärer Großagrarier auf den greisen Reichspräsidenten von Hindenburg. Den Boden für die nationalsozialistische Machtübernahme haben unstreitig der verlorene Erste Weltkrieg, die harten Friedensbedingungen von Versailles, die geringe Festigung der Demokratie vor allem beim konservativen Bürgertum, die Zersplitterung der politischen Mitte und Linken sowie die Weltwirtschaftskrise bereitet, in deren Verlauf die NSDAP zur stärksten Partei im Deutschen Reich aufstieg.

Antidemokraten gewinnen in Europa, Demokraten in den USA


Undatiert Engelbert Dollfuß (1892-1934), österreichischer Politiker der Christlichsozialen Partei, Bundeskanzler, Außenminister (1932-1934), beim Abschreiten einer militärischen Ehrenformation. Dollfuß wurde 1934 Opfer eines nationalsozialistischen Umsturzversuches.

Während sich in Deutschland eine Diktatur etabliert, wächst auch in anderen europäischen Ländern angesichts des scheinbaren Versagens des Parlamentarismus die Bereitschaft zu autoritären Lösungen. In Österreich regiert der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ohne eine Volksvertretung. Der Herausforderung des Nationalsozialismus setzt er die Idee eines Ständestaates entgegen, der sich an mittelalterlichen Vorbildern orientiert. In Portugal und Estland werden autoritäre Präsidialverfassungen per Volksabstimmung gebilligt, in der Tschechoslowakei und einigen anderen Ländern gibt das Parlament durch ein Ermächtigungsgesetz seine Macht als Gesetzgeber zeitweise an die Staatsführung ab, um die innenpolitischen Verhältnisse zu stabilisieren.

Eine andere Antwort auf das offenkundige Versagen der reinen Marktwirtschaft im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit geben die gleichfalls von der Wirtschaftskrise schwer getroffenen Vereinigten Staaten. Hier versucht der am 4. März vereidigte Präsident Franklin D. Roosevelt, die Depression mit dirigistischen Methoden zu beseitigen, ohne dabei die Demokratie aufs Spiel zu setzen. Im Zeichen seiner Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik des »New Deal« will Roosevelt die Arbeitslosigkeit mit Hilfe eines nationalen Aufbauprogramms überwinden, das die Stellung der Arbeitnehmer durch die Zulassung von Gewerkschaften stärkt und die wirtschaftliche Aktivität der Unternehmen durch eine faire Konkurrenz anregt. Diese Kampagne wird ergänzt durch großangelegte Arbeitsbeschaffungsvorhaben und Hilfen für die vom Preisverfall betroffenen Farmer.

Flugrekorde und „Volksempfänger“ –Beginn der (inneren) Emigration deutscher Künstler


Fiakerball im zweiten Akt von Richard Strauss' "Arabella"; Mandryka u. Arabella treffen sich hier zum ersten Mal.

Gegenüber diesen grundsätzlichen politischen Weichenstellungen treten im Bewusstsein der Zeitgenossen die technischen, sportlichen und kulturellen Großereignisse in den Hintergrund. Schlagzeilen machen die Weltausstellung in Chicago, der Flug des Balbo-Geschwaders über den Nordatlantik, die Geburt des »Volksempfängers«, die erste Weltumrundung des US-Amerikaners Wiley Post im Alleinflug und der Griff des italienischen »Riesenbabys« Primo Carnera nach dem Titel des Box-Weltmeisters aller Klassen.

Zu den meistbeachteten kulturellen Ereignissen im Deutschen Reich gehört die Uraufführung von Richard Strauss’ Oper »Arabella«. Strauss ist einer der wenigen deutschen Musiker von Rang, die nach dem 30. Januar in Deutschland bleiben. Zahllose andere Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle verlassen ihre Heimat oder ziehen sich in die »innere Emigration« zurück. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten beginnt für das Deutsche Reich eine Epoche geistiger Verödung und Isolation.

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