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Das Jahr 1934

Die Welt im Zeichen des Rüstungswettlaufs

Abrüstung und Sicherheit sind die außenpolitischen Hauptschlagworte des Jahres 1934. Praktiziert wird jedoch weltweite Aufrüstung. Das Zustandekommen eines Abrüstungsabkommens der Mitgliedsstaaten des Völkerbunds in Genf scheitert. Zudem kündigt Japan das Flottenbegrenzungsabkommen mit den USA und Großbritannien. Der Rüstungswettlauf ist trotz aller Appelle und beschönigenden Reden von Politikern der großen Mächte in vollem Gange.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht das nationalsozialistische Deutsche Reich. Die meisten Staatsregierungen üben Zurückhaltung gegenüber der teils verdeckten und teils offenen deutschen Aufrüstung. In Großbritannien versuchen führende Politiker, im Deutschen Reich ein »Bollwerk« gegen den Bolschewismus zu sehen. Lediglich Frankreich brandmarkt offen die deutsche Politik und kündigt an, vor dieser »Herausforderung« nicht zurückweichen zu wollen.

Jahr der zwischenstaatlichen Bündnisse

Infolge dieser Entwicklung ist die Bündnispolitik weltweit in Bewegung geraten. Schon 1933 waren das Deutsche Reich und Japan aus dem Völkerbund ausgetreten, dessen Rolle als »Weltpakt« infrage gestellt ist. Zugleich versuchen alle Großmächte, durch Verträge ihre Machtpositionen zu sichern und auszubauen. 1934 ist daher ein Jahr der zwischenstaatlichen Bündnisse: Der Deutsch-Polnische Nichtangriffspakt, der Balkanpakt zwischen Griechenland, Jugoslawien, Rumänien und der Türkei, die Römischen Protokolle zwischen Italien, Österreich und Ungarn, der Baltenpakt zwischen Estland, Lettland und Litauen und andere Verträge dienen der Absicherung von Einflussgebieten oder nationalen Sicherheitsinteressen. Mit der großen Zahl der Bündnisse verschärfen sich jedoch die Interessengegensätze und Spannungen zwischen den Machtblöcken. Die Kriegsgefahr wächst.

Autoritäre Regimes breiten sich weiter aus: Kanzlermord in Österreich, Diktaturen im Baltikum


Jossif (Josef) Wissarionowitsch Stalin eigentl. Dschugaschwili; sowjetischer Politiker; 21.12.1879 - 5.3.1953

In Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt sind faschistische Bewegungen und diktatorische Regierungen auf dem Vormarsch. Am 12. Februar zerschlägt das Wiener Dollfuß-Regime die österreichische Sozialdemokratie. Der 30. April markiert das Ende der Republik in Österreich: Das Rumpfparlament nimmt die »Bundesverfassung 1934« an. Österreich wird ein Ständestaat faschistischer Prägung. Das Land kämpft um seine Unabhängigkeit vom nationalsozialistischen Deutschen Reich, das den Anschluss Österreichs fordert und durch seine Politik die innenpolitische Lage des Alpenstaats zu destabilisieren sucht. Am 25. Juli wird Bundeskanzler Engelbert Dollfuß bei einem nationalsozialistischen Putschversuch in Wien ermordet. Der Putsch scheitert jedoch, nicht zuletzt, weil Österreich vom faschistischen Italien unterstützt wird.

In Portugal kann sich die Diktatur von António de Oliveira Salazar gegen einen Generalstreik der unzufriedenen Arbeiterschaft behaupten. In Estland errichtet Konstantin Päts am 12. März eine Diktatur, in Lettland folgt Karlis Ulmanis im Mai seinem Beispiel. In Brasilien genehmigt die Nationalversammlung am 16. Juli eine Bundesverfassung und verankert damit die Macht des autoritär-nationalistischen Regimes unter Getúlio Dornelles Vargas. In der Sowjetunion baut Josef W. Stalin seine Macht weiter aus. Im Vorfeld des XVII. KPdSU-Parteitags am 26. Januar werden rund 300 000 Mitglieder aus der Partei ausgestoßen. Im Dezember startet Stalin die blutige Zerschlagung der »trotzkistischen Opposition« in der Sowjetunion.

NSDAP beseitigt alle Gegner, Hitler wird im „Einheitsstaat“ zum Alleinherrscher

Im Deutschen Reich hat das nationalsozialistische Regime unter Adolf Hitler seine Macht weiter gefestigt. Drei Ereignisse markieren das Ende der »nationalsozialistischen Revolution« und unterstreichen den Machtanspruch der NS-Führung in allen Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens: Durch das »Gesetz zum Neuaufbau des Reiches« vom 30. Januar werden die Länderparlamente aufgehoben und die Länderregierungen der Reichsregierung unterstellt. Das Deutsche Reich ist nun ein »Einheitsstaat«, und die NS-Regierung hat unbeschränkte Vollmacht.

Die innerparteiliche Opposition in der NSDAP wird bei der Niederschlagung des sog. Röhm-Putsches blutig liquidiert. Die Führung des NS-Regimes entledigt sich bei dieser Aktion der Kritiker, denen die Politik Hitlers nicht nationalsozialistisch genug gewesen ist. Gleichzeitig nutzt das Regime die Gelegenheit, auch andere Oppositionelle, insbesondere aus konservativen Kreisen, zu beseitigen. Ohne Skrupel erklärt die Reichsregierung das Blutbad nachträglich durch ein Gesetz für rechtens.

Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg am 2. August übernimmt Hitler auch dessen Amt und vereinigt so die höchsten Partei-, Regierungs- und Staatsämter in seiner Hand. Diese Machtballung wird durch eine Volksabstimmung im Nachhinein abgesichert.

Die Wirtschaftspolitik im Deutschen Reich ist geprägt vom Bemühen der NS-Regierung, durch gigantische Arbeitsbeschaffungsprogramme die Arbeitslosen von der Straße zu holen. Am 21. März eröffnet Hitler die »Arbeitsschlacht«, in deren Rahmen vor allem Autobahnen und Straßen gebaut werden. Auch die Automobilindustrie wird massiv gefördert. Der Ausbau des Straßennetzes und der Kfz-Produktion dient nicht nur dem wirtschaftlichen Wiederaufbau und der Verbesserung der Infrastruktur. Er wird maßgeblich von militärstrategischen Überlegungen bestimmt.

Zensur und Auftrittsverbote: Missliebige werden mundtot gemacht


Wilhelm Furtwängler

Alle Bereiche des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens unterliegen nach der sog. Gleichschaltung nationalsozialistischer Kontrolle. Im Deutschen Reich kann kein Buch veröffentlicht, keine Zeitung gedruckt, kein Film gedreht und kein Theaterstück aufgeführt werden ohne Zustimmung der NS-Behörden. Missliebige und »nichtarische« Künstler werden durch Auftrittsverbote und massiven Druck aus dem Deutschen Reich vertrieben. Für Aufsehen sorgt der deutsche Dirigent Wilhelm Furtwängler, der sich in einem offenen Brief für den angefeindeten Komponisten Paul Hindemith einsetzt. Furtwängler widersetzt sich damit offen dem Anspruch der NS-Führung, alle Bereiche der Kunst kontrollieren zu wollen.

Auch in deutschen Kirchenkreisen formiert sich der Widerstand gegen das Regime. Ende Mai konstituiert sich in Barmen die Bekennende Kirche, die sich offen gegen staatliche Repressionen wehrt, denen Pfarrer und Gläubige in zunehmendem Maße ausgesetzt sind.

Selbst der Sport wird 1934 von der Politik überschattet. Die Fußballweltmeisterschaft in Italien gerät zu einer Propagandaschau für das faschistische Regime. Im Deutschen Reich laufen die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 1936 an, die das nationalsozialistische Regime als gigantische Selbstdarstellungsschau gestalten will. Sportliche Höchstleistungen werden von den NS-Machthabern propagandistisch umgemünzt und in der Öffentlichkeit als Symbole für den Siegeswillen des »neuen Deutschlands« dargestellt.

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Briefmarke zum Tode von Reichspräsident von Hinden...
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