Das Jahr 1948
Der Kalte Krieg beginnt
Im Jahr 1948 ist das Bündnis der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges bereits zerbrochen. Der Kalte Krieg zwischen den Weltmächten USA und UdSSR überschattet das weltpolitische Geschehen.
In Osteuropa wird die Tschechoslowakei als letztes Land zu einer kommunistisch geführten Volksrepublik nach sowjetischem Muster. Für Westeuropa bedeutet die Gewährung der Marshallplanhilfe durch die Vereinigten Staaten von Amerika eine Chance zum wirtschaftlichen Wiederaufbau und zur politischen Stabilisierung.
Gründung Israels, Sieg Maos, Mord an Gandhi
Auf einer Reihe weiterer Krisenschauplätze der Welt zeichnen sich entscheidende Wendungen ab: So kommt es in Palästina nach der Gründung des Staates Israel zum Krieg mit den Ländern der Arabischen Liga. Die Streitkräfte des jüdischen Staates können sich gegen den Ansturm behaupten.
In China befinden sich die kommunistischen Truppen unter Führung von Mao Tse-tung auf dem Vormarsch; die Armeen Chiang Kai-sheks müssen die strategisch wichtige Mandschurei räumen.
Auf dem indischen Subkontinent dauern die religiös motivierten Unruhen an. Dabei fällt der Vater der indischen Unabhängigkeit, Mohandas Karamchand (»Mahatma«) Gandhi, einem Attentat zum Opfer.
Berlin-Blockade und Währungsreform: Trotz Teuerung Ende des Mangels
Deutschland steht im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Ost und West. Es zeichnet sich die endgültige Spaltung des Landes ab. Die Etappen auf dem Weg dorthin sind der Auszug der UdSSR aus dem Alliierten Kontrollrat in Berlin und die Blockade der Westsektoren Berlins durch die UdSSR nach der Durchführung der Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen. Die Versorgung der Stadt Berlin wird daraufhin mit Flugzeugen sichergestellt: Die Luftbrücke entwickelt sich zum größten – und erfolgreichsten – Lufttransportunternehmen in der Geschichte der Luftfahrt.
Im September konstituiert sich in Bonn der Parlamentarische Rat. Vertreter aus allen drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands beraten dort über ein Grundgesetz für einen künftigen westdeutschen Staat. Auch in der Ostzone wird über eine deutsche Verfassung debattiert.
In wirtschaftlicher Hinsicht bringt das Jahr 1948 mit der Währungsreform einen tiefen Einschnitt. Mit einem Schlag ist die Zeit des Mangels und der Rationierung in den westlichen Besatzungszonen vorbei. Das neue Geld, die Deutsche Mark (DM), ist wieder etwas wert.
Trotz gefüllter Schaufensterauslagen sind aber auch negative wirtschaftliche Folgen unübersehbar: So steigt die Zahl der Arbeitslosen; Waren und Dienstleistungen werden immer teurer.
Polaroidkamera revolutioniert die Fotoindustrie
Weiterentwicklungen und Verbesserungen sind aus den Bereichen Wissenschaft und Technik zu melden. Im militärischen Flugzeugbau setzt sich das Strahltriebwerk durch und ermöglicht immer neue Geschwindigkeitsrekorde. Die Fotoindustrie wartet mit einer kleinen Sensation auf: Die in den USA vorgestellte Polaroidkamera liefert fertige Fotos in Sekunden.
Damit auch die deutsche Forschung wieder Anschluss an das internationale Niveau findet, wird 1948 in Göttingen mit der Gründung der Max-Planck-Gesellschaft ein erster Schritt zur Förderung der Wissenschaft getan.
Große (englischsprachige) Literatur und italienischer Neorealismus
Das Jahr 1948 bringt einige herausragende Theateraufführungen: Bertolt Brechts Schauspiel »Herr Puntila und sein Knecht Matti« erlebt in Zürich seine Uraufführung. Große Resonanz findet bei seiner deutschen Erstaufführung das Drama »Die schmutzigen Hände« des französischen Schriftstellers und Philosophen Jean-Paul Sartre. Umstritten ist das Drama »Armut, Reichtum, Mensch und Tier« von Hans Henny Jahnn.
In der Literatur setzen vor allem englischsprachige Autoren Akzente: So wird das Werk des britischen Dichters Thomas Stearns Eliot mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. In den USA erregt der Erstling des 25-jährigen Norman Mailer »Die Nackten und die Toten«, ein Roman, der sich mit dem Pazifikkrieg auseinandersetzt, Aufsehen. Der US-amerikanische Schriftsteller Thornton Wilder unterstreicht mit seinem neuen Roman »Die Iden des März« seine herausragende literarische Bedeutung.
Europas Filmschaffen wird von den Regisseuren des italienischen Neorealismus geprägt. Zu nennen ist vor allem Vittorio De Sicas »Fahrraddiebe«. Einer der wenigen deutschen Filme des Jahres ist Robert A. Stemmles »Berliner Ballade«, in der »Otto Normalverbraucher« zum Filmhelden wird.
Erstes Nachkriegsolympia in London ohne Deutschland, Japan und die UdSSR
Sportlicher Höhepunkt dieses Jahres sind die Olympischen Spiele. Sie finden nach zwölfjähriger Unterbrechung erstmals wieder statt. Bei den Sommerspielen kommen Sportler aus 59 Nationen in der britischen Hauptstadt London zusammen. Deutschland und Japan bleibt die Teilnahme versagt; die UdSSR lehnt von sich aus eine Beteiligung ab. Herausragende Sportlerin bei den XIV. Sommerspielen ist die Niederländerin Fanny Blankers-Koen, die insgesamt vier Goldmedaillen erringt. Austragungsort für die V. Winterspiele ist das schweizerische Sankt Moritz.
Im deutschen Sport wird zum ersten Mal seit Kriegsende wieder die Fußballmeisterschaft ausgetragen. Deutscher Meister des Jahres 1948 wird der 1. FC Nürnberg. 1948 beendet auch ein Idol seine Laufbahn: Der Boxer Max Schmeling erklärt nach einem verlorenen Kampf seinen Rücktritt.