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Das Jahr 1959

Revolution auf Kuba – Gespräche zwischen den Supermächten


24.01.1959 / Kuba Fidel Castro während seines "Marsches nach Havanna".

Die Revolution auf Kuba, mit der die Rebellen um Fidel Castro dem diktatorischen Batista-Regime ein Ende setzen, ist im Rückblick das herausragende außenpolitische Ereignis des Jahres. Da jedoch die Machtübernahme nicht unter kommunistischem Vorzeichen erfolgt und die USA Castro und der Revolution zunächst mit Sympathie begegnen, werden die weltpolitischen Dimensionen dieses Machtwechsels noch nicht sichtbar. Die Kubakrise des Jahres 1962 sieht niemand vorher.

In den Beziehungen der Supermächte zueinander löst die Bereitschaft zu Gesprächen den seit 1947 verfolgten Konfrontationskurs ab. Persönliche Kontakte der Spitzenpolitiker sollen ein Ende des Kalten Krieges herbeiführen: US-Vizepräsident Richard Nixon besucht die UdSSR, und der sowjetische Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow fährt als erster Kreml-Führer in die USA. Konkrete Ergebnisse werden bei diesen Gipfeltreffen allerdings noch nicht erzielt. Das gegenseitige Misstrauen bleibt. Selbst wissenschaftlich-technische Errungenschaften erhalten 1959 eine politische Dimension: Als der erste Flugkörper – die sowjetische Raumsonde »Lunik 2« – auf dem Mond aufschlägt und dabei die Flagge der UdSSR auf dem Erdtrabanten absetzt, beginnt im Westen eine Diskussion über befürchtete sowjetische Hoheitsansprüche auf dem Mond.

Wegen starrer Haltung der Bundesrepublik keine Fortschritte in der Vereinigungsfrage

Ergebnislos endet die Genfer Außenministerkonferenz der vier Siegermächte, an der auch Vertreter beider Teile Deutschlands teilnehmen. Positive Ansätze zum Abbau der Spannungen scheitern nicht zuletzt an der Haltung der Bundesregierung, die gegenüber der UdSSR und der DDR keine Kompromisse eingehen will. Die Bundesregierung hält konsequent an der Hallstein-Doktrin von 1955 fest und verweigert der DDR jede Form der Anerkennung. Auch Vorschläge der Westmächte zu einer Neutralisierung Deutschlands als Gegenleistung für die Wiedervereinigung lehnt Bonn ab. Eine Veränderung des Status quo liegt nicht im Interesse der Bundesregierung, die eine feste Einbindung in das westliche Bündnis einer Wiedervereinigung mit unsicherer Zukunft vorzieht. Zu gering ist das Vertrauen in die Friedensbereitschaft der Sowjetunion, die erst im November 1958 eine Lösung der Berlin-Frage durch das »Chruschtschow-Ultimatum« erzwingen wollte. Zwar verstreicht das Ultimatum im Mai ohne Konsequenzen, doch fühlen sich die meisten Bundesbürger nach wie vor bedroht.

Nicht Adenauer, sondern Lübke wird Präsident – „Godesberger Programm“ verändert die SPD


Heinrich Lübke (1894-1972), deutscher Politiker. Undatierte Aufnahme.

Innenpolitisches Dauerthema des Jahres ist das »persönliche Regiment« von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Der 83-jährige Regierungschef entschließt sich überraschend zur Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten. Sehr bald wird ihm jedoch deutlich, dass seine Pläne, auch als Staatsoberhaupt die Richtlinien der Politik zu bestimmen, mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren sind. Resigniert tritt er von seiner Kandidatur zurück. Neuer Bundespräsident als Nachfolger des liberalen Vorgängers Theodor Heuss wird Heinrich Lübke, ein Politiker, dem zwar allgemein hohe Achtung entgegengebracht wird, dessen politisches Profil jedoch nicht sonderlich ausgeprägt ist.

Aus der Tatsache, dass wirtschaftlicher Aufschwung und politische Stabilität der Bundesrepublik von den Wählern allein der CDU zugutegehalten werden, zieht die SPD nach drei verlorenen Wahlen Konsequenzen: Mit ihrem »Godesberger Programm«, in dem sie die marktwirtschaftliche Ordnung sowie die Landesverteidigung durch die Bundeswehr akzeptiert, will die SPD den Wandel von der Arbeiter- zur Volkspartei vollziehen.

Wachsender Wohlstand, kritische Filme und neue deutsche Literatur

Die materiellen Errungenschaften des bundesdeutschen Wirtschaftswunders kommen 1959 breiten Bevölkerungsschichten zugute. Deutlich wird dies auch an der ersten Ausgabe von Volksaktien. Die Zahl der Eigenheimbesitzer wächst. Autos, die Wohnungseinrichtung oder der Urlaub sind selbst für viele Bezieher kleinerer Einkommen finanzierbar. Entsprechend dem Leitsatz »Haste was, biste was«, kultivieren die Bundesbürger das Leistungsdenken. Die Appelle von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard zum »Maßhalten« nimmt kaum jemand ernst.

Das Festhalten an Bewährtem bestimmt überwiegend das kulturelle Geschehen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Theater spielen Klassiker, und auch an den Opernbühnen herrscht das klassische Repertoire vor. Gegenüber der französischen »Nouvelle vague« bietet der bundesdeutsche Film nur biedere Hausmannskost. Achtungserfolge erzielen Produktionen, die sich mit der jüngsten deutschen Vergangenheit auseinandersetzen, so »Die Brücke« von Bernhard Wicki oder Wolfgang Staudtes »Rosen für den Staatsanwalt«. Ein spektakulärer Durchbruch gelingt dagegen Günter Grass, Heinrich Böll und Uwe Johnson, die für die deutsche Literatur einen Platz auf internationaler Ebene erobert haben.

Fernsehquiz und Fernwehschlager – Westdeutsche zufrieden mit dem Erreichten

Das Fernsehprogramm des Jahres 1959 präsentiert vornehmlich heitere Fragespiele wie das Kulenkampff-Quiz »Sieben auf einen Streich« und volkstümliche Komödien. Südsee- und Seemannsromantik, wie sie von Freddy Quinn besungen werden, sorgen für hohe Schallplattenumsätze und offenbaren damit den Wunsch der Bundesbürger nach einer heilen Welt. Die verdrängte Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit wird überdeckt durch eine Heiterkeit um jeden Preis. Die Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich belegen dieses Phänomen später mit dem Schlagwort von der »Unfähigkeit zu trauern«.

Mit sich, ihrer Wiederaufbauleistung und ihrem Wohlstand zufrieden, schließen die Bundesbürger die 50er Jahre ab. Sorge bereitet ihnen nur die Teilung Deutschlands und die vielbeschworene Bedrohung aus dem Osten. Mit dem Gefühl, im »freien Westen« und damit auf der richtigen Seite zu leben, glauben die meisten Menschen gerne den Beteuerungen der Politiker, dass die deutsche Einheit in Wohlstand und Freiheit nur eine Frage der Zeit sei.

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Berlin bleibt frei "Am 1. Mai 1959"
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