Das Jahr 1962 Das Jahr der großen Sturmflut – während der Kubakrise droht der Dritte Weltkrieg1962 ist ein Jahr, in dem sich vieles ereignet, was sich ins Gedächtnis der Zeitgenossen eingegraben hat: Der Tod Peter Fechters an der deutsch-deutschen Grenze, die Hamburger Sturmflut und die prunkvolle Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Ereignis überschattet das Jahr – die Kubakrise. 17 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges halten die Menschen wieder den Atem an. Durch die Stationierung von Abschussbasen für Atomraketen auf Kuba provoziert die Sowjetunion eine Auseinandersetzung mit der US-Regierung. Die Welt steht für Stunden an der Schwelle zum Dritten Weltkrieg. Die Gefahr ist erst gebannt, als der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow seine Waffen aus Kuba zurückzieht.
Die Kubakrise ist ein vorläufiger Höhepunkt im Kalten Krieg zwischen den beiden Supermächten. Sie macht deutlich, dass eine Phase der Entspannung, auf die viele Menschen nach dem Treffen von Chruschtschow und US-Präsident John F. Kennedy 1961 in Wien gehofft hatten, noch in weiter Ferne liegt. Im Gegenteil, eine Entspannung der Supermächte ist angesichts des Ausbaus Kubas zum vorgeschobenen Stützpunkt der UdSSR unmittelbar vor der US-Küste und angesichts des Mauerbaus in Berlin 1961 kaum denkbar. Für die US-Amerikaner bleibt nach der Kubakrise die traumatische Vorstellung, dass sie auf ihrem Territorium angegriffen werden können. Ende des Kolonialzeitalters: Algerien wird nach langem Krieg unabhängigFür Frankreich geht 1962 die Algerien-Krise zu Ende, die in ihren Auswirkungen bis in die 70er Jahre spürbar bleibt. Seit 1954 kämpften französische Truppen gegen die algerische Unabhängigkeitsbewegung. Nach einem eingeschränkten Autonomiegesetz 1958 gewährt Frankreich dem nordafrikanischen Staat im Abkommen von Évian-les-Bains die volle Unabhängigkeit. Im Vorfeld hatte vor allem die französische Intelligenz heftig gegen die koloniale Politik der französischen Regierung protestiert, auch international war Frankreich verstärkt unter Druck geraten. Mit der Unabhängigkeitserklärung Algeriens ist das Zeitalter des Kolonialismus für Afrika nahezu abgeschlossen. Die Forderung »Afrika den Afrikanern« ist weitgehend erfüllt. „Spiegel-Affäre“: Minister Strauß schränkt Pressefreiheit ein und muss zurücktretenDas politische Geschehen in der Bundesrepublik wird von einem Ereignis bestimmt, das die weitere Geschichte des Landes nachhaltig beeinflussen wird: Die Affäre um das Hamburger Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«. Einen ausführlichen Artikel über das NATO-Herbstmanöver Fallex 62 nimmt die Bundesstaatsanwaltschaft zum Anlass, gegen das Magazin unter dem Vorwurf des Landesverrats vorzugehen. Leitende Mitarbeiter, unter ihnen Conrad Ahlers und Herausgeber Rudolf Augstein, werden in Haft genommen, die Redaktionsräume durchsucht und für mehrere Wochen geschlossen. Schnell verdichten sich Hinweise, dass Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß in die Affäre verwickelt ist. Das Vertrauen in die Bundesregierung ist nach dem Bekanntwerden der Hintergründe nachhaltig erschüttert. Auch der Rücktritt von Strauß kann den Imageverlust der Regierung Adenauer nicht ausgleichen. Der Begriff »Spiegel-Affäre« wird zum Synonym für den Versuch, kritische Presseberichterstattung mit Sanktionen zu unterbinden. Immer dann, wenn sich in den folgenden Jahren Regierungsbehörden und Medien gegenüberstehen, wird die »Spiegel-Affäre« als ein Fall beschworen, der nie wieder eintreten dürfe. Massenanwerbung südeuropäischer Arbeitskräfte im bundesdeutschen WirtschaftsrekordjahrDen Bundesbürgern geht es 1962 so gut wie nie. Der Bedarf an Arbeitskräften ist so groß, dass er durch die einheimische Bevölkerung nicht gedeckt werden kann. Vor allem aus den südeuropäischen Ländern werden Arbeitskräfte angeworben. Der Gedanke, dass der massenhafte Zuzug von ausländischen Arbeitskräften in wirtschaftlichen Krisenzeiten zu erheblichen sozialen Spannungen führen werde, ist deutschen Wirtschafts- und Sozialpolitikern fern.
Die Meldungen von Beschäftigungsrekorden gehen einher mit Warnungen und Mahnungen, dass der Höhepunkt der Konjunktur erreicht sei. Wirtschaftsminister Ludwig Erhardt fordert die Deutschen zum Maßhalten auf, da die Wirtschaftsdaten für 1962 einen spürbaren Rückgang der Exporte anzeigen – mit allen Konsequenzen für die Konjunktur. Marilyn Monroes mysteriöser TodKulturereignisse werden 1962 vom mysteriösen Tod Marilyn Monroes überschattet. Um den Star der frühen 50er Jahre war es in den letzten Jahren stiller geworden. Ihr Tod hebt sie wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. »Selbstmord oder Mord?« fragt die Presse in der ganzen Welt. Marilyn Monroe wird, nicht zuletzt durch die rätselhaften Todesumstände und die hartnäckigen Gerüchte über eine Affäre mit John F. Kennedy, zur Legende. Bis in die Gegenwart gehört sie zu den wenigen Idolen, die auch nachfolgende Generationen faszinieren.
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