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Das Jahr 1969

Spektakuläre US-Mondlandung – brutale Kriege in Asien und Afrika


20.07.1969 Das wohl bekannteste Foto der ersten Astronauten-Landung auf dem Mond.

Das Jahr 1969 zeigt nachdrücklich, wie eng Licht und Schatten in der historischen Entwicklung beieinanderliegen. Auf der einen Seite steht der berühmte, per Funk zur Erde übermittelte Satz des ersten Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong: »Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung vorwärts für die Menschheit.« Die andere Seite ist gekennzeichnet von der Grausamkeit der Kriege auf dem Planeten Erde, so vor allem in Vietnam und Biafra. Die Menschheit sieht mit der von den Massenmedien als weltweites Spektakel inszenierten Mondlandung einen ihrer kühnsten technischen Träume verwirklicht, während gleichzeitig Hunderttausende von Menschen im Jahr 1969 im Krieg getötet werden. Auf ganz unterschiedliche Weise stehen dabei die USA im Brennpunkt der Weltöffentlichkeit.

In Frankreich vollzieht sich nur scheinbar ein nahtloser Übergang von Charles de Gaulle zu dem Gaullisten Georges Pompidou. Es gibt zwar rasch eine personelle Antwort auf die immer wieder gestellte Frage: Was kommt nach de Gaulle? Aber die Ungewissheit über die politische Entwicklung Frankreichs im Jahr nach den 68er Maiunruhen bleibt weiterhin bestehen. Der Rücktritt Charles de Gaulles, des Architekten der Fünften Republik, verändert ganz wesentlich die Rahmenbedingungen für die von vielen angestrebte Erweiterung der EWG.

SPD stellt mit Willy Brandt erstmals den Bundeskanzler


28.09.1969 / Bonn, Deutschland Deutschlands Außenminister und Vorsitzender der SPD, Willy Brandt (1913-1992) gibt ein kurzes Fernseh-Interview in der Parteizentrale. Laut ersten Meldungen sieht es so aus, als würde die SPD von der CDU eingeholt.

Aufbruchstimmung herrscht in der Bundesrepublik Deutschland nach der Wahl von Willy Brandt zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler. Die CDU muss nach 20 Jahren die Regierungsmacht abgeben. Die Wahl Brandts wirft ein Schlaglicht auf die Reformbedürftigkeit der Politik, die in der Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg von der CDU/CSU bestimmt worden ist. Es waren und sind vor allem Vertreter der Studentenbewegung und der Außerparlamentarischen Opposition (APO), die Alternativen zu bestehenden Strukturen aufzeigen, Kritik an autoritär-hierarchischen Verhältnissen üben und Mitbestimmung fordern. Die Entwicklung des Kulturbetriebs, aber auch Veränderungen in den Kirchen belegen die wachsende Politisierung. Parallel dazu beanspruchen Arbeiter und Gewerkschaften ihren Anteil am wachsenden Reichtum und eine verstärkte Beteiligung an innerbetrieblichen Entscheidungen.

Ihrerseits gelangen APO und die von Studenten getragene Protestbewegung an einen Scheideweg: Sollen sie weiterhin eine radikale Alternative zur bestehenden Gesellschaft verfolgen oder den Rückzug antreten und sich mit reformerischen Kompromissen zufriedengeben? Der Sozialwissenschaftler Jürgen Habermas schreibt 1969 in einem Essay Sätze, die über das Jahr hinaus gültig bleiben: »Die Protestbewegung darf nicht in die vorhersehbare Niederlage ihrer aktionistischen Irrläufer hineingezogen werden. Andererseits sollten die Konservativen die Folgen einer kurzfristig gewiss durchsetzbaren repressiven Befriedung der Universitäten nicht verkennen.« Der nicht mehr auf die Universitäten beschränkte Kampf um mehr Demokratie und gegen autoritäre Repressionen bleibt in den 70er Jahren ebenso ein wichtiges Thema wie die Auseinandersetzung um Mittel und Wege in diesem Kampf. Der Sieg der SPD bei den Bundestagswahlen im September hat seine Wurzeln nicht zuletzt in der Integration eines großen Teils dieses ProtestpotenzialsSo nimmt es nicht wunder, dass Willy Brandt in seiner Regierungserklärung auch ein Anliegen radikaler Kritiker der bundesrepublikanischen Verhältnisse aufgreift: »Wir wollen mehr Demokratie wagen... Wir wollen eine Gesellschaft, die mehr Freiheit bietet und mehr Verantwortung fordert.«

Regierung sucht Entspannung mit den östlichen Nachbarn

Auch außenpolitisch setzt die sozialliberale Koalition mit ihrer Entspannungspolitik bereits kurz nach dem Regierungswechsel neue Akzente, die zur Auflockerung der starren Fronten im Ost-West-Gegensatz beitragen. So beginnen Gespräche mit der Sowjetunion über ein Gewaltverzichtsabkommen, das im folgenden Jahr unterzeichnet wird. Der Weg zu den sog. Ostverträgen läutet ein neues Kapitel in den internationalen Beziehungen der Nachkriegszeit ein – auch wenn deren Auswirkungen erst Jahre später sichtbar werden.

Fotos des Jahres

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Berlin Gedächtniskirche 1969
Französischer Wochenmarkt
Die Düsseldorfer Beat-Band "The Shatters" beim Abs...
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1969: Im Anflug auf Berlin Tempelhof
1969: Schwerer Autounfall bei Gießen
NVA Offiziersschüler beim Spind aufräumen
Säckingen am Rhein
Mein erster Schultag
 

Das Jahr 1969

Spektakuläre US-Mondlandung – brutale Kriege in Asien und Afrika

SPD stellt mit Willy Brandt erstmals den Bundeskanzler

Regierung sucht Entspannung mit den östlichen Nachbarn

Arbeit und Soziales 1969:

Sozialpolitik in der Bundesrepublik mit größerem Gewicht

Neues Berufsbildungsgesetz schließt Gewerkschaftsmitsprache aus

Ausländische Arbeitskräfte müssen gegen Diskriminierungen kämpfen

Architektur 1969:

Alternative zu Wohnghettos

Auto 1969:

Liebstes Kind der deutschen Wohlstandsgesellschaft

Erforschung von Antriebsarten

Opel CD – Rüsselsheimer Spitzenkreation

Mercedes-Sportwagen mit Wankel-Motor

Große Nachfrage nach sportlichen Coupés

Renner der Saison: Der Capri von Ford

Bildungswesen 1969:

Chancengleichheit als Ziel

Mengenlehre im Mathe-Unterricht

»Summerhill« wird zum Verkaufsschlager

Industriegesellschaft fordert neue Bildungsziele in der Bundesrepublik und in der DDR

Essen und Trinken 1969:

Chemie in Lebensmitteln schreckt Verbraucher auf

Diätwelle nicht mehr aufzuhalten: Auf den Wohlstandsbauch folgt der Schlankheitswahn

Mode 1969:

Von der Hippie-Romantik bis zum Astronauten-Look

Verkehr 1969:

Verkehrsaufklärung nötig

»Aerotrain« gleitet

Urlaub und Freizeit 1969:

Touristenmassen stürmen Mittelmeerküsten

Werbung 1969:

Ausweitung der »infam-raffinierten Triebaktivierung«?

Farbentests im Dienste des Profits

Markenartikel – eine erfolgreiche Strategie seit dem 19. Jahrhundert

Reklame greift die Mondlandung auf

Wissenschaft und Technik 1969:

Technische Neuerungen im Schatten der Mondlandung

Moderne Medizintechnik bewegt sich auch auf umstrittenem Terrain

Tempo am Himmel immer rasanter

Wohnen und Design 1969:

Neue Werkstoffe und Formen verändern den Wohnstil

Auch junge Leute für Gemütlichkeit