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Das Jahr 1999

Kampfeinsatz der NATO in Jugoslawien – mit Bundeswehrbeteiligung


1999 / Europa / Jugoslawien / Mazedonien Krieg in Jugoslawien. Flüchtlinge (Kosovo-Albaner) an der Grenze zu Mazedonien werden gezwungen, auf Eisenbahnschienen zu laufen. Aufnahme vom 01.04.1999

Es ist müßig, darüber zu streiten, ob 1999 nun wirklich das letzte Jahr des 20. Jahrhunderts war oder ob, wie die Mathematiker vorrechnen, das neue Millennium erst am 1. Januar 2001 anbricht – im Bewusstsein der Menschheit, die im Oktober die Sechsmilliardengrenze überschreitet, markiert das Jahr 1999 eine Zeitenwende.

Sie ist es vor allem in der Politik: Am Abend des 24. März beginnt mit den Luftangriffen auf Ziele in Jugoslawien der erste Kampfeinsatz der NATO in ihrer 50-jährigen Geschichte, und die Bundeswehr ist mit dabei. Um die Unterdrückung der albanischstämmigen Bevölkerungsmehrheit im Kosovo zu beenden, führt die NATO Krieg gegen den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Miloševic – mit dem Anspruch einer »humanitären Intervention« zur Durchsetzung der Menschenrechte, aber ohne Mandat der UNO und gegen die Buchstaben des Völkerrechts. »Kollateralschäden«, wie die NATO zivile Opfer nennt, werden dabei in Kauf genommen.

Als nach 79 Tagen Luftkrieg im Juni endlich Frieden am Himmel über Jugoslawien herrscht und die Flüchtlinge zu Hunderttausenden in das Kosovo zurückkehren können, steht die NATO vor der schwierigen Aufgabe, den Frieden zu gewinnen. Eine 50 000 Mann starke KFOR-Schutztruppe im Kosovo, ein Ende Juli beschlossener, milliardenschwerer »Balkan-Stabilitätspakt« und die Auflösung der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK im September sollen das »Pulverfass Balkan« entschärfen.

Erneut führt Russland Krieg gegen Tschetschenien

Die geschwächte einstige »Supermacht« Russland, die dem Krieg gegen ihr serbisches »Brudervolk« zähneknirschend zusehen musste, zeigt im Herbst der NATO ihre Grenzen auf: Ungeachtet aller westlichen Friedensappelle führt Moskau zum zweiten Mal Krieg gegen Tschetschenien. Der unter dem Vorwand, dort »Terroristen« zu bekämpfen, geführte Vernichtungsfeldzug dient nicht zuletzt den politischen Ambitionen von Wladimir Putin: Erst im August zum Ministerpräsidenten berufen, avanciert der bis dahin farblose Ex-Geheimdienstler dank des Kriegslärms im Kaukasus zum neuen starken Mann, der am letzten Tages des Jahres vom amtsmüden Boris Jelzin sogar in das höchste Staatsamt gehievt wird.

Endgültiger Machtwechsel in Indonesien – Fortschritte in Nordirland und Nahost


Porträt von Monika Lewinsky

In Indonesien vollzieht sich ein Jahr nach dem Sturz von Kemusu Suharto endgültig die politische Wende. Doch nicht die Siegerin der Parlamentswahlen, Megawati Sukarnoputri, sondern der kränkelnde Muslimführer Abdurrahman Wahid führt künftig das Reich der über 13 000 Inseln, das nach der von blutigen Unruhen begleiteten Abspaltung der ehemals portugiesischen Provinz Osttimor im September wegen fortbestehender ethnischer und religiöser Konflikte vor neuerlichen Zerreißproben steht. Zwischen den beiden mit Atomwaffen bestückten Nachbarstaaten Indien und Pakistan droht im Mai ein neuer Krieg um das geteilte Kaschmir, der aber durch das Einlenken Pakistans abgewendet wird. Mit der Festnahme von PKK-Chef Abdullah Öcalan bringt die Türkei im Februar den langjährigen »Staatsfeind Nr. 1« in ihre Gewalt. Friedenssignale gibt es aus Jerusalem und Belfast: Die Wahl von Ehud Barak zum israelischen Ministerpräsidenten bringt die Autonomiegespräche mit den Palästinensern und die Verhandlungen mit Syrien über die Golanhöhen wieder in Gang, und die britische Provinz Nordirland bekommt im Dezember eine gemischtkonfessionelle Regionalregierung. Für US-Präsident Bill Clinton, der sich in beiden Krisengebieten erfolgreich als Vermittler betätigt hat, nimmt die Lewinsky-Affäre ein glückliches Ende.

Regierungsumzug nach Berlin, SPD-Stimmungstief und CDU-Schwarzgeld


Oskar Lafontaine, Bundesfinanzminister

Auch für die Deutschen markiert das Jahr 1999 eine Zeitenwende: Zehn Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ziehen Parlament und Regierung von Bonn nach Berlin um; Johannes Rau (SPD) ist der achte und letzte Bundespräsident, der seinen Amtseid am Rhein ablegt. Zugleich wächst Deutschlands Rolle in der Weltpolitik, und mit der EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 1999 rückt die Bundesrepublik zeitweilig in den Mittelpunkt des internationalen Krisenmanagements.

Das Jahr 1999 gerät zur politischen Achterbahnfahrt: Die rot-grüne Koalition, zu Jahresbeginn noch im Hochgefühl des Wahlsiegs vom Herbst 1998, sackt durch die Debatten um den Doppel-Pass, die »Nachbesserungen« beim 630-DM-Gesetz und bei der Scheinselbstständigkeit, den verpatzten Atomausstieg und den Rücktritt von Oskar Lafontaine als SPD-Parteichef und Finanzminister in ein Stimmungstief, das bis zu den herben Niederlagen bei den Landtagswahlen im September und Oktober anhält.

Die Durchsetzung des Sparpakets, das der zum Hoffnungsträger avancierte Finanzminister Hans Eichel geschnürt hat, die spektakuläre Rettungsaktion von Bundeskanzler Gerhard Schröder beim angeschlagenen Baukonzern Holzmann, die demonstrative Rückenstärkung für Schröder beim SPD-Parteitag im Dezember und die versprochene große Steuerreform sorgen allerdings am Jahresende für einen Meinungsumschwung. Anders die Kurve für die Unionsparteien: Die Schwäche der rot-grünen Koalition verhilft der CDU dazu, dass sie scheinbar mühelos einen Wahlerfolg nach dem anderen feiern kann, und sie verdeckt spielend, dass die programmatische Erneuerung nach dem Verlust der Regierungsverantwortung noch längst nicht vollzogen ist. Umso jäher dann der Absturz: Die Parteispendenaffäre bringt im November und Dezember durch Berichte über schwarze Kassen, geheime Konten und nicht angegebene Spenden Altbundeskanzler Helmut Kohl und die neue Parteiführung um Wolfgang Schäuble in Bedrängnis.

Euro als Buchgeld eingeführt – Strommarkt wird liberalisiert


Euro-Münze Euro

Die Gemeinschaftswährung Euro, zu Jahresbeginn euphorisch gefeiert, entwickelt sich zum Sorgenkind: Zwar bleibt die Inflation in Euroland niedrig, und die Wirtschaft fasst wieder Tritt, doch zwischen Januar und Dezember sinkt der Außenwert von 1,18 US-Dollar nahezu auf eine 1:1-Parität. Dagegen haben die Börsianer Anlass zum Jubeln: Am letzten Börsentag kratzt der Deutsche Aktienindex an der 7000-Punkte-Marke.

Die Welle der Fusionen und Übernahmen geht auch 1999 weiter. Frühere Monopolmärkte – nach Telefon und Post nun auch der Strom – geraten in den rauen Wind des Wettbewerbs. Zwar meinen dank geschickter Werbung nun viele Bundesbürger, dass Strom gelb sei (wie es die Marke Yello Strom verheißt), doch noch lässt die Angst, plötzlich im Dunkeln zu sitzen, viele vor einem Wechsel des Energieanbieters zurückschrecken.

Literaturnobelpreis für Günter Grass – Weimar Kulturhauptstadt Europas


November 1991 Günther Grass (*1927), deutscher Schriftsteller, Bildhauer und Graphiker.

40 Jahre nach dem Erscheinen der »Blechtrommel« endet für Günter Grass das lange Warten auf den Literaturnobelpreis. Dass der 72-Jährige nach wie vor ein streitbarer Geist ist, zeigt nicht zuletzt seine vehemente Kritik an Lafontaine, der sich seinen Frust über den verlorenen Machtkampf mit Schröder in einem – großzügig honorierten – Buch (»Das Herz schlägt links«) von der Seele schreibt: »Halt's Maul! Trink deinen Rotwein«, so Grass' Empfehlung an den (ehemaligen) Freund.

Eine Provinzstadt mit 62 000 Einwohnern ist 1999 »Europas Hauptstadt der Kultur«: Weimar verdankt seinen Ruhm vor allem Johann Wolfgang von Goethe, dessen 250. Geburtstag am 28. August gefeiert wird.

Naturkatastrophen: Erdbeben und Stürme fordern Todesopfer


11.8.1999: Kinder beobachten mit Schutzbrillen die totale Sonnenfinsternis in Gmunden, Österreich

Im Jahr 1999 gibt es so viele Naturkatastrophen wie selten zuvor: Mehr als 700 schwere Erdbeben mit weltweit mindestens 70 000 Toten werden registriert, darunter ein verheerendes Beben im August in der Türkei und schwere Beben in Taiwan und Griechenland im September. Die verhängnisvollen Lawinenabgänge im Februar in den Alpen, der Zyklon Ende Oktober in Indien, die schweren Stürme in Westeuropa und die Unwetterkatastrophe in Venezuela am Jahresende zeigen die zerstörerische Kraft der Natur, die zugleich aber für eines der positiven Großereignisse des Jahres sorgt: Die totale Sonnenfinsternis am 11. August, die allerdings in Europa vielfach hinter den Wolken verborgen bleibt. Dafür strahlt die Sonne öfter als sonst, und der Sommer reicht diesmal bis in den September hinein.

Bayern München verspielt Champions-League-Sieg – deutsche Tennisstars treten ab


9.07.1989 / Wimbledon, London Steffi Graf hebt ihre Siegestrophäe in die Höhe.

Auch ohne Fußball-Weltmeisterschaften und Olympische Spiele sorgt der Sport für zahlreiche Highlights: Die vom Erfolg verwöhnten Münchner Bayern verspielen innerhalb von Sekunden den Sieg im Fußball-Champions-League-Finale gegen Manchester United, das deutsche Tennis verliert langjährige Leitfiguren mit den Abschieden von Boris Becker und Steffi Graf (die mit ihrem Kollegen Andre Agassi einen neuen Lebensabschnittspartner gewinnt), im Boxring avancieren die schlagkräftigen Klitschko-Brüder Wladimir und Witali, zwei Wahl-Hamburger aus der Ukraine, zu Kultfiguren, und als »Überflieger« erweist sich der Skispringer Martin Schmitt, Doppelweltmeister, Teenieschwarm und »Sportler des Jahres«.

Fotos des Jahres

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Rekrutierungsbüro der Fremdenlegion in Bayonne
Lugano vom Monte Bre
Blick auf das Riesengebirge
Seppl
New York Central Park Januar 1999
New York Central Park Januar 1999
New York (Manhattan) Januar 1999
New York Central Park Januar 1999