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Urlaub und Freizeit 1952:

Camping mit Reise-Knigge

Der steigende Lebensstandard der Bundesdeutschen lässt sich an den Zuwachszahlen der Tourismusbranche ablesen. Mit Omnibus, Bahn, eigenem Auto oder auch mit dem Fahrrad bewegen sich immer mehr Erholungssuchende zu ihrem Urlaubsziel. Das liegt in den meisten Fällen innerhalb der heimischen Grenzen.

Das beliebteste Urlaubsgebiet ist Bayern. Besonders das Allgäu und das Berchtesgadener Land melden eine Steigerung ihrer Gästezahlen. In der Allgäuer Touristenhochburg Oberstdorf werden im Juli 1951 2100 Gäste gezählt; im August 1952 bilanziert das örtliche Fremdenverkehrsamt bereits die Rekordzahl von 5400 Urlaubern. Die Touristikunternehmen Scharnow und Touropa lösen durch ihre Angebote einen Reiseboom nach Bayern aus. In den Berchtesgadener Touristenzentren um den Königssee sind 1951 7666 Gäste gemeldet, in diesem Jahr sind es schon 8456. Eine zugkräftige Werbemaßnahme der Fremdenverkehrsämter für die Touristen bilden »Heimatabende«. Bei zünftiger Volksmusik und heimischen Lustspielaufführungen finden sich die Gäste am Abend in geselligen Runden zusammen.

Populär ist, weil kostengünstig und abenteuerlich zugleich, der Camping-Urlaub im Ausland. Gegenüber 1951 melden die Hersteller von Zelten in diesem Jahr eine Umsatzsteigung von einem Drittel. Zeltplätze für die beliebte Spirituskocher- und Luftmatratzenkultur sind in allen europäischen Ländern mit mehr oder weniger Komfort vorhanden. Fehlt die Dusche, dann wird sich im See gewaschen. In der Schweiz werden an Straßenrändern Schilder aufgestellt, die auf entsprechende Campingmöglichkeiten verweisen. Ein Nebeneffekt dieser Reisewelle ist die öffentliche Diskussion über Verhaltensregeln für Bundesdeutsche im Ausland. Die »Süddeutsche Zeitung« mahnt im August 1952 zu bescheidenem Auftreten. Durch zu großes Luxusgehabe könnten Ressentiments gegenüber deutschen Touristen geweckt werden. Zwei Vorurteile hätten sich bereits in kürzester Zeit herausgebildet, berichten Korrespondenten aus Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien und den Beneluxstaaten: Der unkultiviert, stets abenteuerlich bis unpassend gekleidete Rucksack-Urlauber und der neureiche Tourist, der mit Geld um sich werfe. Diesen »Verirrungen« einzelner Landsleute, so die Zeitung weiter, gelte es mit bescheidener, freundlicher Art entgegenzuwirken.

Die Bundesrepublik Deutschland hat ihre Anziehungskraft als Urlaubsziel für ausländische Besucher keineswegs eingebüßt: Die Zahl der Deutschlandtouristen hat den Stand von 1939 erstmals überschritten, wodurch 400 Mio. DM an Devisen 1952 ins Land fließen. Beliebteste Ziele der Ausländer sind der Schwarzwald und die Nordsee.

Fotos des Jahres

Alle Fotos unserer Mitglieder zu diesem Jahr anzeigen

Interieur anno 1952
Chemielaborant im Labor
Herren-Mode 1952
Betriebsausflug 1952
Darmstadt : Szene auf dem Luisenplatz 1952
Darmstadt : Szene in der Innenstadt 1952
Die Oberweißbacher Bergbahn
Berliner Mauer
Berlin "geräumte Trümmergrundstücke"

Das Jahr 1952

Westbindung der Bundesrepublik bringt bedingte staatliche Souveränität

DDR lehnt sich enger an UdSSR an – Bürger fliehen in Scharen nach Westen

Montanunion mit Deutschland als Mitglied: Keimzelle der Europäischen Gemeinschaft

Wirtschaftlicher Aufschwung in der Bundesrepublik: Auto, Urlaub und harmonische Filme

Erstmals nach dem Krieg deutsche Sportler bei Olympischen Spielen

Arbeit und Soziales 1952:

Bescheidener Lebensstandard und hohe Arbeitsmoral

Über eine Million sind ohne Arbeitsplätze

Finanzministerium hilft notleidenden Beamten

Lehrjahre - keine Herrenjahre

Schutz für erwerbstätige Mütter

Staat schafft goldenen Boden

Architektur 1952:

Politik, Leistung und Nutzen dominieren jetzt die Baukunst

Alles unter einem Dach Le Corbusiers »Unite«

Hamburger Opernhaus ohne die alten Zöpfe

Auto 1952:

Geldmangel verhindert Pkw-Boom im »Entwicklungsland«

Das jüngste Produkt von Ford: Der Taunus 12 M

Bildungswesen 1952:

Neue Ziele contra alte Zöpfe

Streit um Bekenntnisschulen

Kreativität in der Gemeinschaft

Junglehrer fordern mehr Gehalt

DDR: SED macht mit »Neulehrern« Schule

Volkshochschulen sind Barometer für »Wissensdurst« der Bundesbürger

Essen und Trinken 1952:

Bohnenkaffee duftet nur an Feiertagen

Margarine statt Butte

Ohne Truthahn ist Erntedank nur halb so schön

Mode 1952:

Weiche Konturen auf dem Vormarsch

Frauen entdecken die Hosenmode

Verkehr 1952:

Mit Vollgas in die Auto-Ära

Urlaub und Freizeit 1952:

Camping mit Reise-Knigge

Gen Süden meist per Bus und Bahn

Komfort ist Trumpf im Zelturlaub

Neues für sonnige Tage

Bunte Prospekte und Plakate laden Bundesbürger zum Urlaubsvergnügen unter südlicher Sonne ein

Mit dem FDGB fährt der DDR-Skifreund preisgünstig in die Winterferien

Werbung 1952:

Abenteuer und Luxus locken

Bei Savignac zählt nur der Spaß: Halbes Schwein mit Dosenöffner, Känguru mit Reißverschluss

Hollywood-Glamour als Reklamemittel

Wissenschaft und Technik 1952:

Kernphysik im Kriegsdienst

Herzklopfen mit Batterieantrieb

Hohe Leistung auf kleinem Raum

Blasenkammer zeigt Teilchen

Mit Treibstoff Atom ohne Tankstopp mehrmals um die Welt fliegen

Wohnen und Design 1952:

Zeitgemäßes »Zuhause« hat wenig Komfort

Meisterhafte Möbelentwürfe für Handwerk und industrielle Fertigung