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Mode 1931:

Wirtschaftskrise zwingt auch die Haute Couture zum Sparen


1931 / Frankreich Die französische Modeschöpferin Gabrielle "Coco" Chanel (1883-1971).

Die Weltwirtschaftskrise wirkt sich spürbar auch auf die Mode aus. Von »größter Einfachheit« und »Unaufdringlichkeit«, selbst bei Kleidern für den Kurort oder für den Rennplatz, ist die Rede. Auch die Haute Couture muss sparen, was weniger an den Schnitten als vielmehr an den Materialien sichtbar wird. So zeigt Gabrielle Chanel eine Kollektion aus 35 baumwollenen Abendkleidern. Kunstseide und Jersey, Chanel-Jersey genannt, werden am häufigsten verarbeitet. Selbst die elitäre Pariser Modezeitschrift »Vogue« bietet Schnittmuster an. Demgegenüber gaukeln die 1931 produzierten Hollywoodfilme höchsten Luxus vor, der aber nur wenigen vorbehalten bleibt.

Die neuesten Kreationen werden auf »Rennbahn-Modeschauen« von Mannequins vorgestellt. Dafür sind viele Modelle mit großen Initialen des betreffenden Modeschöpfers versehen. Am meisten beachtet werden Modelle mit Anklängen an die Mode von 1900. Das Haus Worth in Paris bringt im Frühjahr zweierlei Kollektionen heraus, »eine für die junge und eine für die ältere Dame«. Beide Altersgruppen trugen bisher die gleichen Modelle, »was nicht immer vorteilhaft war«.

Strenge und Biederkeit lassen sich in der Mode für jedermann nicht mehr verleugnen. Für den Tag sind Kostüme und Jackenkleider am meisten gefragt, denn »in der heutigen Zeit ist die Dame ohne Jacke nicht vollständig bekleidet. Das Sommerkleid mit kurzem Ärmel verschwindet mehr und mehr aus dem Stadtbild und wird nur dort getragen, wo es wirklich am Platze ist: Beim Sport, draußen im Grünen, beim Wochenende und am Strand, ansonsten wird es durch ein Bolero oder eine vorne gebundene Blusenjacke ergänzt.« Das Bolero ist kragenlos, während alle anderen Jackenformen ein betont breites Revers, meist mit hellem Pikee oder Organdy belegt, aufweisen. Mäntel sind in einer strengen Herrenfasson gehalten, allenfalls mit einem Pelzkragen zur Auflockerung.

Bei den Hüten sind die extravaganten, strengen Toquebaretts aus der Mode gekommen zugunsten weicher Glockenformen. Bei solchen Hüten wird die Krempe auf einer Seite aufgeschlagen und mit einem Pfeil, einer Feder oder einer Rosette befestigt. Dadurch ergibt sich eine flotte asymmetrische Form mit einer einseitig längeren Krempe. Im Sommer sieht man wieder viele breitkrempige Hüte. Bei den Schuhen wird der weit ausgeschnittene Pumps in sehr ansprechenden Kombinationen von Kalbs-, Antilopen- und Reptilleder favorisiert. Kleine familiäre Feste werden spektakulären öffentlichen Auftritten vorgezogen, weshalb das große Abendkleid hinter das »häusliche Gesellschaftskleid« zurücktritt. Dieses ist betont einfach, hat meist lange Ärmel und ein mäßiges Dekolleté, das mit schalähnlichen Drapierungen oder einem breiten, mit Pikee besetzten Revers aufgelockert ist. Selbstgemachte Handarbeiten wie Spitzenaufputz und Stickereien sollen die hausfraulichen Fähigkeiten der modebewussten Dame unterstreichen. Weite Hosenkleider sprechen für den Hang zum Praktischen und Gemütlichen. Nur das große, bodenlange Abendkleid weist ein tiefes und breites Rückendekolleté auf.

Vorschläge für bequeme Arbeitskleidung für Haus und Garten sowie Anleitungen für Selbstgestricktes nehmen in den Frauenzeitschriften deutlich zu. Die Hose ist nicht mehr nur bei der emanzipierten Frau (»Garconne«) anzutreffen: Overalls und Trägerhosen mit sehr weiten Beinen werden sowohl für die Hausfrau als auch als bequeme sommerliche Freizeitkleidung vorgeschlagen.

Die US-Amerikaner entdecken den »Amphibian Chic« und meinen damit die Eleganz an Wasser und Strand. Strandkleidung besteht auch in Europa aus dünnen Strandpyjamas sowie Jacken und Mänteln aus Frottee als Ergänzung zu den Badeanzügen. Diese - neuerdings mit tiefen Rückendekolletés - »wiesen zwischen der Sonne und dem Rücken nichts als die schmalen Trägerstreifen auf«. Andererseits jedoch reicht der Beinansatz des Badekostüms bis an den Oberschenkel. Die Badeanzüge sind aus Wolle oder Jersey, mit flotten grafischen Mustern in bevorzugtem Zitronengelb. Das Ganze wird durch einfallsreichen Modeschmuck wie einer Halskette aus rosa Kunststeinen und rosa Kügelchen aus rauem Gummi sowie einem Gürtel aus Gummi ergänzt.

Auch die Tenniskleidung reagiert spontan auf die fraulichere Modesilhouette, gleicht sich den körperbetonten Tageskleidern an, erhält »abendähnliche« Ausschnitte und wird wadenlang. Weitaus sportlicher dagegen wirken Tennisshorts und Polohemd.

Auch der Herr ist auf einen figurbetonten Schnitt seiner Kleidung bedacht. Jackett und Mantel sind auf Taille gearbeitet, eng um die Hüften gehalten und unterstreichen durch Polsterung der Achseln die breiten männlichen Schultern. Die Revers fallen sehr breit und kurz aus, um zusätzlich die Schultern zu betonen. Neben weißen werden senkrecht oder horizontal gestreifte Oberhemden modern; auch leicht getönte Hemden empfindet man als schick. Krawatten sind gepunktet oder gestreift. Die Herrenmode verspricht »weltmännische Lässigkeit«.

Fotos des Jahres

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Bochumer Verein Stahlguß um 1930
Bochumer Verein Hüttenarbeiter beim Gießen um 1930
Schwerte,Markt ,Dreissiger Jahre
Kokerei der Zeche Robert Müser um 1930
Schwerte,Schu-So-Lei
Zeche Prinz Regent in Bochum Weitmar um 1940
Schwerte,Westenstrasse
Bongardstraße, Ecke Kortumstraße in Bochum um 1930
Schwerte,Brückstrasse,Ecke altes Rathaus